Starship Invasions


‘We know they are there - advanced beyond our imagination. Why have they come?’


Originaltitel: Starship Invasions (1977) Regie & Drehbuch: Ed Hunt
Darsteller: Robert Vaughn, Christopher Lee, Helen Shaver FSK: 16


“Rudy, du behauptest also, dass sie dich in diese fliegende Unterhasse geholt haben. Dann haben sie dich irgendwie bestrahlt und mit ’ner nackten Frau zusammen gebracht.“
“Hmh.“
“Was ist dann passiert?“
“Na was eben so passiert, wenn man mit einer nackten Frau im Zimmer ist.“

Zu waschechter Lido-Deck-Klavier-Musik sehen wir einen Bauern, der auf dem Trecker seine Felder bestellt. Plötzlich schwebt in bester Ed Wood-Manier ein pappiges UFO herab, paralysiert den nichtsahnenden Landwirt (mitsamt Mütze, Holzfällerhemd und Latzhose), landet und entlässt zwei schwarz bekleidete Eierköppe, die den Mann zur Obduktion ins Innere führen. Dort wird ihm ein Trikorder an den Nischel gepresst, worauf hin sich seine sexuellen Begierden personifizieren…

Gar nicht glorreich:
Robert Vaughn
Da das Bäuerlein von den Örtlichkeiten für nicht ganz für voll genommen wird, kontaktiert er Professor Duncan (Altstar Robert Vaughn, ritt schon bei den ’Glorreichen Siben’ mit), der kurz zuvor im Radio mit waghalsigen Theorien daher kam: “Ich glaube das wichtigste wissenschaftliche Problem des letzten Drittels dieses Jahrhunderts ist die Erforschung der UFOs (im 1. Drittel war es übrigens Relativitätstheorie, im 2. Drittel Kernphysik). Doch zu spät, der Bauer stürzt sich genau so in den Freitod, wie eine Familie, die ebenfalls von dem Raumschiff entführt und entkleidet wurde.
Im UFO selbst, ist Kapitän Ramses vom Planten Alpha im Orion (Christopher Lee, warum nur?) schwer damit beschäftigt, die Erde zu unterjochen, da sein eigener Planet von einer Supernova bedroht wird und die Erdenmenschen biologische Ähnlichkeiten aufweisen (sie sehen eigentlich haargenauso aus, nur ohne die alberne Bekleidung). Eine durch UFO-Strahlung hergeleitete ’Selbstmordepidemie’ soll die blaue Kugel von allem menschlichen Unrat säubern. Um eine Basis braucht sich Ramses dabei nicht zu sorgen, denn : “Die intergalaktische Liga aller Rassen unterhält auf dem Meeresboden einen Stürzpunkt.“
Nix wie hin, ein Concierge-Roboter (ganz klassisch, in silbernem Nylonanzug mit einem zackigen Boiler auf der Rübe) erwartet sie schon: “Friede mit ihnen, galaktischer Bruder. Ich bin Dörbel, ein Android Model 12-40-Z und stehe zu Diensten.“
Da die ’intergalaktische Liga’ aber eher friedvoll drauf ist und nix für Völkermord und solcherlei Spirenzchen übrig hat, übernehmen Ramses’ Truppen bald den Komplex (bye, bye Dörbel). Als nun auch die Amis friedvolle Erkundungsschiffe der ’Liga’ vom Himmel holt, (die haben nämlich endlich gerafft, dass es nicht die Russen sind!), haben wir einen astreinen Drei-Parteien-Krieg. Jetzt muss Prof. Duncan ran, dessen UFO-Fanatik seiner Frau (Helen Shaver, ’Der Herrscher des Central Park’) mächtig auf die Hupen geht und die dummerweise immer dazwischen funken muss, wenn er versucht, die Welt zu retten.

Herzlich willkommen bei ’Starship Invasions’, dem Film in dem die Guten labern und die Bösen die Fresse halten.

Den verschämten
Blick hat Chris Lee
nicht umsonst!
So ist es denn auch das zwischenmenschliche Rumgeseier und die letztendliche Übermacht der Szenen ohne die Invasoren, die dem Film die Wunderprächtigkeit eines Full-On-Schmockfestes rauben (auch wenn die Labereien zwischen Rollkragen-Vaughn und Brotmesser-Shaver zeitweise amüsieren und gelegentlich sogar durch hysterisch vorgetragene Ammenmärchen komplettiert werden).
Hatte ich übrigens erwähnt, dass die Außerirdischen nicht ’sprechen’, also ihre Kauleisten beim Tratschen still halten und per Telepathie kommunizieren? Ja so isses! Da wird einfach das beste Sahnesteif-Gesicht aufgesetzt und in die Kamera geglotzt, bis die Linse in die Suppe fällt.
Somit markiert dann ’Starship Invasions’ wahrscheinlich auch den absoluten Tiefpunkt von Chris Lees Schauspielkarriere. Es hat etwas ’Seltsames’, die Legende im hautengen Catsuit (fesches Drachenlogo, by the way) plus Pharaonenhaube zu sehen, der Sätze wie “Hast du der Frau die nötigen Flüssigkeiten entnommen?“ ohne Einsatz seiner Mimik in die Gegend ’telepatiert’. Einen Darsteller seines Formats auf diese Art und Weise zu verheizen ist eine Schande, aber darüber hinaus (und schon haben wir etwas ’Seltsames’ entziffert, liebe Freunde des schlechten Geschmacks) ist es auch urkomisch!
Zudem wird während des gesamten Films ein irre, swingendes Seventies-Geklimper- Feuerwerk (mit Tuba-Einstatz) gezündet, dass man glauben mag, hier hätten die Macher alle Notenbläter als Papers missbraucht und getrocknete Bananenschalen durchgeraucht.

Invasion der schlechtgekleideten Idioten

Fazit: Nach einem starken (in Sachen Trash, wohlgemerkt) ersten Drittel (auch ohne Relativitätstheorie, dafür mit UFO-Eimern, bei denen sich auch Al Einstein einen gelacht hätte) wird’s leider etwas lahm. Das Finale (Dörbel returns!!!) holt aber nochmal die Kohlen(Eimer) aus dem Feuer und macht einiges Gelaber wieder wett. Etwas mehr konstante Blödheit und Exploition hätten möglicherweise sogar ein Farb-Remake von ’Plan 9 from Outer Space’ draus gemacht. Aber vielleicht kommt ja noch ein ’Intergalaktische Liga’-SpinOff (mehr Dörbel bitte!).

Hudson