Stryker


‘Their odds are a million to one...And Stryker's the one!’


Originaltitel: Stryker (1983)
Regie: Cirio H. Santiago Drehbuch: Howard R. Cohen & Leonard Hermes
Darsteller: Steve Sandor, Andrea Savio, Mike Lane FSK: ungeprüft


NICHT SCHON WIEDER…

“Der letzte Krieg brach aus Versehen aus. Wessen Schuld es war, weiß niemand. Und für die Überlebenden hat diese Frage auch keinen Sinn mehr. Durch den atomaren Holocaust hatte die Menschheit sich selbst vernichtet. Die Städte waren ausradiert, das Ackerland verseucht, die Erde war eine Wüste. Unfruchtbares Ödland war alles, was geblieben war. Ein verbrannter, aus dem natürlichen Gleichgewicht geratener Planet. Und das schlimmste war: Es gab kaum noch Wasser. Und dort wo es noch welches gab, wurde es gehortet und streng bewacht. Denn Wasser bedeutet Macht. Und wer es kontrolliert, beherrscht die Welt.“

Hört man zum 143ten Male solche Zeilen aus dem Off einer Atomexplosion (die natürlich nur in einer Wüste stattfindet, denn Wüsten sind ja seit eh und jeh als Horte der Zivilisation bekannt), merkt man erst, wieviel Ironie Kevin Costners ’Waterworld’ eigentlich besaß.

Aber kommen wir zu...

...’Stryker’ (*Lachtrack einspielen*)

Kommen wir zu 10 Dingen, die ich nicht verstehe:

Das wichtigste mal zuerst. Warum zum Teufel trägt die Hälfte allen endzeitlichen Gesocks ihre schwarze Lederkluft in der brennenden, postapokalyptischen Wüste auf? Reicht es den Bad Guys dieses Sub-Genres nicht, Räuber, Mörder und Vergewaltiger zu sein? Müssen sie auch noch als schwitzende Fashion-Victims Spott einsacken?
Zweitens: Warum unterhalten diese militanten Barbaren ein Gefangenenlager mit Sklaven, die sie dank Wassermangel sowieso nicht ernähren können? Sadismus?
Drittens: Warum lassen sie den widerlichsten, fettesten Hoschi ausgerechnet in knappen Bondage-Riemen herumlaufen? Masochismus?

Die Figur wird
komplett mit
Hut und Zubehör
ausgeliefert!
Viertens: Warum müssen diese Barbaren immer zu zehnt auf einem kleinen Golfcart durch die Wüste heizen? Warum explodiert dieses Cart, nachdem man auf den Kotflügel schießt?
Fünftens: Was finden Endzeit-Rocker nur an glatzköpfigen Alphamännchen mit Vollbart, dass sie sie immer zu ihren Anführern machen müssen? Ist ’Sid Haig’ eine Art Götzen-Ideal in der verwahrlosten Zukunft?
Sechstens: Wer hat jemals gesagt, dass Musik die per Random-Taste aus einem Synthiesizer schwillt zu einem Endzeit-Film passt? Wer hat je behauptet, dass solche Musik überhaupt irgendwohin passt?
Siebtens: Warum hat mir keiner gesagt, dass es ’Jawas’ nicht nur auf Tattoine, sondern auch auf der Erde gibt? (Und warum leuchten ihre Augen nicht?)
Achtens: Warum verlässt man ein sicheres und schnelles Gefährt, um zu Fuß vor körperlich überlegenen Fieslingen wegzurennen?
Neuntens: Warum tauchen in solchen Filmen immer urplötzlich irgendwelche Amazonen-Stämme auf, die mit irren Haaren und wirrem Gefasel (“Delha hat gegen unsere Gesetze verstoßen und uns verraten. Es ist also nur recht, wenn wir sie auch verstoßen!“) die Szene versauen.
Zehntens: Warum regnet es am Ende des Filmes? Ist es metaphorisch zu verstehen? Steht es in irgendeinem Zusammenhang mit der Tatsache, dass Stryker (*Lachtrack einspielen*) plötzlich ein Baby im Arm hält? Und wo kommt dieses Baby her?

Sollten euch diese Fragen erschlagen und verunsichern, dann lasst die Finger von ’Stryker’, denn der Film birgt mindestens noch 20 ähnliche Ungewissheiten, mit denen ich euch an dieser Stelle nich belästigen möchte. Und dabei habe ich noch nicht mal gefragt, warum den koksnasigen Skriptanten der 80er nichts besserers einfiel als sowas. (Zumal hier Howard R. Cohen, der Autor des einmaligen ’Todesjäger’ am Werk war.)

Neulich im Steinbruch
Wenn ihr an dieser Stelle eine schnittige Inhaltsangabe vermisst, muss ich euch leider enttäuschen. Wo kein Inhalt, da keine Angabe, gelle?! Im Ernst, der Film besitzt keine, von mir identifizierbare Handlung. Es geht ein bissel um Rache, ein bissel mehr um Männer und Frauen die Wasser brauchen und haben und es geht um Stryker (*Lachtrack einspielen*). Wer dieser Typ ist, bleibt vorerst unklar, aus unterschiedlichen Gründen. Erstens wird im Film nämlich nicht viel geredet (so dass man auf diese Art und Weise herausbekäme, wer denn jetzt eigentlich der Titelheld ist) und zweitens gibt es zwei Typen, die sich die Hauptrolle teilen und gleichermaßen bekloppt aussehen. Herauszufinden, wer da nun eigentlich wer ist, macht einem der Film auch sonst nicht leicht. Völlig zusammenhanglos wird da Szene an Szene gereiht, einen so eklatanten Mangel an Kohäsion findet man sonst nur in Ninja-Streifen von Godfrey Ho. Das Zusammenklamüsern der nicht vorhandenen Story langweilt so schnell, dass man es schließlich dabei beläßt, vergeblich zu versuchen, sich an den lässigen Fahrzeugen zu erfreuen, die leider nie wirklich zum Einsatz kommen.
(Abgesehen von einer frühen Szene, die so dreist beim ’Road Warrior’ klaut, dass die Wüste schwitzt.)

Chopper Chicks im Windkanal

Der Film hat nix. Garnix. Wirklich nix. Keine brauchbaren Charaktere, keine griffige Action, keine noch so dünne Handlung. Nur ein paar Nullen auf fahrbaren Untersätzen, die in öden Kiesgruben und phillipinischen Feen-Grotten ’Mad Max’ nacheifern und gnadenlos scheitern. Ein witziges Trinkspielchen gibt der Film aber her. Jedesmal wenn jemand ’STRYKER’ ruft: Lachtrack einspielen und Prost! (Am besten ein Glas Wasser, das treibt die Schadenfreude!)


PS: Schaut euch mal seine Hose auf dem Cover an... Miauuuu!

Hudson