Stahljustiz


‘You don't recruit John Steele. You unleash him.’


Originaltitel: Steele Justice (1987) Regie & Drehbuch: Robert Boris
Darsteller: Martin Kove, Sela Ward, Soon-Tek Oh FSK: 16


John Steele (Martin Kove, ’Rambo II’) ist ein harter Bursche. Im Einsatz in Vietnam prescht er gegen den Willen seines Vorgesetzten über feindliche Linien und wird vom vermeintlich verbündetem General Kwang (Soong Tek Oh, ’Beverly Hills Ninja’) verraten und in einen Hinterhalt gelockt. Mit Müh und Not schaffen es Steele und sein Kamerad Lee (Robert Kim) sich in Sicherheit zu bringen.
10 Jahre Später.

Steele, John Steele!
Steele hat aufgrund von Insubordination seine Stelle als Polizist verloren und arbeitet jetzt als Pferde-Transporteur. Ein Job, den er dank seiner widerspenstigen Art auch schnell wieder los ist. Sein restliches Leben ist ähnlich trostlos: Geschieden, perspektivlos und oft blau wie ein Veilchen, bekommt er immer wieder Ärger mit den ehemaligen Kollegen.
Viel größere Probleme erwarten ihn, als sein Kontrahent aus Vietnam wieder auf der Bildfläche erscheint. Mittlerweile der Boss des Gangster-Syndikats ’Schwarzer Tiger’, hat Kwang “…Drogenhandel, Erpressung und Exekution…“ der Stadt in der Hand. Als eine größere Ladung Koks im Chemie-Labor völlig vergiftet wird, hält ihn das vom Verticken der Ware nicht ab: “Wenn man erstmal an der Nadel hängt, ist man sowieso schon tot!“
Um auch die Bereiche Erpressung und Exekution abzudecken, schickt er seinen mordlüsternen Sohn in genau das Viertel, in dem Polizist Lee, Steeles bester Freund, wohnt, der bisher allen Drohungen widerstanden hat. Und natürlich steht das Killerkommando genau an dem Tag vor der Tür, als auch John Steele zu Besuch ist. Lediglich Lee’s Tochter Cami gelingt es ihm, zu retten. Als Steele, dem einzigen Zeugen des Attentats, niemand Glauben schenkt, macht er sich im Alleingang auf die Jagd nach den Mördern seines besten Freundes.

Heavy-Hover-Action Deluxe!
’Stahljustiz’ ist einer jener Action-Titel, die in den 80er Jahren en masse produziert wurden. Und dies gleich vorweg: Ich mag den Film!
Das kann daran liegen, dass er einer jener Streifen ist, die ich als 13-jähriger am späten Abend in der Flimmerkiste für mich entdeckte. Die Erinnerungen an die gute, alte Zeit verschleiert oft das Vermögen einer objektiven Begutachtung, ’Steele Justice’ hält dem Vergleich zu damals aber stand.
Ein großer Teil meiner Sympathie ist fraglos Martin Kove zu verdanken. Ich weiß, dass ich einer der wenigen bin, die den Mann für qualifiziert genug halten, auch mal die Hauptrolle zu übernehmen. Aber wenn ich sein durchaus grobes, aber durch rauhen Charme verdeltes Spiel in Stahljustiz’ sehe, kann ich mir einfach nicht helfen. Das ist genau der richtige Mann für eine solche Rolle und hat er genug Charsima auf dem Kerbholz, um die klotzige Pose auf dem Cover zu rechtfertigen.
Desweiteren wäre mein Wohlwollen gegenüber ’Stahljustiz’ meiner Liebe zum Action-Kino der 80er Jahre zuzuschreiben. Und hier ist beinahe jedes Element vorhanden, das ein echter Reißer aus jener glorreichen Dekade benötigt.
So ist der Held der Prototyp einer Testosteron-Bombe, läuft am liebsten mit freiem Oberkörper durch die Szenerie (mindestens mit weit aufgeköpftem Hemd), lediglich bekleidet mit zwei Patronengurten und einem Katana. Vom ersten Mal an, da Steele vor die Linse tritt, wissen wir: Er macht sie alle fertig! Verwemst sie, knallt sie ab, jagt sie in die Luft, hetzt ihnen seine Schlange auf den Hals und kommt natürlich damit durch. Und wenn die ’John Wayne Schutzaura’ einmal versagt, und er tatsächlich … sagen wir von einem Giftpfeil getroffen wird, schneidet er sich ein Stück aus dem eigenen Fleisch, saugt das Gift raus und drückt dann die heiße Bratpfanne drauf.

"Fragwürdig?
Das Wort kenn ich nicht!"
Immer ein flotten Spruch auf dem Lippen (“Nur eine Armee kann die aufhalten.“ “Deswegen bin ich ja hier.“) und eine zahme Natter namens ’Killer’ um den Hals geschlungen, wird die gnadenlos überzogenene Selbstdarstellung fugenlos komplettiert.
Mittendrin gibt’s ein irres 80er-Jahre-Dance-Video, deren Darsteller gerechterweise von den Bösen abgeknallt werden, die natürlich vom Schuh bis zum Haar ’Schwarz’ tragen (abgesehen von ihrem Chef. Kwang trägt nämlich privat gerne Blumenkleider vom Homeshopping-Kanal).
Hollywood-Altholz Ronny Cox (’RoboCop’) und Ex-Footballer Bernie Casey (‘Die Mächte des Wahnsinns’) machen sich für ihre reichlich dürftigen Rollen zwar nich kaputt, sind aber genau so gern gesehen, wie der (zugegeben recht sinnlose) Mini-Auftritt von der Porno-Diva Shannon Tweed ('Attack on Devil’ Island'). Abschmeckt wird das Ganze mit einem Cameo von Hollywoods ’Vorzeige-Henchman’ Al Leong (’Bill’s & Ted’s verrückte Reise durch die Zeit’), dem besten asiatischen Nebendarsteller seit Erfindung des ’Komparsen’. Dialog-Schmankerl (“Woher wussten sie dass ich dahinter stecke?“ “Ein gekreuzigter Vietkong, eine Ratte mit einer Handgranate. Wer sonst sollte darauf kommen?!“) und gute Kamera-Arbeit von ’Sorcerer’ Fotograf John M. Stephens machen die paar genre-typischen Story-Schwächen und Ungereimtheiten allemal wett.
Denkt dran Leute, wir reden hier über 80er Revenge Action aus der B-Liga, haben wir uns also bitte nicht so pingelig.

Wo grobe Kellen sinnlos prellen!

Ich weiß, ich weiß: ’Stahljustiz’ ist mein ganz persönliches ’Guilty Pleasure’, das objektiv gesehen aus der Qualitäts-Mitte entspringt, aber nicht einen Moment langweilig ist, einen urigen Hauptdarsteller auf das Publikum loslässt und fetzt, wie ein Böller im Streusselkuchen.

Hudson