Sonntag sollst du sterben



Originaltitel: Gunslinger (1956)
Regie: Roger Corman Drehbuch: Charles B. Griffith & Mark Hanna
Darsteller: Beverly Garland, John Ireland, Allison Hayes FSK: 18


“Manchmal reagieren die Leute komisch, wenn eine Witwe Hosen trägt. Auch wenn sie schwarz sind.“

Noch bei der Beerdigung ihres Mannes knallt sie einen Mittäter ab, der dumm genug war, der Zeremonie beizuwohnen. Am nächsten Tag prangt der Stern des Gesetztes an ihrer zarten Bluse. Sie räumt auf in ihrer Stadt. Gesetzlose haben keine Chance mehr und der Tod ihres Mannes ist auch noch nicht geklärt.
Marshal Rose Hood (Beverly Garland) hat viel zu tun und muss alles und jeden in Oracle City im Auge behalten. Vor allem die fiese Saloonbesitzerin Erica Page, der das meiste Land in der Gegend gehört und die noch große Pläne mit dem Örtchen hat. Schließlich soll hier bald die Eisenbahn um die Ecke kurven. Doch zuerst muss sie an der hartnäckigen Rose vorbei und bestellt den Kopfgeldjäger Cane Miro (John Ireland, ’Spaceshift’) aus Tombstone in die Stadt. Zu dumm, dass sich der Schuft in die Gesetzeshüterin verliebt und ein gefährliches Spielchen ins Rollen bringt, das nur für einen von beiden gut enden kann…

“Ich werde aus ihnen keine schlechtere Frau machen und sie machen aus mir keinen besseren Mann.“

"Hände hoch!" ...

Eine Frau, die 1956 in einem Western zum Marshal ernannt wird, jede Menge Ärsche tritt und die örtlichen Saloon-Tanzmäuse aus der Stadt vertreiben will, weil diese “..gegen die Hygiene-Vorschriften verstoßen…“. Nee, sowas hat’s nicht alle Tage. Aber hey, hier haben wir es halt nicht mit einem John Ford Epos zu tun, sondern mit waschechter Roger Corman Kost, die in mühseliger Handarbeit innerhalb von 7 Tagen abgedreht wurde und wo die Sets klar als solche zu erkennen sind (Ziegelstein-Tapete soweit das Auge reicht). Wir fragen also nicht nach Realismus und Ausstattung der Güteklasse A, sondern nach Emotionen und kurzweiliger Unterhaltung. Im Klartext: Catfights, Schießereien, Western-Lokal Kolorit und eine Bürgerkriegs-Rückblende, die lediglich erzählt und mit dramatischer Musik untermalt wird, aber nie wirklich im Bild erscheinen will (etwas ähnliches hab ich auch noch nicht… nicht gesehen). Viele unterhaltsame Aspekte der typischen Pferdeoper (Güteklasse B) findet man in ’Gunslinger’, Cormans viertem Western. Das angspannte Verhältnis von John Ireland und Berverly Garland rutscht zwischen den Begriffen ’leidenschaftlich’, ’bizarr’ und ’schrecklich albern’ hin und her, während man für Allison Hayes (’Angriff der 20 Meter Frau’) fiese aber auch kecke Darstellung tatsächlich Sympathie aufbringen kann. An abgedrehten Charakteren (die drei Tanzmäuse in Galgenlaune, der leicht verwirrte Bartender und ein “Hallo Leute!“ Cameo von Dick Miller) fehlt es dem Film genauso wenig, wie an einer dilettantischen Synchronisation mitsamt all den üblen, als auch spaßigen Dialogfetzen. (“Jeder Winkeladvokat beweist in drei Tagen seine geistige Armut.“)

... "Die Hände! Nicht die Nase!"

Fazit: Kleinkalibriger, aber humorvoller Western mit femininem Touch ohne Anspruch auf irgendetwas anderes, als an einem verregneten Sonntag Nachmittag im Jahre 1956 für Kurzweil zu sorgen. Da keiner von uns damals zur Stelle gewesen sein wird, müssen wir den Film vom jetzigen Zeitpunkt beurteilen. Ähm… was wollt ich damit jetzt eigentlich sagen? Ach ja: Ganz nett.


Hudson