Steel Dawn – Die Fährte des Siegers



Originaltitel: Steel Dawn (1987) Regie: Lance Hool Drehbuch: Doug Lefler
Darsteller: Patrick Swayze, Lisa Niemi, Brion James FSK: 16


’Brennend heißer Wüstensand!’ sang Old Bone Freddy Quinn einst, ergänzt durch ’So schön, schön war die Zeit!’.
Nun, von einer schönen Zeit kann man bei der Post-Apokalypse nicht unbedingt reden, aber ja, die Sonne scheint und zwar außergewöhnlich heftig. Anders kann ich es jedenfalls nicht erklären, dass wir der Protagonisten (Patrick Swayze) zu Beginn kopfstehend im Wüstensand vorfinden.
Nachdem der Nomade einen Haufen Sandleute (heißen so, weil sie aus dem Sand gekrochen kommen, sind übrigens sehr modisch gekleidet) verdroschen hat und uns somit als harter Präriehund vorgestellt wurde, begegnet er seinem alten Meister, der nun nicht mehr kämpfen möchte, sondern als Friedensstifter durch die Ödnis zieht (was auch immer das bedeutet). Die Wiedersehensfreude ist kurz, denn schon in der nächsten Endzeit-Baude, werden die beiden von den erstbesten Schurken überfallen, was den Meister das Leben kostet.

'We don't need another...'
Doch lange bleibt der Wüstenfuchs, genannt Nomad (*augenroll*), nicht allein. Denn hinter der nächsten Ecke wartet schon eine kleine Farmer-Kommune auf seine Hilfe. Böse Männer (natürlich die selben, die schon Meister Friedensstift auf dem Gewissen haben) bedrohen die kleine Idylle, denn in den Grotten unter der Farm wartet eine heiß begehrte Süßwasserquelle…

Gute Güte! Mit grimmigen Blick und Tornister durch die Sahara zu latschen reicht ganze 6 Jahre nach dem Endzeit-Oberknaller ’Mad Max 2’ gerade mal für ein müdes Lächeln.
Nichtsdestotrotz wurde die in unzähligen B-Pictures aufgegriffene und längst zu Tode getrampelte Thematik ein weiteres Mal verhunzt.
Der Film bietet nichts, wirklich gar nichts Neues im Bereich ’Wüste Wüsten-Action’, setzt aber in punkto ’Bad Acting’ neue Maßstäbe. Keine Ahnung, wie Mr. Swayze nach diesem Film nochmal in Big Budget Produktionen Fuß fassen konnte.

"Finger weg!
Ich herrsch jetzt in Bartertown!"
„Sind wir uns nicht schon mal begegnet?“
„Die Wüste ist groß. Schon möglich. Du trägst die Uniform der Garde.“
„Ja, ich war Captain in der Garde!“
„Und jetzt bist du ein Aasgeier.“
„Das Leben ist hart, ich schlage mich durch!“
„Es wird bald noch viel härter für dich.“
Dieses Platzhirsch Geröhre hört sich bis dahin schon schlimm genug an, wird aber im Film aber auch noch dermaßen hölzern ausgekotzt, dass man nur noch ungläubig die Murmel schütteln kann. Swayzes emotionsloses Mienenspiel ist auf Steven Seagal Niveau angekommen, selbst Jean Claude van Damme hat mehr Verve in der Schnute, als der Mann, der ein Jahr zuvor mit ’Dirty Dancing’ die Herzen der Damen brach. Die einzige Bereicherung in Sachen Schauspiel bringt Charakter-Hulk Brion James (’Blade Runner’) als Papa Bär des Wüstentals. Der Rest der Cast, inklusive Anthony Zerbe (’Matrix Reoaded’) und Arnold ’Mumie’ Vosloo (’Gor’), sind gesichtslose Beilagen, die beim Zuschauer gerade mal ein Schulterzucken herauskitzeln dürften (besonders nervig: das ’obligatorische’ Wüsten-Kind! Glotzt ständig teilnahmslos in die sengende Sonne). Die Story hab ich in zwei Zeilen bereits ausführlich ausgewalzt und die Action beschränkt sich auf anständige Prügeleien und eine selstame Verfolgungsjagd auf lächerlichen Wind-Vehikel, die klein Anakin Skywalker mit seinem Pod-Racer in die Wüste geschickt hätte.

'Endzeit-Mikado' Wer verliert muss zum Friseur.

Alles in allem hält sich der Brechreiz beim Betrachten dieser schnell heruntergekurbelten Genre-Gurke in Grenzen, aber die Vorwahl 0815 muss auf jeden Fall gewählt werden, wenn man ’Steel Dawn’ auf der Mattscheibe sehen will. Die titelgebende ’Fährte des Siegers’ findet hier jedenfalls keiner.

Hudson