Steel Man


‘Man. Metal. Hero.’


Originaltitel: Steel (1997) Regie: Kenneth Johnson
Drehbuch: Louise Simonson, Jon Bogdanove & Kenneth Johnson
Darsteller: Shaquille O'Neal, Annabeth Gish, Judd Nelson FSK: 16


Shaquille O’Neal – The Movie Part II.
Nach Shaquille O’Neal - The Basketball-Career und Shaquille O’Neal – The Videogame und Shaquille O’Neal – The Movie Part I (’Kazam’) zeichnete sich ein klarer Qualitätsabfall bezüglich seiner Künste ab. ‘Steel’ ist ein Tiefpunkt in der Karriere aller Beteiligten und ein Schrott-Debakel von einem Film.

Riecht nach 'nem Village People-Revival

O’Neal spielt den Waffenexperten (!) John “Check die Ampere-Kurve!“ Irons, der nach einem tragisch mißglückten Waffen-Experiment den Dienst quittiert und lieber in einem Stahlwerk malocht, als sein kluges Köpfchen zum Geldverdienen zu benutzen. Sein ehemaliger Kollege Burke (Hudd Nelson) nutzt indessen seine kriminelle Energie und verscherbelt die Prototypen der gefährlichen Waffe an Straßen-Gangs. Es dauert nicht lange, bis Irons ins Schussfeld der Gangster gerät und zu folgendem Entschluss kommt:
“Wir machen dasselbe wie in der Armee. Wir fabrizieren unsere eigenen Waffen, um sie damit aus dem Verkehr zu ziehen.“
Gesagt, getan. Mit dem alten Fuzzi Onkel Joe (Richard ’Shaft’ Roundtree), einer alten Kollegin im Rollstuhl, Geduld und Spucke, Muskelkraft, ein paar Stahlplatten und einem Super-Computer mit 500 Megahertz (ick kipp um!) bastelt er sich eine neue Identität mitsamt Kostüm und Einsatz-Zentrale. Aus Irons wird Steel und mir wird ganz anders…

Jaul! Also, wenn das ein Superheld sein soll, dann bin ich Roger Eberhard (oder wie dieser Typ heißt).

Pffffffffff...
Wenn ’Steel’ sich ungelenk an einem Drahtseil eine 50 Meter hohe Wand hinaufziehen lässt, wie ein nasser Sack über Häuserschluchten springt oder seinen Hammer (ja, ein Hammer) plump in der Gegend umherschwenkt, dann kommt das große Zähneknirschen aus des Comic-Fans Kauleiste.
Der Shaq ist zwar eine riesige Erscheinung, aber eine ganz minimale Schauspiel-Diva. Böse gucken kann er, grinsen und Sachen in die Luft heben auch. Das hat vielleicht für italienische Sandalenfilme anno 1950 gereicht, für eine zeitgenössische Comic-Verfilmung (’Steel’ ist ein entfernter Verwandter/Bekannter von ’Superman’) ist das allerdings zu wenig.
Man sagt ja immer, ein Superhelden-Film ist immer so gut wie sein Bösewicht. Und da haben wir’s auch schon. Judd Nelson mag ja beim ’Breakfast Club oder in ’New Jack City’ ’the Shit‘ gewesen sein, hier ist er einfach nur beschissen. Seine unkommode Darstellung eines Strirnfalten-ziehenden, vorlauten Megalomaniacs erinnert an Ben Stillers Figur aus ’Dodgeball’, erzielt aber zu keiner Minute den gleichen Effekt.
Der Film ist so bunt wie eine Folge ’Der Prinz von Bel Air’ und bedient sich schamlos quietschiger Gangsta-Klischees, dass man eigentlich nur noch auf den Auftritt von Coolio wartet. Der hätte ins bescheuerte Gesamtbild (im Stahlwerk laufen knapp bekleidete Mädchen mit Schutzhelm rum und wenn euer Spezial-Labor mal an einen Stromausfall leidet, einfach auf den Monitor klopfen) auch fugenlos hineingeschmolzen werden können.
Dennoch kann man dem Film einen käsigen Unterhaltungsfaktor nicht absprechen. Es knallt, es funkt und es blödelt, während die Musik so penetrant auf’s Ohr geht, dass man schon fast hypnotisiert mitbrummen muss. Außerdem gibt es Cameos von John Hawkes (’From Dusk till Dawn’) und Michael Preston (’Mad Max 2’) und das hat bislang noch keinem Film geschadet.

“Wo kann ich sie finden?“
“In Benny’s Hinterzimmer, da hängen sie meistens rum.“
“Hängen werden sie, bei Gott!“

Achtung Extreme Mindreading:
’Ich war doch mal Shaft! Was zum Teufel mach ich hier?!’

Fazit: Schrottreifer Superhelden-Nonsens im DTV-Look, mit DTTV-Mentalität und DTWC-Darstellern. Für den verregnetesten aller Sonntagnachmittage, wenn gerade gar nix anderes funktioniert und man in einem Zimmer mit einem Fernseher eingesperrt ist, der nur diesen Film spielt… ja, ich schätze, unter diesen Umständen könnte man sich ’Steel’ anschauen.


Nool