Space Mutiny


‘There is nowhere to hide from the enemy within!’


Originaltitel: Space Mutiny (1988)
Regie: David Winters & Neal Sundstrom Drehbuch: Maria Danté & Ian Yule
Darsteller: Reb Brown, John Phillip Law, Cisse Cameron FSK: 16


Sternzeit 4711, Captains Log:
Vor gut zehn Jahren sind mir die
Rasierklingen ausgegangen und
kein Schwein will welche abgeben.
Seit 13 Generationen ist das mächtige Raumschiff ’Southern Sun’ (Besatzung: Eine ganze Menge) auf der Suche nach Welten, die kolonialisiert werden können. Komischerweise sieht die ’Southern Sun’ aus wie der alte ’Kampfstern Galactica’, was wohl daran liegt, dass der halbe Film voll mit Stock-Footage aus eben jener Serie ist, wann immer eine Weltraum-Szene gebraucht wird. Während einer solchen bruchlandet Pilot und Protagonist Dave Ryder (guter Heldenname, passt auf jede Action-Figur-Verpackung!) dank eines Sabotage-Aktes auf der ’Southern Sun’ und gerät miten in ein Netzwerk aus Intrigen und Verrat. Der finstere Kalgan (John Phillip Law) hat anscheinend genug von der Kommandatur des zauselbärtigen Jansen (Cameron Mitchell) und will die Macht übernehmen, um schnellstmöglich seinen Fuß auf ein Fleckchen Land zu bekommen (wo er dann Reichtum und Ruhm abernten will)…

Kurzer Einwurf an dieser Stelle: Dass die ’reguläre’ Besatzung genau das gleiche Ziel hat wie Kalgan, scheint der Drehbuchautor irgendwie übersehen zu haben. Auch sie wollen schnellstmöglich ’Land’ erreichen. Warum also sollte er den Reisevorgang unterbrechen? Gedenkt er etwa eine andere Route einzuschlagen? Will er lieber durch den Ziegenbart-Cluster anstelle des Oregano-Nebels?
Obwohl ich das Konzept um die ’Weltraumpiraten-die-sich-bereits-auf-dem-
Schiff-befinden-das-sie-zu-kapern-gedenken’ recht amüsant finde, kann ich mir einfach nicht erklären, was genau sich Kalgan von dieser ganzen Sabotage-Masche erhofft? Aber vielleicht hab ich einfach nicht richtig aufgepasst. Das Problem hatte ich schon in der Schule.


Die zukünftige Mrs. Brown übt schonmal für
anstehende Kolaborationen mit ihrem Reb.

…nach ersten Reibereien zwischen Ryder und Jansens Tochter Lea, kommen sich die beiden bald näher und schließlich sogar Kalgans Komplott auf die Schliche. Jetzt heißt es: Auf zu intergalakitschen Abenteuern in Werkhalle 5c…

Das erste, was einem nach 3 Minuten ’Space Mutiny’ in den Sinn kommt ist: Man, ist das bunt! Wenig später wird man dann auch der dreisten Abkupferungen bei erfolgreichen Weltraum-Opern gewahr: Sound-FX aus ’Krieg der Sterne’, Raumschlachten-Archivmaterial aus ’Kampfstern Galaktika’ (die Schiffe haben übrigens bekannt klingende Bezeichnungen wie ’Rot Drei’ etc.) und ’gebeamt’ wird sowieso. Bleibt die Frage, wo dieser durch und durch unoriginelle Derivat Film seinen Daseinsberechtigungs-Gutschein her hat. Wie so oft kommt die Antwort darauf wie aus der Gummi-Pistole geschossen: Im unglaublich hohen Trash-Gehalt!

Lord Hütchen
Das geht natürlich schon bei Muskelmann Reb Brown und seiner schmierigen Föhnwelle los. Während alle in der Station lange Gewänder mit babyblauen Längs-Aufklebern, cremefarbene Zirkusuniformen mit orangenen SS-Dekos oder grell-glänzende Football-Kluften tragen, hat der Reb das weiße Unterhemd gepachtet. Tja, wer hat, der kann. Leider isses das dann auch schon mit Browns Können. Denn viel mehr als ’muskulös aussehen’, den ’Laser’ abfeuern und Schurken die Treppe hinunter schmeißen, ist bei olle Reb nicht drin. Wenn er doch wenigstens einen Funken Ausstrahlung hätte! An Browns Seite versucht sich diesmal übrigens dessen Ehefrau Cisse Cameron (’Porky’s 2’). Was genau sie versucht, ist schwer in Worte zu fassen. Ich umschreibe es einfach mal mit ’blond, spandex und freizügig’.
Lachgarant Nr. 1 ist ganz klar Cameron Mitchell. Einst ein verwegener Held (’Rurik - Der Wikinger’) und geschwätziger Superschurke (’Sonicman’), wankt er jetzt mit einem ’Father Christmas’-Gedächtnis-Sauerkohl (siehe Bild) durch die Flure. Was immer ihn die Dialogfritzen aus dem Rauschebart brubbeln lassen, der Zuschauer wird es kaum verstehen. Unhaltbares Lachen dürfte alles übertönen, was in Mitchells Gegenwart artikuliert wird.
Auch John Phillip Law war mal ne richtig coole Hupe (’Gefahr: Diabolik’) und ein stattlicher Abenteuerer (’Sindbads gefährliche Abenteuer’). Hier ist er ein Fiesel-Klischee auf zwei Beinen (komplett mit intensivem Blick und manischer Lache) und zwar bis zur letzten Szene des Films (die hat den Vogel echt abgeschossen!)

'Enforce' my ass...
Die Ausstattung als ’dürftig’ zu bezeichnen, wäre eine schamlose Untertreibung. Es wird durch die, aus B-Filmen bekannten Industrie-Anlagen geballert, in faden Brücken/Raumschiff-Sets palawert und in einer neon-grellen Diskothek abgehottet (Memo an mein zukünftiges Ich: Hula Hoop-Aktien kaufen!)
Ganz groß auch, als Brown und Cameron in sogenannten ’Enforcern’, pappigen Gefährten, die aussehen wie überdimensionale Staubsauger aus silber lackiertem Styropor, den Korridor einer gewaltigen Lagerhalle hinabflitzen und ein ähnliches Gefährt verfolgen. Dass diese Karren ca 10 km/h auf die Strecke bringen, macht die Verfolgungsjagd umso rasanter.
(Muss ich erwähnen, dass in genau jenen flitzpiependen Schrott-Apparaten auch noch das Finale ausgetragen wird?!) Es ist beinahe ein Glück, dass der Film voll von solchen bescheuerten Szenen ist, die das Publikum immer wieder davon ablenken, dass hier einfach gar nichts hinhaut. Wie auch jene Zeitlupen-Sequenz zu Beginn, in der sich die Akteure nicht nur in Slow-Mo bewegen, sondern sich auch Gaaaaanz laaaaangsaaaaam uuuuuunteeeeerhaaaalteeeeen (Nichts für ungut, für fünf Sekunden kann man das vielleicht machen, aber doch nicht eine Minute lang!) oder folgende Szene, in der einer der
Bösewichter, umreiht von seinen Schergen, einen Abtrünnigen mit seinem Krückstock tötet:

Scherge 1: “Er lebt noch.“
Scherge 2: “Gib ihm den Rest!“
Krückstock-Schurke: “Gibt es hier zufällig noch einen, der den Fehler begeht, Freiheit mit Hochverrat zu verwechseln?“
Scherge 1: “Aber nicht doch…“
Scherge 2: “Wir sind alle der gleichen Meinung…“

Die Richtung stimmt!

Fazit: Bunt, bekloppt und beinahe einen Trash-Test-Dummy wert. Aber nur beinahe, denn das Ding ist so peinlich, dass Fremdschämen zum Erlebnis wird. Im Ernst: WHAT WERE THEY THINKING?!


Hudson