Terror Serpent



Originaltitel: Daai se wong (1988)
Regie & Drehbuch: Godfrey Ho
Darsteller: Pierre Kirby, Edowan Bersmea, Danny Ravebeck FSK: 16


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IFD Films & Arts. Regie Godfrey Ho. Produktion Joseph Lai.
Wer jetzt sein Katana aus dem Wandschrank kramt, die alten Rauchbomben mit Lachgas füllt und sich ein Stirnband mit der Aufschrift NINJA um die Omme wickelt, liegt ganz falsch. Denn bei ’Terror Serpent’ geht es nicht etwa um die vermummten Schattenkämpfer, die das IDF Team in so vielen Filmen verwurstet hat, sondern um eine riesige Gummischlange, die einfach nicht aufhören will, zu wachsen.

Mal davon abgesehen, dass ’Terror Serpent’ eines der absurdesten Trash-Vehikel ist, die mir jemals zu Augen kamen, ist das Teil schwerlich in Worte zu fassen. Das fängt schon bei der Genre-Bezeichnung an. Hier treffen sich nämlich Action-Thriller, Tierhorror, Kinderfilm und Katastrophen-Monsterspektakel. Klingt obskur? Aber hallo!

Reißen wir mal die oberdämliche Story an:

Süüüß, oder?
In einem Hong Konger Versuchslabor wird eine Formel entwickelt, die Lebewesen zu XXL-Größe wachsen lässt. Ursprünglich zum Wohle der Menschheit gedacht, wird schnell das Militär darauf aufmerksam und plant, gegen den Willen des Schöpfers, das Zeug für die biologische Kriegsführung einzusetzen. Auf dieselbe Idee kommt auch Terror-Führer Salomon, der sein Bomb-Squad auf das Labor hetzt und eine wilde Verfolgungsjagd anleiert, bei der die Formel bzw ein Behälter mit dem Wirkstoff im Straßengraben landet. Hier findet ihn das kleine Mädchen Ting-Ting und denkt sich, dass der Kasten ein netter neuer Wohnplatz für ihre Mini-Schlange Mosla wäre. Gesagt getan. Nur wächst Mosla wenig später zu stattlicher Größe heran und die Kleine muss das Biest erst einmal vor ihren Eltern verstecken. Aber nicht, bevor sie sich überzeugt hat, ob die Riesenschlange wirklich ihr kleiner Liebling ist:

“Are you Mosla?“
Schlange nickt mit dem Kopf
“Are you really Mosla?“
Schlange nickt mit dem Kopf
“How’d you get so big?“
Schlange schüttelt den Kopf.
“Mosla, if you don’t know, then I don’t know either.”

Was bleibt dem Mädel anderes übrig, als zu ihrer tierischen Freundin zu halten. Immerhin hilft ihr Giant Mosla dabei, den ersten Platz beim Roller-Ski zu belegen…

Hmh...


…spielt mit ihr Balla-Balla und Hasch-Mich und ist auch sonst ein freundlicher Wegbegleiter für lil’ Ting-Ting. Doch die Harmonie findet ein jähes Ende, als die Terroristen dem Mädchen und seinem neuen Freund auf die Schliche kommen.

“The formula is probably with the girl. Find her!”
“Hey, Gary. What about that Giant Snake that’s always with her.”
“Hmmm.”

Die Bastarde schaffen es, Mosla in einem Elektro-Feld gefangen zu halten, doch was sie nicht wissen: Elektrische Spannung lässt das Vieh nur noch weiter wachsen. Bald heisst es wieder: “Mosla! How did you get so big!?“ und die nahe gelegene Stadt wird zum Trümmer-Spielplatz für den Serpentinen-Godzilla. Können die Polizei, das Militär und klein Ting-Ting die Katastrophe aufhalten?

Kaum!

Keuch… Ächz… Schlotter!
Hat sich jemand die Nummer des Lastwagens notiert?
Er transportierte eine riesige Schlange, die einem quietschenden Mädel hinterher hüpfte… ja hüpfte! Außerdem waren da noch Terroristen, die Sätze wie “All of the underdeveloped countries will beg me for help. I will even have my own army.” zum Besten gaben, zwei Bullen, die bei jeder Gelegenheit ihre vollautomatischen Schusswaffen mit Schalldämpfer einsetzen und ein Einzelkämpfer, der einfach alle aufmischt…

All you can eat, baby!
Bei Osiris und Apis. Bei Manitou, Budda, Zeus und Quetzacoatl und wie sie nicht alle heissen… Was hat man sich nur bei der Mache dieses Filmes gedacht?!
Blutige Schusswechsel treffen auf hüpfende Kinder. Riesige Schlangen erschrecken besorgte Eltern. Schreiende Menschenmassen gehen in Miniaturstädten zu Grunde.
Dass die Inszenierung eines solchen Schlock-Festes keinerlei Finesse offenbahrt, versteht sich von selbst. Die grobe Kelle waltet hier in allen Ecken. Seien es die absulut unglaublichen Billig-Effekte (’nen Feuerwehrschlauch zur Schlange zusammengeschweisst und an Fäden durch die Landschaft gehebelt), die überkandidelten Darsteller (u.a. alte Bekannte aus dem IDF-Universum... ich sach nur ’Jackson’) und allen voran die furchtbar schräge Synchro (wohlgemerkt der englischen Fassung, die mir hier zur Verfügung stand).

MOSLA! MOSLA! MOSLA!
HALT DIE FRESSE!
Vor allem Göre Ting-Ting mit ihrem ewigen “MOSLA!“-Geplärre ist gegen Ende mehr als nervraubend. (SPOILER: Ganz besonders, wenn sie am toten Pappkopp von Mosla rüttelt und ununterbrochen “You can’t die! You can’t die!“ kreischt. Jesus… das war echt zu viel!) Während sich die erste Hälfte von ’Terror Serpent’ um Industrie-Spionage, Kinderzimmer-Szenen und ’Snake vs Terrorist’-Action dreht, in denen Mosla mit ihrem Schwanz zuschlägt, wie Bud Spencer mit der Faust (gibt auch das gleiche Geräusch), lieh man sich danach irgendein altes Tokio-Set einer längst vergessenen Toho-Produktion und ließ Mosla dort mal ordentlich von der Skyline naschen. Dabei richtet sie natürlich allerlei Schaden an:
Kollateralschaden, Wasserschaden und Totalschaden. Die Sound-Effekte während der Katastophen-Szenen hören sich dann auch an, als würde jemand bei geöffnetem Wasserhahn einen Küchenschrank ausräumen. Mosla selbst kräht wie ein Huhn beim Rupfen und einer der Protagonisten, ein gewisser ’Ted Fast’ (von Beruf Superfighter) haut mit Filmzitaten (”Come on, shoot! Make my day, punk!“) um sich. Ein musikalischer Score ist mir bei dieser enormen Geräuschkulisse gar nicht aufgefallen. Vielleicht beim nächsten Mal. … In ein paar Jahren.

Noch heute fungiert Moslas Leiche als
Leuchtreklame im Hong Konger Rotlicht-Viertel.

Warum Godfrey Ho ausgerechnet bei diesem Streifen ein Synonym benutzte, ist mir ein Rätsel. ’Terror Serpent’ ist fraglos das unterhaltsamste Stück Schrott, das er jemals fabriziert hat. Das einzige, was hier fehlt ist Richard Harrison mit Ninja-Stirnband. Aber man kann eben nicht alles haben. Wer sich ’Trashfan’ schimpft, kommt an dem Teil jedenfalls nicht vorbei.


Hudson