Godzilla vs. Spacegodzilla


‘Destruction Deity Descent’


Originaltitel: Gojira VS Supesugojira (1994) Regie: Kensho Yamashita
Drehbuch: Hiroshi Kashiwabara & Kanji Kashiwa
Darsteller: Megumi Odaka, Jun Hashizume, Zenkichi Yoneyama FSK: 12


“Der Erde droht große Gefahr. Ein grässliches Weltraummonster nähert sich dem Planeten.“

Sprüche wie jene gibt’s im Genre-Kino zuhauf, aber wenn sie aus den Mini-Mündchen der Cosmos, Mothras kleinen Zauber-Zwillingen, kommt, ist meistens etwas dran. Also: Achtung, Baby! Augen gen Himmel!

Et is soweit: Jemand muss Michael Bay anrufen...

Dort, in den Weiten der finsteren Leere, fliegt Spacegodzilla in Richtung Erde und führt nichts Gutes im Schilde. Als das Ding auf den Radars der Vereinten Nationen erscheint, wird Mogera, der Weltraumschiff-Roboter-Jet-Panzer mit Drill-Nase und menschlicher Besatzung ins All geschossen, um den Kampf gegen das Biest aufzunehmen. Natürlich in einem Asteroiden-Gürtel, alles andere wäre stillos.
Derweil buddeln die Jungs von der G-Force (die Anti-Godzilla-Kampftruppe) am weißen Strand von San Angelo herum und begegnen dabei Godzilla Junior, der ja bekanntlich im letzten Teil der Reihe aus der Schale geschlüpft ist (nach neuer Godzilla-Zeitrechnung Start 1984, die vorherigen knallbunten Klassiker von Fukuda und Honda nicht mitgezählt). Er und sein Papa wohnen hier in angenehmem Klima, fern der Zivilisation und trotzdem wollen die Idioten von der Menschheit ihm immer noch an den Kragen.

"Tach, wir sind Geologen. Hier soll's
gewaltige Gummivorkommen geben."
Zwei Projekte werden ins Leben gerufen: Das friedliche Projekt T (für Telepathie), angeführt von Heisei Liebchen Miki Saegusa (kennen wir schon aus den vier Vorgängern) und das ungleich aggressivere Projekt M (für äh.. Monstermetzeln) unter Kommando des alten Raubeins Yuki, auf dessen Bruder Godzilla eines Tages auf einem seiner Ausflüge in die große Stadt gelatscht ist. Aus Versehen.
Dass die Boys keine Zimperlieschen sind, erkennen wir gleich an ihren fiesen Methoden. Sie wollen Big G mittels Gerinnungsprojektilen lahmlegen und provozieren den grünen Riesen mit feisten Sprüchen wie “Na los, zeig mir deine Fontanelle!“
Schließlich verbünden sich beide Teams, um Godzilla eine Kapsel in den Kopf zu ballern (durch Yuki), um ihn dann mittels Gedankenkraft (durch Miki) zu äh... Ach kuck! Da kommt auch schon Spacegodzilla aus dem All und erspart mir stammelige Erklärungen, die ohnehin keinen Sinn machen würden.

Aber wer bzw. was ist Spacegodzilla eigentlich? Um diese Frage zu beantworten zitiere ich lieber den Film selbst. Im Ernst, lest euch das hier durch und macht euch selbst ’nen Kopf. Ich hab’s aufgegeben.

BEHOLD THE MIGHTY BREATH OF SPACEGOJIRA!

“Das Monster hat G-Zellen, deswegen nennen wir es Space-Godzilla!“
“Erstaunlich!“
“Nur zweimal gelangten G-Zellen in den Weltraum. Beim ersten Mal waren es Partikel von Biollante und beim zweiten Mal hafteten Godzilla-Partikel an Mothra. Eine dieser Zellen muss von einem schwarzen Loch verschluckt und von einem weißen Loch ausgespuckt worden sein. Sie teilte sich sehr schnell, viel schneller als angenommen und assimilierte in ihrem eigenen Evolutions-System viele Kristall-Organismen. Sie war gigantischen Super-Energien durch Stern-Explosionen ausgesetzt. Und schließlich war das gewaltige Ungeheuer geboren. Das ist die Theorie.“

Projekt M, wie "Macht sie fettich!"
Da werden Erinnerungen an
Roboter der Sterne wach!
Voilà! Wer das nicht nachvollziehen kann, der versuche gar nicht erst zu begreifen, warum Mothra aus dem Weltall eine Mini-Version von sich selbst schickt, um die Menschheit zu warnen. Oder warum mittendrin die japanische Mafia versucht, Miki und ihren Pychotronen-Generator zu entführen. Egal, es geht halt um die Wurst. Oder um es mit den Worten des fiesen Dr. Susumu zu sagen: “Macht! Wer Godzilla hat, hat die Macht!“

Macht nix, wenn dem nicht leicht zu folgen ist. Wichtig ist, im beinahe obszön in die Länge gestreckten Finale wird Rabatz gemacht, solange bis die ganze Bude kracht. Hier spielt der Film seine Kaiju-Karten bis zum Exzess aus, liefert Monsterkeilereien, Ballereien, Strahlereien, Stadt-Platt-Tretereien und Feuergefechte ohne Ende. Letzteres ist leider wörtlich zu nehmen. Spätestens nach der vierten Wendung im Finale, dürften sich selbst bei großen Kaiju-Eiga-Fans erste Ermüdungserscheinungen einschleichen. Somit spiegelt der letzte Akt auch die Probleme des Filmes wieder. Hier wurde einfach zu viel auf die Pfanne gepfeffert.

Die Jungs und Mädels von der Badass-
Patenbrigade sind zwar cool, letztlich
aber wieder nur ablenkendes Beiwerk
Zwar gibt es diesmal sogar einen menschlichen Plot, der (im Vergleich zu den Vorgängern) dank Intrigen, Gefühlen und nachvollziehbarer Motivationen etwas mehr Fleisch am Knochen hat und auch einige sehr gelungene Aufnahmen, jenseits der üblich bombastisch inszenierten Monsterkeilereien (beispielsweise Godzillas majestätisches Auftauchen am Strand oder der Sonnenaufgang an selbigem, bei dem Hippie-Medium Saegusa und Soldat Shinjo sich näher kommen), dafür jedoch auch allerlei Schmalz-Sprech (“Verstehen sie denn nicht. Er hat auch Gefühle! Er empfindet genau so wie wir!“) und Minuspunkte in Sachen Kaiju Design. Der Mogera, welcher seinen Ursprung bei den ’Mysterians’ hatte, ist ein wenig überzeugendes Konstrukt, irgendwo zwischen Transformer und Mechagodzilla, weswegen viele Fans auch monieren, dass der vorliegende Film nichts anderes wäre, als ein Aufguss des Vorgängers. In jenem war Godzilla Junior eine Exakt-Kopie seines alten Herren (lediglich mit größeren Glupschaugen), hier sieht er aus, wie bei den ’Sinclairs’ vom Set gesprungen und mit Pokemon-Silikon aufgespritzt. Godzillas Heisei Kostüm ist nach wie vor großartig, aber das Design von Spacegodzilla, mit seinen gewaltigen Anti-Schulterpolstern kam bei den Fans nicht sonderlich gut an. Dafür hat er einen Traktorstahl und animiert den Mogera-Piloten zu einem der klassischsten aller Aufschreie: “Es kommt direkt auf uns zuuu!“

Kaiju-Kegeln: Minya Strikes!

’Godzilla vs. Spacegodzilla’ reiht etliche Ideen, Subplots und Konzepte auf einen dünnen Faden, der bald durch das Gewicht jener welcher ins Durchhängen gerät. Kaiju Monster, Transformer Action, Jahrmarkt Gaudi, Yakuza Intrigen, Mad Scientists, G-Force, Counter-G-Force, Telekinese, Mini Motten, Mini Mädchen, Spiral-Granat-Raketen... zu viel Brei verdirbt den Koch. Und schließlich endet der Film wie so viele Kaiju-Eiga-Streifen: Die Stadt, in der die Kämpfe zwischen den Hünen ausgetragen wurden, ist nur noch Schutt und Asche, aber das böse Monster ist besiegt und dann sprudelt Godzilla wieder durchs Meer in Richtung Horizont. Er hat es sich die Pause redlich verdient, aber das Publikum wird auch erstmal eine brauchen.


Hudson