Terminus



Originaltitel: Terminus (1987) Regie: Pierre-William Glenn
Drehbuch: Glenn Duvic, Patrice Duvic, Alain Gillot & Wallace Potts
Darsteller: Johnny Hallyday, Karen Allen, Jürgen Prochnow FSK: 12


Quizfrage:
Wenn zu Beginn eines Filmes folgender Monolog aus dem Off geflüstert wird:
“Es ist das Jahr 2037… Die Menschheit ist durch Seuchen, Kriege und Atomkatastrophen beinahe ausgerottet…“ welche Art von Film haben wir vor uns?
A: Animationskomödie mit sprechenden Tieren
B: Tierhorror
C: Arthouse Drama
Oder D: …


ENDZEIT!

Im titelgebenden ‘Terminus’, einer regierungsfeindlichen High-Tech-Basis der Endzeit (ja, eine Endzeit mit Regierung!) hocken Mad Scientist Jürgen Prochnow und der kleine Nutella-Fratz Mati. Der Junge, trotz Entchen auf der Schürze ein technisches Genie, hat ’Monster’, ein hochentwickeltes Road-Rash-Vehicle entworfen, das der Mittelpunkt eines ominösen ’Spieles’ ist.
Szenenwechsel:
Wir sehen das wackelig dreinschauende Riesen-Automobil durch die Savanne kutschen und erhaschen auch einen Blick ins Innnenleben, in welchem ein Bordcomputer aus menschlichem Gewebe im Handschuhfach installiert wurde und die Fahrerin Gus (Karen Allen) mit spaßigen Ansagen belästigt: “Achtung-Notfall.-Das-Fahrzeug-wird-sich-in-zehn-Sekunden-selbst-zerstören.“
Ziel des Trucks ist der ’Terminus’. Doch der Weg ist gespickt mit Widrigkeiten und Hindernissen in Form der obligatorischen Endzeit-Jocks. Es dauert nicht lange bis Gus und ’Monster’ vom Weg abkommen und von postapokalyptischem Straßengesocks hops genommen werden. In Gefangenschaft des wahnsinnigen ’Majors’ lernt sie den ehemaligen Soldaten Stump (Johnny Hallyday) kennen. Der ’Major’ glaubt, dass hinter dem ’Spiel’ mehr steckt und versucht Informationen aus Gus zu foltern. Im letzten Atemzug schickt sie Stump los, ’Monster’ zum ’Terminus’ und zu Mati zu fahren, um das ’Spiel’ zu beenden. Doch hinter der Sache steckt tatsächlich mehr, als jeder einzelne von ihnen glaubt…

Sanft zu Frauen ...
Da schau an: Die Endzeit kann also doch noch andere Gesichter zeigen, als die wüste 0815-Version eines x-beliebigen ’Mad Max’-Rip-Offs. Nicht, dass etwa auf die Zutaten eines deftigen P.A.-Actioners verzichtet wurde. Gott bewahre! Wir haben monströse Vehikel, die sicher nicht von ungefähr an ’Mad Max 2’ erinnern und in aufwändigen Stunts zu Schrott gepresst werden, einen Hauptdarsteller mit einer cybernetischen Power-Faust, wilde Offroad-Jockeys mit finsteren Plänen und nicht zuletzt den lächerlichsten Bordcomputer der Filmgeschichte, komplett mit aufgeklebtem menschlichen Kussmund (quasi eine Art K.I.T.T.-HAL-C3PO-Zwitter mit Schlauchbootlippen).
Und dennoch steckt (wie schon der letzte Satz meiner bis dahin wenig [bezüglich des tieferen Sinns] aufschlussreichen Inhaltsangabe sagt) mehr dahinter!
Die Deutsch/Französische Co-Produktion begnügt sich nicht mit dem Einerlei eines typischen Backcover-Textes, sondern packt Themen wie Genetik, künstliche Intelligenz, Faschismus und die Manipulation durch selbigen hinein, um zwischendurch die Frage zu stellen “…ob das Menschsein das ist, wozu es immer hochgejubelt wird.“
Leider bedeuten große Ambitionen nicht automatisch große Resultate. Wo der begriffliche Kern und die äußere Schale punkten, schwächelt das Bindegewebe.

... hart zu Männern.
Zu sehr wird der Zuschauer zwischen Ideen und Bildern hin- und hergeworfen, über Motive und Beweggründe im Dunkeln gelassen und zwischendurch mit postapokalyptischem Lokal-Kolorit überschüttet. Genau da findet sich auch der größte Schwachpunkt des Films: Regisseur Glenn und seine Autoren wollen alles auf einmal. Und damit sind schon andere auf die Fresse gefallen. Aufgefangen wird der Sturz nicht nur durch wuchtige Action und farbenfrohe, spielfreudige Kameraarbeit, sondern auch von den durchweg passablen Darstellern.
Johnny Hallyday, eine Art ’französischer Elvis’, macht sich erstaunlich gut als knurriger Endzeit-Outsider, (was sicherlich auch an der deutschen Synchro von Manfred Lehmann liegt), Karen Allen spielt die toughe Actionbraut, die sie in ’Jäger des verlorenen Schatzes’ berühmt machte, mit dem richtigen Maß an Gefühl und die Kinderdarsteller sind weit genug entfernt von der üblichen Knirps-Nerverei. Die Krone setzt jedoch Jürgen Prochnow dem Ganzen auf. Er ist in ganzen drei Rollen zu sehen; als kaltblütiger Geschäftsmann, tuntiger Wissenschaftler und gewissenloser Söldner. Prochnow bringt alle drei Figuren auf den Punkt und sorgt (gewollt oder ungewollt) vor allem als Mad-Scientist-Transe für Spaß.
Das große Lachen bekommt man auch bei der Vertonung von Super-Truck ’Monster’, der/die/das mit seinen Sprüchen vor allem auch Trash-Fans vor den Bildschirmen bannen dürfte:
“Möchtest - du - auch - Popcorn?“
“Nein.“
“Mit - Himbeergeschmack - reich - an - ungesättigten - Fettsäuren, - das - macht - die - Haare - auf - der - Brust.“

’Monster’, sieht von innen noch schärfer aus!

’Terminus’ ist definitiv ein Film, auf den man sich einlassen muss. Hier gibt es mehrere Schichten, die nicht unbedingt immer ineinander greifen und eine Materie bergen, die zwar zu komplex für diese Art von Unterhaltung ist, das Gesamtwerk aber nichtsdestotrotz wohltuend über dem Einheitsbrei schweben lässt. Nur einen Kohärenz-Klacks von der nächsthöheren Wertung entfernt.



PS: Unter Einfluß von Alkohol und mit den richtigen Stimmungskanonen auf der Couch, könnte man ihn vielleicht auch als das genießen, was das Cover verspricht.

Hudson