Tarzan - Herr des Urwalds


‘The most beautiful woman of our time in the most erotic adventure of all time.’


Originaltitel: Tarzan, the Ape Man (1981) Regie: John Derek
Drehbuch: Tom Rowe, Gary Goddard & Edgar Rice Burroughs
Darsteller: Bo Derek, Richard Harris, Miles O'Keeffe FSK: 16


Willkommen bei Bo und John Dereks Adaption von Edgar Rice Burroughs weltberühmten Lianenschwinger und wenn zum Auftakt des Filmes der MGM-Löwe den allseits beliebten Tarzanschrei anstelle seines üblichen Gebrülls aus dem Gebeiß röhren lässt, wissen Flausenfans Bescheid.
Wem das als Starthilfe für großes Genre-Kino noch nicht reicht, der kann sich gleich im Folgenden an diesem Comic-Intro laben


und daraufhin Zeuge von Jane Parkers (Bo Derek) abenteuerlicher Reise zum Lager ihres Vaters werden, auf der ihr gleich zu Beginn von ihren afrikanischen Begleitern Raubmord und/oder Vergewaltigung droht. Während Jane diese Jungs noch tatkräftig mit einem Schießprügel ins Abseits drängen kann, kommt beim Anblick einer Boa unterm Mosquito-Netz die Damsel in Distress durch und weitaus freundlicher gesinnte Eingeborene helfen der Dame mit einem ermunternden “Konga Konga! O Mandinga Konga!” aus der Patsche. Wenn uns dieser Auftakt zwar im Bezug auf die Natur von Janes Charakter im Dunklen lässt, wird hier schon verdeutlicht, dass mit visuellem und auditivem Lokalkolorit im Folgenden nicht geknausert wird.

Jungle Ambulance!
(includes Chimp Driver)
Etliche wunderschöne Bilder und exotische Geräusche der afrikanischen Wildnis später, ist Jane bei ihrem überraschten Vater angelangt und der recht überschaubare Plot nimmt seinen Lauf. Vater Parker ist nämlich auf der Jagd nach dem sagenumwobenen weißen Affenmenschen, dessen Kopf er gerne ausgestopft an der Wand seines Kegelvereins sehen würde. Fragt sich nur, ob dort auch genug Platz dafür ist, denn schon im ersten Gespräch, in dem Tarzan zur Sprache kommt, ist die Rede von einem 3-Meter-Mann, dann sind’s 33, später 150.
Und DAS wär’s doch mal gewesen: ‘Attack of the 20 Foot Miles O’Keeffe’. Aber damit wäre das Prestige des künstlerischen Aspekts dieses ambitionierten Projektes flöten gegangen. Freilich könnte man den Machern zur Last legen, dass sie lediglich einen abenteuerlichen Skin-Flick im Fahrwasser der ‘Blauen Lagune’ herunterkurbeln wollten, aber Herrschaftszeiten, hier haben wir es mit der Neuinterpretation eines Literatur-Klassikers zu tun, auch wenn es dem Burroughs-Eastate nicht gefiel (ganz und gar nicht, wie schon bei ‘Tarzoon’ versuchte man mit diversen Klagen die Produktion zu unterbinden), egal wie sehr das zum Pulp Charakter der Story passte.

Zärtlich aber frech wie Oskar
Die sexuelle Komponente schwingt bei jedem Tarzan-Film mit (see what I did there?), dementsprechend soll den Machern von meiner Seite der Vorwurf erspart bleiben, sich hier ausschweifend darauf konzentriert zu haben. Wenn aber nach etlichen poserhaften Nackedei-Einlagen Tarzan dann schließlich anfängt, Jane an den Brüsten herumzufummeln und sie dabei ohne Unterlass den Namen ihres Vaters von der Lippe fallen lässt, welcher wiederum den halben Film damit verbringt, Drohungen gegen den Affenmenschen (er nennt ihn “Affenarsch”) auszustoßen, steht die Frage im Raum, was Regisseur John Dereks eigentliche Intention war.
Schaut man hinter die Kulissen, sieht man einen 55-jährigen Regisseur, der seine 25-jährige Frau mit einem 27-jährigen Girlanden-Gigolo (und dem zukünftigen Ator, Herr des Feuers!) zum mannigfaltigen Geschlechtsakt vor die Kamera schickt. Just saying. There are some issues at hand.

Ich verbinde mit Tarzan einige nette Erinnerungen, da es sich hierbei um einen Streifen handelt, den mein Vater in den späten Achtzigern mit unserem damals brandneuen VCR aufnahm. Der heranwachsende Hatzen freute sich natürlich ungemein über die freizügige Darstellung von Mrs. Dereks Talenten (oder um es mit Otto W. Retzer zu sagen: “Aber lieb is die schon, die [Bo]!”). Vor allem die Szene, in der sie im Meer badet und sich noch in den Fluten das pitschnasse Leibchen wieder auf die Haut schnürt, blieb hängen. Aber eines lenkt den staunenden Y-Chromosomen-Träger beim Genuss dieses Filmes ununterbrochen ab: Richard fuckin’ Harris.

Richard Harris von Nazareth
Der Mann den sie Pferd und später Dumbledore nannten, spielt hier eine Schau zusammen, die im Ahnenbuch des Klabauter-Actings für immer ihren Platz haben wird. Ob er nun in Kolonialtracht den Patriarchen gibt, im Nachthemd wie der Messias durch den Fackelschein schwadroniert, einen Elefanten mit einem Lullaby besänftigt oder seine afrikanischen Untergebenen mit “Kommt alle her, meine wundervollen schwarzen Babies!” anfeuert: Harris versucht sich bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund zu drängen. Zuweilen kann das schon etwas auf die Nerven schlagen, auf der anderen Seite sorgt Harris auch dafür, dass es nie langweilig wird, wenn er wieder einen seiner Aussetzer einläutet. So oder so: Der Mann leistet etwas für sein Geld. Etwas irritierend wirkt die Besetzung von John Philipp Law als Harris’ Handlanger, eine Rolle, in der er meines Erachtens nichts zu suchen hat. Nicht, dass es Law an Talent fehlte, doch jemand, der in den Jahren zuvor Sinbad, Diabolik, den Deichgraf und den Flügel-Horst aus ’Barbarella’ gespielt hat, verschenkt als schwachbrüstiger Jammerlappen einfach sein Potential. Aber wo zum Teufel war Laura Gemser, als man die Gespielin von Richard Harris gecastet hat?
Bo Derek und Miles O’Keefe verkörpern die Unschuld, die sich dem animalischen Naturtrieb hingibt, adäquat. Die beiden waren zwei Prachtbauten ihrer jeweiligen Geschlechter und viel mehr wird von ihren Rollen auch nicht verlangt. Derek fungierte bei Tarzan übrigens auch als Produzentin (sie entließ laut imdb.com ganze 23 Crew-Mitglieder im Laufe der Produktion) und O’Keeffe feierte hier seinen Einsteig ins Filmgeschäft. Die Szene, in der er sich in Zeitlupe mit einer weiteren Riesenschlange rauft, die es auf Jane abgesehen hat, kann von allzu engagierten Filmkritikern gerne als bildliche Metapher des Ringens mit seiner eigenen sexuellen Begierde verstanden werden.

Von wegen "Schlangen im Paradies" etc.

An dieser Stelle komme ich nicht umhin, das Review von Roger Ebert zu zitieren:

“Of course it's completely ridiculous, but at the same time it has a certain disarming charm. […] And when Jane and three loyal chimpanzees tenderly bathe the body of the unconscious ape-man, we're getting very close to the reasons why we watch movies, and why there will always be a few movies to reawaken the child within us.“

Hmmm...

Ich weiß nicht, wie es um euch bestellt ist, aber mir selbst kommen Zweifel, ob das Abschrubben eines betäubten Muskelprotzes durch drei Affen und eine Blondine unbedingt als Anlass zur Rückbesinnung an die Ursprünge der Bedeutung des Mediums Film für uns als Individuen dient. Aber wenn das für Rogi funktioniert… good for him, I guess. Or maybe I’m just not getting the joke here.

Dank Richard “Verwandle dich selbst in einen Gott und du wirst dir keinen Gott suchen müssen!” Harris, diesem Ahab des Adventure-Pulps, den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und den ebenfalls atemberaubenden, weil zu Hustenanfällen führenden, Posen der beiden halb/nackten Liebenden vom ’Verdammt in alle Ewigkeit’-Gedächtnis-Strand ist dieses Dschungelbuch mit Titten durchaus eine abenteuerliche Alternative für Leute wie unseren Spooner und Teenager, denen die Eltern den Zugang zum Internet verwehrt haben. Please stay tuned for the credits...

... where a grown orang utan permanently tries to grab Bo Dereks bikini area.


Hudson