Der Turm der lebenden Leichen


‘They came, they saw, they died!’


Originaltitel: Tower of Evil (1972) Regie: Jim O'Connolly
Drehbuch: Jim O'Connolly & George Baxt
Darsteller: Bryant Haliday, Jill Haworth, Anna Palk FSK: ungeprüft


Schwester Scream Queen bitte...
Das Leuchtfeuer des ’Turm(es) der lebenden Leichen’ auf Snape Island, einer kleinen Insel inmitten der finstersten Nebelbänke diesseits von Bodega Bay, sieht man schon lange nicht mehr. Trotzdem verschlägt es genau dorthin immer wieder Neugierige, deren Leben ein jähes Ende auf der Insel finden soll. Als zwei Fischersleute auf ihrer üblichen Runde am Eiland andocken, finden sie ein Bild des Grauens vor. Mehrere Leichen liegen blutig zugerichtet auf den Stufen des Leuchtturms und als die beiden nach Überlebenden suchen, werden sie von einer messerschwingenden, sichtlich verwirrten jungen Frau attackiert.
Das unter Mordverdacht stehende und mittlerweile komplett katatonische Mädchen wird von der Polizei auf dem Festland in Gewahrsam genommen und soll, während sie von einer Disco-Lichtanlage hypnotisiert wird, die Geschehnisse auf der Insel rekapitulieren.
Derweil begibt sich schon die nächste Gruppe junger Leute, Archäologen mit monetären Beweggründen, auf die Spukinsel und sieht sich bald mit einem ungewissen Schrecken konfrontiert, der mehrere Fragen aufwirft.

...auf die Prankenstation.
Was wurde aus der Familie des Leuchtturmwärters? Wer schluchzt und jammert und schlurft dort des Nachts durch die Ruinen? Woher kommt die seltsame Musik? Welcher Kunsthandwerker hat diese Studiokulisse gezimmert und kann ich seine Nummer haben?
’Horror of Snape Island’ ist nicht etwa ein ’Harry Potter’ Spin Off um einen mordenden Zauberlehrer (au weia, der war schmerzhaft offensichtlich oder?) und auch kein Zombie-Schlocker im Zuge der ’Nacht der lebenden Toten’ (den Titel haben wir eh nur dem deutschen Verleih zu verdanken, der damals alles Mögliche in ’untot’ ummünzte), sondern geht nach seinem eindrucksvoll stimmigen Prolog viel eher den Weg aller Slasher. Und die waren anno 1972 ja gerade erst im Begriff, erfunden zu werden. Eine Pionierfunktion ist dennoch nicht zu bescheinigen, denn im Grunde genommen handelt es sich hier um klassischen Gothic-Horror mit etwas Schmiss aus ein paar Spritzern Blut, nackten Tatsachen und Drogenkonsum (ebenfalls Ingredienzen, die im Siebziger Genrekino sehr populär werden sollten).

Son of Furankenshutain
Die Story - zottelig frisierte Kleindarsteller ergründen das Geheimnis des phönizischen Sonnengottes Baal (der seine Schatzkammer offensichtlich im Keller eines alten Leuchtturms vor der englischen Küste eingerichtet hat) und werden einer nach dem anderen von mysteriöser Klauenhand dahingerafft - ist schmerzfrei banal und reißerisch bis käsig umgesetzt.
Wie auch in ähnlichen Filmen aus der glorreichen Hammer-Ära, sehen wir entsetzte Protagonisten, die schreienden Halses und mit aufgerissenen Augen direkt in auf sie gerichtete Klingen rennen, gerne auch kombiniert mit dem Einsatz hektischer Schnetzel-Rückblenden, die Montage-artig mit schwingenden Messern, blutigen Resultaten, noch mehr Licht aus der Discofunzel, panischen Close Ups und hysterischem Voice Over (“Blut! Töten! Töten! Blut! Aaaargh!”) durchsetzt werden.
Dass dies alles auf Studio-Sets mithilfe von Leinwänden und/oder Rückprojektionen gedreht wurde, stört keinen großen Geist. Tatsächlich erwarte ich persönlich das von einem Film dieser Art, genau wie die Anwesenheit eines grunzenden Killers in Schmadder-Make Up und die unsinnige, aber bedingungslose Explosion zum Finale.

“Er hat auch eine Waffe dabei.“
“Woher weißt du das?“
“Weil ich gesehen habe, dass seine Hose sich ausbeult.“
“Das kann ich mir vorstellen.“

Also wirklich... Der hat hat doch drum gebettelt!

Nach vielversprechendem Anfang schieft der ’Turm der lebenden Leichen’ in die eher konventionelle, aber immer noch unterhaltsame B-Movie-Schräglage ab und kann von mir daher zwar nicht uneingeschränkt empfohlen, Fans von klassisch-britischem Horror der Preisklasse B aber sorglos mit dem Herz in die Hose gelegt werden.



PS: Zieht euch das alternative deutsche Poster rein! Ganz großes Collagen-Kino.


Hudson