Du sollst nicht töten... außer


‘...When Violence Demands Revenge.’


Originaltitel: Stryker's War (1985) Regie: Josh Becker
Drehbuch: Josh Becker, Bruce Campbell, Sheldon Lettich & Scott Spiegel
Darsteller: Robert Rickman, John Manfredi, Sam Raimi FSK: 18


Jaja, Krieg ist die Hölle. Das erfährt Sgt Stryker am eigenen Leib, als ihm der Fuß zu Klump geschossen wird und die Karriere als Marine ins Wasser fällt. Endlich raus aus Vietnam, humpelt Stryker zurück nach Hause, um in Frieden zu leben und seiner Freundin endlich einen Heiratsantrag zu machen. Alles ist eitel Sonnenschein, wäre da nicht die wahnsinnige Kommune eines mörderischen Messias (Sam Raimi), die im Auftrag des Wahnsinns unterwegs sind und die Einwohner von Strykers Heimatstadt erst terrorisieren und später gnadenlos umnieten.
Als den netten Opa seiner Verlobten letzteres Schicksal trifft und das Madel selbst von den Bastarden entführt und geschändet wird, kommen drei von Strykers Vietnam-Buddies gerade recht. Nachdem sie sich den Kopf zugesoffen, und im Dusel ein paar Schiessübungen am Scheisshaus auf dem Hinterhof veranstaltet haben, geht’s in den Wald und auf die Wiese, wo die barbarischen Kultisten ihr übles Treiben mittlerweile an der ganzen Stadtbevölkerung ausleben. Jetzt heißt’s Arsch zukneifen und am Abzug ziehen!

Same Shit, Different Battleground

“Auf dem Campingplatz da hat so ’ne Horde von Freaks die Menschen zusammengetrieben und bringen die um …Wie in Vietnam!“

Ja, wie in Vietnam. Nur, dass Vietnam nicht so doof war wie ’Strykers War’ aka ’Du sollst nicht töten, außer…’
…außer dein dämliches Script sagt was anderes. Jenes basiert übrigens auf einer Story von Bruce Campbell und ich gehe einfach mal davon aus, dass The Bruce das Ding auf dem Schulklo in der 5. Klasse verfasst hat. Anders ist diese Kloake infantiler Rache-Ideen und Gewalttaten kaum zu erklären.
Die ersten 15 Minuten Vietnam-Vorgeschichte hätte man sich gleich komplett schenken können. Außer ein paar ziellosen Schießereien mit leidlich überzeugendem Gore-Resultat und unendlich langweiligem Nam-Gesülze kommt hier für den Film und sein Publikum gar nichts bei rum. Aber man muss ja irgendwie auf Spielfilmlänge kommen und so wird auch im Rest der ’Story’ gestreckt und gezogen, was das Zeug hält. Das Zeug hält aber leider gar nichts.

Ja, Sam, du bist böööse!
’Strykers War’ hat’s nach der x-ten unmotivierten Gewaltmontage einfach zerrissen und daran ändert auch Starregisseur Sam Raimi (muss man ja inzwischen so sagen) in der Rolle des manisch gewalttätigen Charles Manson-Verschnitts nichts. Raimis Gebabbel und Gekeife ist überhaupt mehr zermürbend als amüsant. Seine Antagonisten, unsere Helden, sind kein bisschen gekonnter dargestellt. Vor allem der Hauptdarsteller ist ein Synthesebrocken sondergleichen: Null Ausstrahlung, aber große Fresse. Da lob ich mir fast seine drei Kumpanen (vor allem den farbigen Powerlifter, der laut Audiokommentar sein Geld als Mr. T-Double verdiente!). Die brachten hier und da wenigstens noch einen feschen Spruch, der mich vor dem Einschlafen bewahrte.
Scott Spiegel (’Hostel’) produzierte diesen Müll, der von Josh Becker amateurhaft in Szene gesetzt wurde. Dass Becker es besser kann, bewies er 2005 mit dem knalldoofen aber äußerst unterhaltsamen ’Alien Apocalypse’ mit Bruce Cambell in der Hauptrolle. Letzterer soll zwar auch hier irgendwo herumeiern (genau wie Ted ’Joxer’ Raimi), war aber clever genug, sich hinter einem Baum zu verstecken, oder sich eine Tüte über die Omme zu stülpen.
Wo die ganze ’Evil Dead’ Bande am Werkeln ist, da ist auch Komponist und Wegbegleiter Joseph DoLuca nicht weit. Sein Score und einige fiese Blutsuppen-FX sind noch die professionellsten Komponenten dieses Machwerkes.

Das ist doch die gleiche Puppe,
die immer bei den Bundys im Garten landet!

Fazit: Elendig schlecht gespielter und gleichermaßen schlecht inszenierter Brutalo-Deppen-Trash. Preisklasse: 1,50 Location: Onkel Edes Waldgrundstück. Zielgruppe: Gehirn- & Geschmacksabstinenzler. Kann ruhig als offizieller Schandfleck auf den Karrieren der Herren Becker, Campbell, Spiegel und Raimi verbucht werden.


Hudson