Tango & Cash


‘Two of L.A.'s top rival cops are going to have to work together... Even if it kills them.’


Originaltitel: Tango & Cash (1989)
Regie: Andrei Konchalovsky & Albert Magnoli Drehbuch: Randy Feldman
Darsteller: Sylvester Stallone, Kurt Russell, Teri Hatcher FSK: 16


Ich erinnere mich noch gut an 1989. Damals, als sich allmählich der eiserne Vorhang lichtete, trampte ich jeden Samstag Morgen mit Schwesterlein zum ortsansässigen ’Intershop’, um die neue ’Bravo’ zu kaufen. Während meine Schwester sich mehr für die ’New Kids on the Block’ und ähnliche Knallchargen begeisterte, hatte ich es immer auf den recht ausführlichen Film-Teil des Magazins abgesehen. ’Tango & Cash’ war jedenfalls, wenn ich mich recht entsinne, die erste Film-Foto-Story (oder wie auch immer man diesen zweiseitigen Spoiler-Erguss nannte), die ich in Händen hielt. Es war die Zeit, als Herr Stallone die Nase voll von seinem Protzer-Image hatte. In den Tagen von ’Glasnost & Perestroika’ galt es nicht mehr als ’chic’, die Ivans von der Mattscheibe zu ballern und so vollzog Sly einen hustlächerlichenhust Image-Wandel. Von nun an fuhr er schicke Designer Anzüge in der Limou spazieren, trug eine Brille (Fensterglas, oder wat?) um eine intellektuelles Reputation wenigstes oberflächlich zu präsentieren und ließ sich komplett das Schlafzimmer verspiegeln, damit er sich beim … nee, das gehört hier wirklich nicht mehr rein.

Ja is denn schon
Sylvester?
Einen ’Armani mit Polizeimarke’ nennt Zottel-Cop Cash (Kurt ’Call me Snake!’ Russel) den ’stilsicheren’ Kollegen Tango (Stallone). Die beiden Bullen sind wie Tag und Nacht, haben aber ein und das selbe Ziel: Die Straßen zu säubern und den ganzen Abschaum hinter Gittern zu bringen. Das will dem Drogen-Baron Perett (Jack Palance, ’City Slickers’) gar nicht schmecken. Da er demnächst eine große Lieferung erwartet, muss er die beiden um jeden Preis loswerden. Also dreht er den Spieß um, bringt die beiden erst zusammen („Ich bin seit drei Monaten an dem Fall dran!“ „Da siehst du mal, wie dämlich du bist. Ich bin seit einer halben Stunde dran und genau so weit wie du!“) und läßt die Falle zuschnappen.
Mithilfe der Bestechung einiger Autoritäten und gefälschten Beweisen werden Tango & Cash erst vor Gericht gestellt und ruck zuck ins Gefängnis geworfen. Leider reicht Peretts ’Set Up’ so weit, dass sie auch noch in der falschen Anstalt landen. Sprich; in ein brutales Irrenhaus, vollgepfropft mit Schwerverbrechern, die sie selbst eingelocht haben. Den beiden wird schnell klar, dass sie hier keine Zukunft haben. Es gibt nur eine Möglichkeit: Ausbruch!

“Okay. Ich klau morgen ein paar Löffel , wir bauen uns einen schönen Tunnel und du hilfst mir, die Gitter durch zu beißen.“

'Staring Down' bis Ader platzt!
Heißa! Nach ’Lock Up’ nun der 2. Stallone Streifen, der die Missstände in amerikanischen Haftanstalten anprangert. Und würden der ’Italienische Hengst’ und sein Kumpel ’Jack Burton’ nicht so kräftig auf die Kacke hauend Spass unters Volk mischen, könnte man auch gleich wieder kopfschüttlend abwinken. Aber ’Tango & Cash’ ist ein ’Buddie-Movie’ der knalligen Art, mit zwei Testosteron-Brocken in der Hauptrolle, die den Zuschauer zu unterhalten wissen, solange es gilt, im ’John McLane’ Gedächnis Unterhemd durch den Regen zu stromern und nebenbei ein paar flapsige Sprüche fallen zu lassen.
“Wenn der Scheiß hier vorbei ist, werden wir diesen Schweinskopf besuchen.”
“Ich komm mit ’ner Kettensäge.“
“Ich bring das Bier mit.“
Herrlich auch, wie zwei von Deutschland Top ’Synchronies’ (Thomas Danneberg & Manfred Lehmann) hier wieder sabbeln dürfen, was die Schnodderschnauze hergibt.

'Schreiing in the Rain'
Das Boy-Band-Casting
hätte er bestanden!
Da macht sich Stallone schon mal über sein Alter Ego ’Rambo’ lustig und Kurt Russell, der sich als ebenbürtiger Gegner/Partner zu Slys (Leinwand)Persona erweist, macht mit seinen Sprüchen fast ’Martin Riggs’ Konkurrenz.
Die Besetzung der beiden (darf ich sagen ehemaligen) Hollywood Stars ist ein Coup, der für erstklassige Stimmung sorgt. Großvater Jack Palance hingegen reicht gerade mal für einen zweitklassigen Gangsterboss oder einen schnarchigen Dünkel-Magus (zwei Rollen, die er im selben Jahr (!) in ’Batman’ und ’Der Geächtete von Gor’ zum ’Besten’ gab). Sein ’Perett’ ist eine wahnsinnig grinsende Kalkleiste, die mit Mäusen spielt und Untergebene ankeift. Inspiriert wirkt der, in die Jahre gekommene Altstar dabei jedoch nicht. Ganz anders seine ’rechte Hand’ Brion James. Der blonde Hüne (leider schon verstorben, aber unvergessen als Replikant Leon in ’Der Blade Runner’) hat eine umwerfende Leinwand/Blidschirm Präsenz und ist einer der willkommensten ’Character Actors’, die der amerikanische Action-Film zu bieten hat.
Desweiteren ist ’Verzweifelte Hausfrau’ und Ex-’Louis Lane’ Teri Hatcher als GoGo-tanzende ’Damsel in Distress’ zu sehen und in den Nabenrollen erfreuen uns gern gesehene Darsteller wie Clint Howard (’C2 - Killerinsect’), Robert Z’Dar (’Maniac Cop’), Michael Jeter (’König der Fischer’), James Hong (’Waynes World 2’) und Roy Brocksmith (’Total Recall’).
Das völlig überkandidelte Action-Finale, inklusive Super-Vehikel, 100 Handlangern, die aus allen Rohren feuern und den feurigsten Explosionen die das Set hergab, teilt dann noch mal ein paar zuckersüßen Nerven-Schläge aus. Hier wird alles platt gemacht, bis nur noch das Gebäude steht, in dem der Endgegner sitzt und das hat natürlich einen Selbstzerstörungsknopf und ein Spiegellabyrinth!

'Chili im Tank'

’Tango & Cash’ gehören sicher nicht zu den ganz Großen des Action-Faches, schaffen es aber durch viel Humor, derbe Sprüche und ’Krawumm De Luxe’ alle anspruchslosen Bedürfnisse eines Celluloid Konsumenten zu befriedigen. Für einen spaßigen Abend mit Six-Pack und Schaule eine sichere Wahl. Breites Grinsen garantiert!

Hudson