Diener des Bösen


‘The night has fangs.’


Originaltitel: Subspecies (1991) Regie: Ted Nicolaou
Drehbuch: Charles Band, Jackson Barr, David Pabian
Darsteller: Angus Scrimm, Anders Hove, Irina Movila FSK: 18


Neulich in Transilvanien: Der mürrische Vampir Radu tötet seinen friedliebenden Vater (Angus Schrimm), um an dessen Blutstein (“…ein Stein, aus dem das Blut aller Heiligen floss…“ einfach nicht fragen!) zu gelangen. Zur gleichen Zeit treffen zwei amerikanische Studentinnen vor Ort ein, die ihre Volkskunde-Noten in einem Feld-Experiment aufbessern wollen. Es dauert nicht lange, bis sie ins Blickfeld von Nosfe-Radu (remember: Ostblock) gelangen, welcher natürlich höllischen Brand auf frisches Blut hat. Wird ihn sein rechtschaffender Bruder Stefan, der sich längst in eines der Mädel verguckt hat, von seinen finstren Absichten abhalten können?

Zitat: “Das ist ein Trabant, der ist aus Pappe!“
“Ist das dein Ernst?“
“Ja, willst du fahren?“

Wow, es ist 1991 und die Macher dieses Schinkens sind so verdammt auf Zack, dass sie sich immer noch über einen Trabbi lustig machen müssen? Fuck-a-doodle-do! Someone give these guys a TNT-Cigar and blow it up!
Basierend auf einer ‘Idee’ (Prust!) von Charles Band (bedarf keiner Vorstellung), inszenierte Ted Nicolaou (’Dragonworld’) eine abgeschmackte Horror-Gurke, wie sie anfang der Neunziger im Wochentakt ausgeschissen wurde. Das Thema heute: Vampire. Eigentlich ist es nur einer.

"Ey, lasst uns verschwinden!
Die suchen noch'n paar Imps
für den neuen 'Gate'-Film!"
Ein fahler, zotteliger Grufti mit ’Rektor Skinner’-Synchro (auf heiser Keuchen getrimmt), Fingern so lang wie Königskobras und ununterbrochenem Sputum-Fluss aus der Fressluke. Fürstchen Scharfzahn hat auch drei dämonische Helferlein bei der Hand. Ähnlich den Gnomen in ’The Gate’ sind die mit Stop-Motion animiert, aber so liederlich ins Bild einkopiert worden, dass dem Zuschauer die Freude an der Monstritis schnell vergeht. Die Darsteller sind Garde-Durchschnitter, Klasse C. Hervorstechend sind nur die Augen von ’Stefan’-Darsteller Michael Watson, der anfängt gierig zu Schielen, wenn er beim Knutschen den Hals seiner Geliebten berührt. Angus Schrimm (’Brain Slasher’) macht sich hier übrigens als Vampir-Lord Vladislav mit hanebüchener Kuschel-Frisur unmöglich. Traurig, traurig.
Ted Nicolaou hat einiges durcheinander gebracht. Seine ’Delusions of Grandeur’ bringen ihn zu ’Dracula’- und ’Nosferatu’-Zitaten (Radu bewegt sich ähnlich wie Graf Orlok und hat auch ein Faible für Schattenspielchen), die eingebaute Love-Story bringt gar nichts.
Einzig die Musik ist recht stimmig und die rumänische Landschaft hat auch etwas für sich, wenn man’s mit dem Lokal-Kolorit auch nicht ganz so genau nimmt (ein rumänischer Arzt wird mit “Buona Sera!“ verabschiedet).

Wie der Vater, so der Sohn.

Vom einigermaßen temporeichen Finale einmal abgesehen, ist hier kaum etwas zu holen. Sabbernde Vampire, rumänische Volksriten, Folklore-Studentinnen, wem das zusagt, der möge sich selbst eines Besseren belehren.
Filmhistorisch gesehen mag der Film immerhin als Randnotiz seinen Platz in den Büchern finden. ’Subspecies’ ist die erste rumänisch/amerikanische Ko-Produktion, die nach dem Niedergang des Ceausescu-Regimes auf rumänischem Boden stattfand und somit eine Art Meilenstein der Billiglohn-Filmindustrie beschreibt.



PS: Trabanten waren gar nicht aus ‘Pappe’. Das Material bestand größtenteils aus Duroplast, einer Art Kunststoff aus Baumwolle und Phenolharz. Checkt gefälligst eure Fakten, ihr Kapitalistenschweine!

Hudson