Stille Nacht, Horror Nacht


‘Santa's Here!’


Originaltitel: Silent Night, Deadly Night (1984)
Regie: Charles E. Sellier Jr. Drehbuch: Paul Caimi & Michael Hickey
Darsteller: Lilyan Chauvin, Gilmer McCormick, Toni Nero FSK: 18


Nach Halloween, dem Valentinstag und den Sommerferien erreichte die Slasher-Welle 1984 auch das Heiligste aller Feste: Weihnachten. Dank Protesten diverser Kritiker und vor allem der fingerwedelnden Eltern-Vereinigungen verschwand der als besonders grausam eingestufte Film jedoch recht schnell aus den Kinos und musste sich mit dem Dasein als Video begnügen.

"SCHON WIEDER EIN FEIERTAGSLASHER?!?"

Story: Als Kind muss der kleine Billy mitansehen, wie seine Eltern von einem Raubmörder im Father Christmas-Dress getötet werden. Dass sein Opa am selben Abend meinte, der Weihnachtsmann sei ’ne fiese Möp, der Kinder, die nicht 356 Tage im Jahr superlieb und artig sind, bestrafen würde, macht die Sache nur noch schlimmer für den Kleinen. Ein Rauschebart-Trauma ist da vorprogrammiert. Als er und sein jüngerer Bruder in ein christliches Waisenhaus gesteckt werden, lernt der schüchterne Billy erst einmal die Knute Gottes aus der Hand von Oberschwester Pain kennen (Name frei erfunden, keine Ahnung wie die olle Nonne heißt). Hier lernt Billy auch, dass etwas schmutziges wie Sex bestraft werden muss. Zum jungen Mann herangewachsen tritt er zahn Jahre später seinen ersten eigenen Job als Hilfskraft in einem Spielzeugladen an. Als es schließlich wieder weihnachtet hält der Ladenbesitzer es für eine gute Idee, Billy in das Kostüm von Santa Claus zu stecken. Ein Fehler. Denn als Billy sich in voller Montur vor dem Spiegel sieht, verliert er seinen Verstand. Er schnappt sich eine Axt und geht auf die blutige X-mas-Bestrafungs-Tour 1984…

Darf man Santa als Axtmörder zeigen?

Oder ist das zu viel des Guten?
Kommt drauf an. Jedenfalls ist ’Stille Nacht, Horror Nacht’ ausgemachter Blödsinn im Quadrat. Klar versuchte man, dem Killer einen psychologischen Hintergrund anzukleben und die erste halbe Stunde wirkt dann auch tatsächlich etwas bedrückend. Doch spätestens wenn Billy zur Super-Killermaschine wird, die ihre Opfer locker mit einem Arm in luftige Höhen stemmen kann und sich einen ’originellen Kill’ nach dem anderen einfallen lässt, ist aus ihm ein Jason/Michael-Verschnitt geworden, wie wir ihn schon aus etlichen Slashern kennen. Seine angebliche Bestrafung aller Bösen erweist sich als ziellose Metzelei durch die verschneite Vorstadt, gewürzt mit abgeschmackten Buh-Effekten und allerlei blutigen Einlagen. Auf letztere konzentriert sich auch die Kreativität der Macher. Statt überzeugender Darsteller gibt es Blutverlust Galore, statt technischer Kniffe tierische Kills, statt gelungener Atmosphäre noch ein paar Leichen mehr.
Daran werden sich Slasher-Fans womöglich genau so wenig stoßen, wie an der latenten Spannungsarmut in der zweiten Hälfte, aber der Rest sollte sich besser nach einer Alternative zu ’Silent Night, Deadly Night’ umschauen.


Hudson