Star Pilot

aka

Raumkreuzer Hydra - Duell im All



Originaltitel: 2+5: Missione Hydra (1966) Regie & Drehbuch: Pietro Francisci
Darsteller: Leonora Ruffo, Mario Novelli, Roland Lesaffre FSK: 12


“Die Geschichte dieses Films beginnt im Jahr 1958 in der Nähe von Rom. Und endet nach menschlicher Zeitrechnung auf dem Planeten Gamma im Jahre ... aber sehen sie selbst.“

Eins gleich vorweg:
Wie bescheuert dieser Film ist, merkt man schon nach 5 Minuten, als die (italienischen) Protagonisten einen willkürlichen und für die Handlung völlig unbedeutenden, aber ausgelassenen Hubschrauber-Flug über Rom machen und in einem der unzähligen, wie dämlichen Dialoge herauskommt, dass die weibliche Hauptrolle zwar noch nie was vom Tiber gehört hat, aber gerne nahe der ’Spanischen Treppe’ einkaufen geht.

Ein Gedränge ist das hier!
Scheinbar will jeder mal in
diese albernen Röhre kiecken.
Weiter geht’s zu einem Hügel, an dem ein Bauer am Abend zuvor ein Raumschiff gesehen haben will. Mit Geigerzähler und Stereoverstärker machen sich die ’Wissenschaftler’ um Prof. Solmi daran, zu erkunden was wirklich unter dem Berg ist. Ihre (und unsere) Überrschung ist groß, als durch den Verstärker ein grenzdebiles Löwenbrüllen erklingt.
Wie gesagt: Die ersten 5 Minuten!
Weiter geht’s dann, als unsere Protagonisten, von vier typischen 60er Jahre Filmschurken (schwarze Anzüge, Hüte und Kanonen) aus China gekidnappt werden (“Wir sind chinesische Geheimagenten und haben einen Geheimauftrag für Rot-China zu erledigen!“) und mit ihren Geiseln in das Raumschiff einbrechen, wo erstmal ein paar Roboter (sind tatsächlich dümmlich grinsende Komparsen im Michelin-Männchen-Dress) abgeknallt werden, bis die Aliens auftauchen und die Geiselnehmer als Geiseln nehmen. Chaena, die Anführerin der Außerirdischen, erklärt endlich, worum es geht: Die Wissenschaftler sollen nicht nur einen neuen Antrieb für das Raumschiff bauen, sondern auch mit auf ihren Planeten ’Gamma’ kommen, um ihre Hirne einem höheren Zweck zu spenden…

Auhauahauaha, was hier passiert ist schon schwer zu schluckender Nonsens mit einer extra Portion Frechheit. Das fängt bei Archiv-Aufnahmen von alten Toho-Filmen an, geht über diskriminierende Äußerungen gegenüber Robotern und Chinesen (nachdem letztere die Roboter erschossen haben, müssen sie deren Arbeit übernehmen!) bis hin zu unprofessionellen Kämpfen, bei denen so offensichtlich daneben gehauen wird, dass man zwischen Faust und Kinn locker nochmal die selbe Sezene drehen könnte.

Von J. Bond die Posen,
von B. Uhse die Hosen.
Ferner geht es hier recht sexistisch zur Sache. Davon abgesehen, dass Alien-Lady Chaena gekleidet ist, wie die Protagonistin eines Ed Wood Streifen, wird auch bald das Erden-Mädchen in einen Ganzkörper-Netzbody geschnürt, bei welchem lediglich ein paar flauschige Puscheln die Geschlechtsmerkmale verdecken.
Am schlimmsten gestaltet sich allerdings das Schauspiel. Over-Acting ist ja eine Sache, aber die italienischen Freunde, die diesen Film mit ihrer Präsenz versüßen wollten, haben scheinbar eine Art Gestik-Droge geschluckt, die es ihnen nicht ermöglicht, auch nur einmal normal zu reden oder die Pfoten still zu halten. Zum Schlapplachen ist da zum Beispiel eine Szene, in der uns mittels intensiver Mimik verdeutlicht werden soll, dass zwischen zwei weiblichen und männlichen Besatzungsmitgleidern des Raumschiffs eine gewisse Anziehung besteht. Letzteres wird uns mit einem dermaßen beschränkten ’Nimm mich!’ Blick dargestellt, den man sonst nur in Dorfdiscos zu sehen bekommt. Zudem trägt einer der besagten Lustobjekte einen Raumanzug, der an sich schon die Grenzen der Lächerlichkeit sprengt. Tja, Typen in Uniform sind eben unwiderstehlich, selbst wenn sie aussehen wie Froschmänner ohne Taucherbrille.

Unfreiwillige Komik gibt es überhaupt, soweit Ohr und Auge reicht. Wenn zum Beispiel im Hintergrund 2 Wissenschaftler-Gruppen im Slow-Motion Gleichschritt (muss man selber sehen) die Silo-Treppe rauf latschen oder Trash-Ikone Gordon Mitchell (’Sein Name war Pot - aber sie nannten ihn Halleluja’) in einem Kurz-Auftritt einen Monolog von sich gibt, den selbst Trauerweiden zum Wiehern bringen würden.
In Sachen ’Nerventod’ kommen dem Gefuchtel der Akteure lediglich die schrillen Soundeffekte gleich, die sich wie eine 80 minütige ’Best of Hundepfeife’ CD unter den ebenfalls wenig berauschenden Soundtrack mischen.
Dazu gibt es Blinklicht-Amaturen und andere Special-FX aus der Trickkiste des ’Sandmännchens’ (das Raumschiff sieht aus wie eine dicke Tätanus-Spritze mit Düsen-Antrieb) und etliche ’Wunder der Wissenschaft’, welche die Menschheit hoffentlich bald für sich entdecken wird. Zum Beispiel:
Im Weltraum kann man hüpfen (die Aliens brauchen auch keine Helme mehr), Schwerelosigkeit wird von Außerirdischen genutzt, um Erden-Ladies unter den Rock zu schauen (“Hilfe, lasst mich runter. Programmieren sie mich doch endlich auf die Gravitation des Raumschiffes!“) und Strahlen-Waffen, die aussehen wie ein Föhn, können Gegner in Skelette verwandeln. Klingt alles sehr reißerisch, ist aber nur höchstgradig doof. (Und ich hab noch nicht einmal die Affen erwähnt!)

Sind es Knebel? Sind es Querflöten?
NEIN! Es sind Gamma-Atemluft-im-Vakuum-Tüllen!

’Star Pilot’ oder ’Raumkreuzer Hydra - Duell im All’ oder ’Raumschiff Terra zum Planet der Affen’ (kein Witz) ist einer der dämlichsten Science Fiction Filme aller Zeiten und taugt, trotz einiger Riesen-Lacher, nur bedingt für erträgliche Unterhaltung.

Hudson