Die Bronx-Katzen


‘They'd Rather Kill Their Man Than Lose Him’


Originaltitel: Switchblade Sisters (1975) Regie: Jack Hill
Drehbuch: Jack Hill, F.X. Maier & John Prizer
Darsteller: Robbie Lee, Joanne Nail, Monica Gayle FSK: 18


Sie leben im Ghetto, sind zu jeder Schandtat bereit und haben Klappmesser. Die Dagger Debs sind die weibliche Sub-Gang der maskulinen Silver Dagger und kein bisschen weicher drauf. Als während eines typischen Danebenbenehmens im örtlichen Diner die junge Maggie den feschen Mädels Konter gibt, entpuppt sie sich als ebenbürtiges Miststück. Lace, die Freundin von Dom, dem Anführer der Silver Dagger, freundet sich am selben Abend im Frauengefängnis mit Maggie an und macht sie bald zum Mitglied. Auch Dom hat einen Narren an der Neuen gefressen und vergewaltigt sie bei der erstbesten Gelegenheit. Bald ahnt Lace, dass ihr Macker es permanent auf Maggie abgesehen hat, doch dafür ist jetzt keine Zeit, denn Crabs, der Anführer einer rivalisierenden Gang macht Stunk und bald fliegen die Kugeln im Ghetto…

Cat-Pig-Fight of the Luscious Lederluders from Hell

Seifenoper-Dramatik und Gang-Action, diese Mische wird in Fachkreisen als Klassiker verkauft, von Quentin Tarantino himself vergöttert und mir von Bruder Spooner persönlich ans Herz gelegt. Doch echte Euphorie konnte ’Switchblade Sisters’ kaum bei mir entfachen. Regie führte hier Jack Hill, der mit ’Coffy’ und ’Foxy Brown’ nicht nur ’Pam Grier’ berühmt-berüchtigt machte, sondern auch zwei Exploitation-Klassiker schuf und diesem Stil im späteren Verlauf seiner Karriere treu blieb (bis hin zu seiner letzten Regie-Arbeit, dem Barbaren-Supertrasher ’Mächte des Lichts’).

Bronx-Atze, King of Rollerdisco
’Switchblade Sisters’ (Hills vorletzter Film) hat all die Eigenschaften eines echten Gang-Streifens (Tough Talk, miese Bullen, Scheißleben im Gehtto, Springmesser, Turf Fights, yadda yadda…) und mischt auf lächerlichste Art und Weise kitschige Beziehungs-Mechanismen (Gang interne Eifersucht, Platzhirschgehabe etc.) dazwischen, dass man meinen möchte, Bravo-Redakteure hätten einen Film über Weiber-Gangs gemacht.
Ob nun knallharte Schicksen, die sich gegenseitig mit ’man’ anreden, afro-amerikanische, militante Feministinnen mit Maschinengewehren oder dickes, lesbisches Frauengefängis-Personal; kein Klischee wurde hier ausgelassen. Die Schauspieler machen den Anschein, als hätte Hill sie durchweg von der Straße gecastet. Was anderswo eine Beleidigung wäre, kommt dem Film allerdings zugute. Ausgerechnet hier ist der Streifen wohl am authentischsten, auch wenn ’Lace’-Darstellerin Robbie Lee (’Big Bad Mama’) recht schnell zum Nerven-Killer Nr. 1 wird (die Göre kriegt die Zähne beim Keifen einfach nicht auseinander).
Punkten kann der Streifen auch, wenn’s rund geht. Eine Gang-Schießerei in der Rollschuh-Disco sieht man schließlich auch nicht alle Tage und der finale Ghetto-Sturm in gepanzerten Vehikeln erinnert angenehm an spätere Gang-Exploiter aus Italien a la ’The Riffs’.

Disclaimer: Dass solche Filme immer in exzessiver Gewalt enden
müssen, klage ich hiermit an und distanziere mich gleichzeitig von
der militant feministischen Darstellung der weiblichen Protagonisten.

’Die Bronx-Katzen’ ist eine recht amüsante, keinesfall allzu fordernde und ganz bestimmt nicht ernstzunehmende Gang-Klitsche aus den tiefsten 70er Jahren. Für Jungs mit Klappkamm in der Gesäßtasche und Mädels mit der Magnum-Packung Bubblegum fast schon Pflicht.


Hudson