Specters


‘An unforgettable journey into the darkest reaches of terror.’


Originaltitel: Spettri (1987) Regie: Marcello Avallone
Drehbuch: Marcello Avallone, Andrea Purgatori, Dardano Sacchetti & Maurizio Tedesco Darsteller: John Pepper, Trine Michelsen, Donald Pleasence FSK: 18


“Herbeigerufen oder nicht herbeigerufen. Das Böse wird kommen.“

Story of his Life: Umringt von
italienischen Spar-Akteuren
und Kulissen von der C-Halde
So lautet die Inschrift eines antiken Fundstückes mit gruseliger Clownsgesicht-Prägung, die von Donald Pleasence in ’Specters’ unheilschwanger vorgetragen wird. Pleasence spielt den Archäologieprofessor Lasky, der in Rom (ihr habt es sicher längst erraten) bei diversen Ausgrabungen beschäftigt ist. Wie es der Zufall will, helfen Erschütterungen, ausgelöst durch eine nahe gelegene U-Bahn, eine wichtige Passage freizulegen (deswegen muss in Rom auch jeder Archäologe einen U-Bahn-Führerschein machen. <- Dichterische Freiheit). Uneingeschüchtert von der Warnung schickt Lasky seine Hiwis in die Katakomben. Nicht lange danach haben sie furchterregende Begegnungen der xten Art.
Seltsame Visionen plagen die Ausgrabungs-Teilnehmer. In einem Weinkeller knallen urplötzlich alle Korken aus den Buddeln und eine riesige Monsterpranke aus dem Nichts reißt durch das Laken eines Bettes und zerrt die darauf lümmelnde Frau in die Tiefen der Matratze…

’Who you gonna call?’

GHOSTBUSTERS! Würde jetzt jedenfalls jeder halbwegs fachkundige Filmfan schreien. Aber falsch gebrüllt. Denn hier kommen höchstens ein paar schnarchige Schmierlapp-Italiener und ein sichtlich angeschlagener Donald Pleasence angetappelt.
Der arme Donald hatte es aber auch nicht leicht in den Achtzigern. Nach ’Halloween’ wurden ihm beinahe ausschließlich Rollen in solchen Gurken angeboten. Vorbei waren die Tage von Shakespeare. Vor allem die Italiener hatte einen Narren an ihm gefressen, leider aber auch des Öfteren einen aus ihm gemacht (siehe ’Warrior Queen’). Zur Seite gestellt wurden ihm die typischen End-Achtziger Lack-Visagen, die Sympathie und Spielfreude so schmerzlich vermissen lassen, wie der Soundtrack passende Grusel-Klänge.

Ja, nu... er könnte immer
noch einer Karriere als
Armdrücker nachgehen.
Stattdessen gibt’s nämlich Pop, u.a. sogar eingesungen von der Hauptdarstellerin, deren Funktion im Film sich mir nur bedingt erschloss (sie ist Schauspielerin/Sängerin/Zicke, spielt in einem Monster-Streifen die Hauptrolle und ist mit einem Archäologen verbandelt, der sie mitten im Sex von der Bettkante stößt, um den Anruf eines Nerds anzunehmen).
Herzhaft geht es wenigstens im FX-Bereich zu. Eine amüsant bekloppte Riesengummikreatur (entfernt verwandt mit dem allseits beliebten Schweinemaskenmonster) prankt, was das Zeug hält, zerquetscht ein paar Köppe, reißt Herzen heraus und Gesichter herab.
Dem entgegen stehen wiederum misslungene Optik-Spielereien (eine ’Nosferatus Schatten’ Gedächtnis-Szene) oder völlig unpassende Einfälle (eine hanebüchene Computer-Nerd-Ausrüstungs-Montage).
Kurze Frage noch zum Schluss:
Was macht man, wenn man sich in einer Katakombe verlaufen hat, plötzlich Wind aufkommt und ein Haufen Ratten herbeiquieken? Schreien! Ja. Und was noch? Man presst sich auf den Boden und versucht, in ein Katakomben-Grab zu kriechen, in dem bereits ein moderndes Skelett herumlümmelt. So lautet jedenfalls eine von etlichen B-Z-Horrorfilm-Logiken, von denen auch (oder ganz besonders?) italienische Filme betroffen sind.

“Na gut, dann kommt halt eine Katastrophe. Aber nur, wenn du mir keine Spaghetti machst!“
“Spaghetti! Deine Welt besteht nur aus Spaghetti.“

Nur so nebenbei: Die Brosche an der Brust
sieht aus wie ein alter Kaugummi-Klumpen... oder?

Das Fazit lassen wir heute mal weg, ihr habt ja gelesen, dass der Film scheisse ist. Ich möchte an dieser Stelle lieber noch einmal darauf hinweisen, was Donald Pleasence für ein toller Schaupieler war (bevor er in die Versenkung verdammt wurde), was er zum Beispiel in dem viel, viel, viel besseren Katakomben-Horror ’Raw Meat’ bewiesen hat. Tut euch, mir und ihm den Gefallen und schaut euch lieber den an.


Hudson