Terror Train – Monster im Nachtexpress


"Don't waste money on a return fare. You won't be coming back!"


Originaltitel: Terror Train (1980)
Regie: Roger Spottiswoode Drehhbuch: T.Y. Drake
Darsteller: Jamie Lee Curtis, Ben Johnson, Hart Bochner FSK: 16


Wenn ein Film mit dem Satz: „Juchhu, frohe Bumsnacht!“ anfängt, wissen wir schon: Jetzt wird’s schrottig.

Die Teenager Alana (Jamie Lee Curtis) und Doc (Hart Bochner) spielen dem ohnehin schon mental labilen Kenny einen bösen Streich (naja, wer ’ne gelbe Feinripp Schlüppi trägt, hat’s aber auch verdient). Alana macht einen auf ’sexuell interessiert’ und lockt Kenny ins Bettchen, in dem Doc schon eine tote Leiche versteckt hat. Kein Wunder, dass Kenny verrückt wird und in der Klapse landet.

Zug zum Schafott
Ein paar Jahre später veranstaltet Doc mit all seinen Freunden eine zünftige Fete in einem fahrenden Zug, komplett mit Masken, Kostümen und jeder Menge Sex, Drugs & Kuschel-Muschel-Orgel-Mucke.
Ein bisschen Pre-College Blabla, Rumgemache und Saufereien und schon schleicht ein fieser Killer in ’Groucho Marx’ Maske durch die Abteile. Und wie das mit den Marx Brothers so ist, lacht man sich jedesmal schlapp, wenn er vor der Kamera grad rumgurkt. Hm, ob das von den Machern so gewollt war?
Es stellt sich heraus, dass der Killer immer die Maske seines letzten Opfers benutzt und unerkannt munter weiter mordet, was aber genauso harmlos von statten geht, wie der Rest des Films. Außerdem gibt es einen Auftritt von Föhnwellen-Magier David Copperfield zu bewundern, der im Film (Achtung, jetzt kommt’s) einen Zauberer spielt (aber ohne Föhnwelle). Als sich die Morde häufen, beginnt der Kontrolleur (Hollywood Altstar und Oscar Gewinner Ben Johnson, ’The Wild Bunch’) seine Ermittlungen. Und so wirft man auch noch das gute alte ’Der eine Schaffner sieht den Toten, sagt’s dem anderen und als beide am Tatort sind, ist die Leiche weg!’ Spiel. Ziemlich originell, oder?

Nein!

"Entschuldigung, bin ich hier
richtig, beim Set von 'Ator 5'?"
Regissuer Roger Spottiswoode, der vorher als Cutter bei Sam Peckinpahs ’Wer Gewalt sät’ und ’Pat Garrett jagt Billy the Kid’ fungierte und später sogar James Bond und Arnie über die Leinwand scheuchte, gibt sich in seinem Debutfilm weder sonderlich Mühe, das ohnehin schon sehr sparsame Drehbuch durch interessante optische Ideen anzureichern, noch eine atmosphärisch dichte ’Whodunit’ Spannung zu schaffen.
Jamie Lee Curtis, die nach ’Halloween’, ’Prom Night’ und ’The Fog’ hier nun schon zum vierten Mal in Folge die Scream Queen gibt, und Hart Bochner (’Stirb Langsam’) holen aus ihren postpubertären Rollen (die so flach sind wie die Brüste der Pailletten-Kleid Komparsin), das beste raus. Der einzige, der hier schauspielerisch wirklich etwas zu bieten hat, ist der (wie immer) großartige Ben Johnson, der seiner Rolle die nötige Gravitation verleiht, und wenigstens die vor dem Tinnef-Plot des Films rettet. Die Nebendarsteller nebendarstellern vor sich hin und ihre deutschen Synchromstimmen sind so wertvoll, wie sie passend sind. War ’ne gute Idee, die Teenager von scheinbar 50jährigen nachsprechen zu lassen.
Furchtbare Discomusik, der längst verstorbenen 70er Jahre wechselt sich mit einem recht spannenden Score ab und wenigstens die Kamera fängt die klaustrophobische Stimmung im Zug recht passend ein.

"Nein, du Penner, hier ist 'Marx Brothers im Zug'!"

’Terror Train’ ist B-Film-Horrorthriller-Massenware in Reinkultur. Allen Eisenbahn-Fans lege ich viel eher ’Mord im Orient Express’ ans Herz, den Kids empfehle ich ’Halloween’. ’Terror Train’, nächste Haltestelle: Die Grabbelkiste in eurer Videothek!

Hudson