Sons of Steel


‘Die Superheroes der übernächsten Generation’


Originaltitel: Sons of Steel (1989) Regie & Drehbuch: Gary L. Keady
Darsteller: Rob Hartley, Roz Wason, Jeff Duff FSK: 16


‘Dark Future - Cyberpunk - Neon Noir - Pre Apocalyse’ mal anders.

Wo 'Matrix' und 'Inception'
ihre Ideen her haben...
Die Staaten sind durch das allmächtige Handels-Konglomerat Oceana abgelöst worden. Die privatisierte Regierung in Sydney herrscht mit eiserner Hand über Lohnsklaven und andere Nullköpfe. Nur der krasse Rocker Black Alice lehnt sich gegen die Unterdrückung auf, indem er mit abgedrehten Gestalten Musikvideos im Glam/Trash/Neon-Look vor der Kamera nachspielt. Als Blacks Freundin Stained Class im Krankenhaus an einer Überdosis krepiert, macht sich der abgedrehte Hardrocker auf den Weg durch Zeit und Raum, um das System mit Rock’n’Roll und seinen Hirngespinsten zu ficken. In der Zukunft angekommen, muss er allerdings entdecken, dass ein apokalyptisches Unglück Sydney und die ganze Welt in eine astreine P.A.Zone verwandelt hat. Mit dem grunzenden Barbaren-Raider Ex und der blonden Amazone Djard im Schlepptau versucht Black Alice, die Katastrophe ungeschehen zu machen…

“It might be little of a Sci Fi but it could be right. Who can say?” singt Aussie-Rocknase Rob Hartley in seiner Rolle als Black Alice. “Nobody can!“ sage ich als leicht überforderter Zuschauer, der dem Geschehen von ’Sons of Steel’ zu folgen versucht.

... oder 'Living in Oblivion'
Bei der durch Hologramm-Zeitreise zur Apokalypse gebrachten Friedensbewegung einer schrill kreischenden Trash-Gestalt (die an Bobcat Goldwaits Charakter aus den ’Police Academy’-Filmen erinnert) mitzukommen, ist gar nicht so einfach. Zumal ich mir vorstellen kann, dass der Film heutzutage lediglich auf späten Kulturabenden zugedröhnter Retro-Punks in der Dauerschleife gespielt wird.
’Sons of Steel’ vereint einen digitalen Erzähler-Schädel, Heavy Metal-Outfits, Transvestiten-Humor, Anleihen bei ’Clockwork Orange’‚ ’Brazil’ und ’Aliens’, sowie ein riesiges Plastemonster mit heraushängendem Gummi-Genital. Und er hat zwischendurch immer noch Zeit für verrückte Gesangseinlagen im Videoclipstil (mit eingestreutem dokumentarischem Archivmaterial von Protesten und Atomexplosionen), die das System anklagen und die Phantasie des muskulösen Poser-Protagonisten (in der er auch mal Krankenschwester und Börsenmakler mit der Uzi abknallt) lebendig werden lassen.
Gedreht wurde größtenteils auf verlassenen Straßenzügen, in Industrieanlagen und Bunkern. Nebelmaschinen und Neonlichter laufen auf Hochtouren. Musikalisch wird hier neben dem angepriesenen Hard/Sprayrock der 80er allerdings auch einiges an Pop-Gedöhns geboten, das waschechten Rockern die Haare ausfallen lassen wird.

“Was hast du schon zu verlieren. Deine feste Substanz wird sich ohnehin in Smegma auflösen, du hast nur noch zehn Stunden zu leben.“

Tomaten auf den Augen?

’Sons of Steel’ spottet jeder Beschreibung. Der Spott ist ohnehin fest in der Seele des Films verankert. Eine völlig kaputte Story, albern bis fragwürdige Moral und Systemkritik und absurd bis käsig inszenierte Mucical-Einlagen werden zum filmischen Äquivalent des Sprichwortes ’verrückt wie ’ne Scheißhausfliege’ kombiniert. Will sagen: Die Narrative ist für’n Arsch, die Message für den Querkopf und die Bilder für’s Auge, nachdem man die Rezeptoren mit ausreichend Alkohol angeheizt hat. Wenn man sich drauf einlässt gibt’s Kopfsausen. Angeblich plant Regisseur/Autor/Produzent Gary L. Keady seit einiger Zeit ein Sequel namens ’Man of Steel’. Viel Glück dabei.


Hudson