Schande des Dschungels


‘First, there was "Fritz the Cat"...Then, "Heavy Traffic"...And now, THE FUNNIEST ADULT CARTOON EVER!’


Originaltitel: Tarzoon, la honte de la jungle (1975)
Regie: Picha & Boris Szulzinger Drehbuch: Pierre Bartier & Picha
Original-Sprecher: Bernard Dhéran, Georges Aminel, Arlette Thomas FSK: 18


“Afrika – hier ist mehr als die Banane krumm…
Jeder bumst jeden. Und wer die stärkste Stoßtange hat, der hat Vorfahrt.“

Gut abgehangen: Schande
Königin Bazonga (laut Erzähler so charmant wie eine Pellkartoffel) diskutiert mit ihrem doppelköpfigen Figaro, wie man ihr kahles Haupt mit Haaren auffüllen kann. Es muss etwas besonderes sein, schließlich will sie nicht aussehen wie “…die Putze von Mao Tse Tung…“ Also schickt Bazonga ihre Pimmel-Armee (!!!) in den Dschungel, wo Schande, der König desselben, und seine Frau June hausen. Letztere wird schließlich entführt und in den Palast der Königin gebracht, um ihre Haartracht an Bazonga abzutreten. Das kann Urwald-Eumel Schande natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so beginnt seine Reise durch den tödlichen Dschungel, über die Wüste bis zum Palast, in dem unbeschreibliche Dinge vor sich gehen…

Unbeschreiblich ist auch das Wort, dessen inflationärer Gebrauch sich im Bezug auf diesen Film aufdrängt. Also Foul-Anaimation at it’s best, folks!

Das etwas andere 'Fastfood'
Kaum zu glauben, dass ’Schande des Dschungels’ Pichas erster Film war und nicht etwa die konsequente Verschmelzung der beiden Vorgänger. Dann ähnlich wie in ’Das Fehlende Glied’ wird hier das Fressen und Gefressenwerden einer barbarischen Urwelt zelebriert und genau so ähnlich wie in ’Der Große Knall’ wird sich hier sexuell ausgelebt, als hätten sich ’Fritz the Cat’ und Gina Wild zum One Night Stand getroffen.
Beispiel: Während drei Riesenpimmel June oral befriedigen, masturbiert der Affe Ficker auf einer Kommode. Überhaupt fasst hier jeder jedem an primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale, wie es ihm/ihr gerade passt. So schwingt Schandes Affe an dessen Genital, während Schande selbst an Lianen durchs Gehege dengelt.

Das ist NICHT lustig!!!
Davon abgesehen zeichnet sich der Film durch einen geradezu überschwänglichen Detail-Reichtum aus. Dieser äußert sich nicht nur in der viefältigen Dschungel-Welt, sondern auch in punkto Pop-Kultur-Referenzen. Da gibt es einen Elefantenfriedhof, auf dem die Gebeine von ’Dumbo’ und den ’Dschungelbuch’-Dickhäutern begraben sind, Tim und Struppi lehren einen Eingeborenen-Stamm die Bibel und sogar James Bond bekommt sein Fett weg.
Die Welt selbst ist (ich sagte es bereits) ’unbeschreiblich’. Kurzer Versuch:
Menschenfressende Pygmäen, klavierspielende Vogelspinnen und Krokodile im Rollstuhl, Gebirge, die aussehen wie der Schoß einer Frau, ein Feld sprechender Bläser-Blumen (“Sein Beutel ist stramm, saugt leer seinen Schwamm!“) und eine Armee von Pimmel-Soldaten (genannt ’Schnellspritzer’), die in Hakenkreuz-Formation Stellung nehmen, sind nur der Anfang.

Touristen, wo man hinschaut
Ursprünglich unter dem Namen ’Tarzoon’ in die Kinos gebracht (nachdem ein vorausgegangener Kurzfilm großen Anklang auf den Filmfestspielen in Cannes fand), klagten bald die Erben Edgar Rice Burroughs’, dass dieser ’abscheuliche Film’ keine Ähnlichkeiten mit dem Namen seines größten Werkes haben dürfe, und wurde kurzerhand in ’Schande’ umbenannt.
Kein Wunder, wird der Protagonist doch mittendrin von einer ’Tarzan’-typischen Expedition ergriffen, deren Teilnehmer kurz darauf im Dschungel verspeist werden und deren weibliches Mitglied, eine Dame mit Namen Kit Kolbenfresser, tönt: “Ich spiele hier nur mit, weil ich dem Produzenten einen geblasen habe.“
Nur mal, um zu zeigen, wie weit Picha und Boris Sulzingerwirklich gehen:

Höhöh: Die 'Luft Gansa'
Beim (oben erwähnten) Auspruch “…Putze von Mao Tse Tung…“ wird ein Bild von Golda Meir projeziert. Und zwischendurch landet Schande auf dem Teppich eines Besuffskis, dessen fliegender Untersatz von zehn gepeitschten Vögeln getragen wird und der davon berichtet, wie er einst nach Japan kam (“Zu den Quermösen, zu den Gelb- und Schleierschwänzen. … Und nicht vergessen: Wenn du ein Bier trinkst, iss die Büchse mit. Die ist das schönste!“) Darüber hinaus hat der Film einige der abartigsten Ideen, die ich jemals in einem Cartoon (und einem ’Live Action Film’ for that matter) gesehen habe. Stichwort: Herstellung der Schnellspritzer-Armee. Dass hier neben den klassischen Abenteuerfilmen und deren Romantik auch ein Schwall von klassischer Musik pardon ’gefickt’ wird, versteht sich fast von selbst.
In den Vereinigten Staaten wurde ’Schande’ vom ’Saturday Night Live’-Team adaptiert (und u.a. von Bill Murray, Christopher Guest und John Belushi synchronisiert), die zu ihrer Blütezeit bekanntlich Meister des Verhohnepiepelns waren.

Ein passendes Symbol für die Ventil-Funktion dieses Films!

’Schande des Dschungels’ ist ein Angriff auf … ach was…. Eine Vergewaltigung der Geschmacks-Nerven. Wenn ihr die frühen Werke von Ralph Bakshi mögt, euch kein Witz zu schlüpfrig, kein Kalauer zu derb, keine Animation zu anzüglich ist, dann schaut euch dieses Monster von einem Zeichentrickfilm an. Unbedingt!

Hudson