Tanya's Island


‘Where her wildest fantasies turned to terror.’


Originaltitel: Tanya's Island (1980) Regie: Alfred Sole
Drehbuch: Pierre Brousseau
Darsteller: Vanity, Richard Sargent, Don McLeod FSK: 18


Abteilung: Wie hat sich der Streifen bisher vor mir verstecken können?

Alter(!)nativcover

Tanya (Vanity) und Lobo (Richard Sargent) sind ein Paar. Sie ist Model und ein leidenschaftliches Schneewittchen mit devoten Zügen, er Maler und ein expressives Alphatier mit Hang zur Cholerik. Nach rudimentärem und fast schon esoterischem Intro-Krabimsel finden sich die beiden auf einer idyllischen Insel wieder, lediglich in Gesellschaft eines weißen Schimmels.

Vanity, das ist nordatlantisch für
"She, who aint got shit on Laura Gemser"
Soweit, so romantisch, doch Lobo (der seinen Namen nicht umsonst von den Autoren dieses Films verpasst bekommen hat) spielt Tanya bald einen groben Streich nach dem anderen.
Angewidert von der anstößigen Art ihres Begleiters, sucht die junge Schönheit in der Einsamkeit der Insel ihren Frieden und findet dabei einen sanftmütigen Menschenaffen im Sasquatch-Format, der in einer Höhle das Wasser von den Stalaktiten melkt.
Weil er so blaue Augen hat, nennt Tanya ihn Blue und schenkt ihm eine Muschelkette, die er mit seinen mächtigen Pranken allerdings gleich zerreißt. Bedenke: Wo rohe Kräfte sinnlos walten, sollte man lieber auf Vorsicht schalten. Doch während Grobian Lobo Spanferkel jagt, freundet sich Tanya mit dem Insel-Yeti an, bis ihr Macker Wind von der (mehr als merkwürdigen) Sozial-Konstellation bekommt und sich mit dem ungewöhnlichen Nebenbuhler anlegt…

Kommen wir mal zum quietschenden Halt des mühsam herbei gelaberten Story-Abrisses und atmen durch, denn ’Tanyas Island’ ist wahrlich einer jener unglaublicher Genre-Werke, die man sehen muss, um sie zu glauben. Lest trotzdem weiter! Es hat mich genug Überlegungen gekostet, dazu eine Rezension zu verfassen.

Affe sucht Liebe
Wenn man will und gerade die Muße dazu hat, kann man jede Menge in ’Tanyas Island’ (aka ‘Die blaue Lagune’ meets ‘Schlock das Bananenmonster’ und spielt ‘Die Schöne und das Biest’ nach) hineininterpretieren. Beispielsweise eine Projektion weiblicher Sexualfantasien, die uralte ‘Man vs Nature‘-Trope oder auch das Ungleichgewicht eines Machtgefüges mitsamt “Fressen und Gefressen werden“.
Durchleuchtet man diese (im Film reichlich plump thematisierten) Ansätze allerdings etwas näher, fällt der Bambusschuppen aus spinnerten Sinnbildern, projiziert auf nackter Haut schnell in sich zusammen.

Zunächst mal wird Tanya (und Vanity selbst, bedenkt man ihre ununterbrochen unbekleidete Darstellung) den gesamten Film über wie ein Stück Fleisch behandelt. Versucht sie zu Beginn noch, sich Lobo zu offenbaren, wird dieser mehr und mehr zum gewissenlosen Neandertaler und Antagonisten, der ihre offenherzig illustrierten Gefühle und Bedürfnisse als Einladung für eine Nummer missbraucht, die verharmlosend als „nicht ganz freiwillig“ umschrieben werden könnte.

Monsterrape by Monsterape
(yes, I'm afraid they go there)
Als sich Tanya dann an den O.N. (Original Neandertaler) der Insel wendet und dieser bald darauf Zoff mit dem S.N. (Studio Neandertaler) bekommt und Blue in Revenge-Rage Lobos kleinem Hausferkel den Kopf abreißt, zeigt sich leider auch das hässliche Gesicht von Mutter Natur. Bei Stress packt halt selbst Harry von den Hendersons die Nahrungskette aus und schlägt Schweinchen Babe damit nieder.

Wir schlussfolgern:
Das eigentliche Tier ist der Mensch. Um genauer zu sein: Der Mann. Es sei denn, man(n) treibt die Natur (das Tier) zum Äußersten, dann wird sie sich wehren und zwar nicht nur gegen den eigentlichen Aggressoren (den Mann), sondern auch gegen all jene, die gerade zufällig in der Nähe sind. Und sei es ein unschuldiges Schweinchen (das Tier II) oder eine nette nackte Dame (Tanya), die der Natur (dem Tier) kürzlich erst eine Muschelkette geschenkt hat.

Für eine Parabel soweit okay. Aber wenn in einem Spielfilm die Figuren nur Platzhalter für Breitbild-Holzhammer-Klischees (nicht zu verwechseln mit Ideen), und nicht etwa auch nur halbwegs nachvollziehbare Charaktere sind und der Film mit einer Füller-Szene nach der anderen zugekegelt wird, nur um dann “out oft the blue“ (ahem) im letzten Drittel das Drama zu zücken, denkt man mit Sehnsucht an die eigenen Erwartungen während des vielversprechend hanebüchenen Vorspanns zurück, in dem Vanity (‘Action Jackson‘) die gesamten Credits mit ihren komplett entkleideten Kurven schmückte.

But we all now, what happened when that
tree monkey got raped by rats with plaque:
Poetic justice.
Auch wer auf erzählerische Kohärenz wert legt, ist bei ‘Tanyas Island‘ nicht sonderlich gut aufgehoben. So gibt’s hier eine Rahmenhandlung, die aufgrund der finanztechnischen Auflage (nach)gedreht wurde, dass zumindest ein Anteil der Szenen auf dem Erdboden des eigentlichen Produktionslandes (Kanada, diesem tropischsten aller Landstriche) gefilmt werden mussten. Da bleibt der Zweck der brutal in den Film hineingeschnittenen Vergewaltigungs-Montage zu Beginn, genau so nebulös wie der des “Wie jetzt? Nur’n Traum?“-Endes. (not really a spoiler)

Der Film, der entfernt an den Inselkoller-Schinken ‘Castaway‘ erinnert (wo Oliver Reed die Rolle des cholerischen Affen übernahm), hat allerdings immer wieder herrlich bescheuerte Szenen. Zum Beispiel jene, in der Lobo einen Käfig für Tanya baut und drumherum eine ganze Arena aus Bambus, sich dann mit Kriegsbemalung beschmiert, in eine Windel kleidet und quiekend um den Käfig (in der Arena) auf seinem weißen Schimmel reitet, um den Monsteraffen anzulocken. Dieser lässt sich nicht lange bitten und ballert alsbald die gesamte Arena mit einer Truckladung Kokosnüssen zu. Wie es schon in der Bibel stand.

Im imposanten Kostüm von Blue (kreiert von den Special-FX-Gurus Rick ‘King Kong‘ Baker und Rob ‘The Thing‘ Bottin) steckte übrigens Don McLeod, der eine ganze Karriere daraus gestaltete, sich zum Affen zu machen. So spielte er unter anderem einen Gorilla in ’Der Mann mit zwei Gehirnen’, einen Gorilla in ’Die Glücksritter’ und einen Gorilla ’Ein Gorilla zum Verlieben’ (offensichtlich dem inoffiziellen Sequel zu ’Tanya’s Island’).

Man beachte die Verkaufsstrategie mit der Emanuelle-Tagline!

Eine aufdringliche Abhandlung über die männliche Natur? Ein alptraumhafter Abgesang auf die Emanzipation? Ein Arschtritt in den Allerwertesten aller Allegorie-Allergiker?
Ich will mich auf keine dieser Interpretationen festlegen. Warum auch? ‘Tanyas Island‘ ist viel zu bekloppt, um länger über seine wirren Fantasien nachzudenken, als die 80 Minuten, die er braucht, um zum depperten Ende zu kommen.
Wer allerdings meint, dass Filme dieser Art ohnehin nur als schundiger Zeitvertreib taugen, den muss ich zum wiederholten Male gen Richtung ’Long Weekend’ weisen, einem australischen Mensch-vs-Natur-Streifen, der alles richtig macht, was auf ’Tanya’s Island’ verbockt wird.
Man kann interessante Themen in absurden Filmen unterbringen, doch braucht es mehr als hochgestochene Einblendungen von nackten Ärschen und ein gut geschustertes Affenkostüm, dass diesen Illusionen hinterherjuckelt.
Aber lasst mich das hier auf einer versöhnlichen Note enden: Ein Film mit dieser Prämisse ist für Freunde des Flausigen auch sehenswert, wenn er so weit übers Ziel hinausschießt, dass selbst seine Hauptdarstellerin dank einer Epiphanie Jahre später beschloss, das Showbiz zu verlassen, um ihr Schaffen von nun an dem christlichen Glauben zu widmen.


Hudson