Solomon Kane



Originaltitel: Solomon Kane (2009) Regie: Michael J. Bassett
Drehbuch: Michael J. Bassett & Robert E. Howard FSK: unbekannt
Darsteller: James Purefoy, Pete Postlethwaite, Rachel Hurd-Wood


Wenn der Film nicht zu dir kommt, musst du deinen Arsch zum Film bewegen.
Frei nach diesem Motto wurde die FilmFlausen-Redaktion von der PR-Abteilung des Verleihs ins verregnete London eingeflogen, wo man uns in das luxuriöse Empire Cinema zur Europaprämiere von ’Solomon Kane’ einlud…
Hmnee, also schön, gut, okay, ich geb’s ja zu: Nichts dergleichen. Das war gelogen. Here’s what happened…
Wir waren auf verlängertem Wochenendtrip in Britannias Capitol, haben zufällig einen Doppeldeckerbus mit dem Werbebanner gesehen und nachdem ich keine Ruhe gab (“Solomon Kane! Solomon Kane! Solomon Kane! Scheiß auf den Tower, ich will Solomon Kane!“), hatten wir tatsächlich das Glück, den Film einen Monat nach Kinostart noch im Empire zu sehen (der Teil stimmt). Allerdings war es nicht der Prestige-Prämierensalon, sondern Screen 6, der kleinste Saal, welcher sich direkt zwischen Damen- und Herrentoilette befand (kein Witz). Und wenn ich ’Saal’ sage, dann meine ich einen Raum von der Größe eines durchschnittlichen deutschen Wohnzimmers. Drei Reihen, ca. zwanzig Sitze und fünf Meter Abstand zur Leinwand. Aber ihr ahnt es sicher schon: Wenn ein Film wie der hier ansteht, ist das Jacke wie Hose.

“I am the only devil here!”

Solomon Kane, ein gewissenloser Söldner unter dem Banner Elizabeth der Ersten, erreicht mit seinen Männern die afrikanische Küste, an der spanische Conquistadoren eine Festung eingenommen haben und nun verzweifelt versuchen, diese gegen die Neuankömmlinge zu halten. Mit brachialer Gewalt und Unmengen von Schwarzpulver gelingt es den Briten, die mysteriöse Bastion zu stürmen und in den Thronsaal vorzudringen, in dem die Männer ihrem Schicksal in Form von grausamen Spiegeldämonen begegnen. Auf Hilfe von ihrem eigensinnigen Captain können die verlorenen Seelen nicht hoffen. Solomon Kane selbst kämpft sich bis ins dunkle Herz der Festung vor und findet neben einem immensen Goldschatz den Gärtner des Teufels vor, der seine verkommene Seele ernten will. Nach einem kurzen aber heftigen Zweikampf muss sich Kane geschlagen geben. Doch seine Seele ist ihm heilig, also zieht er eine halsbrecherische Flucht dem Todeshauch Lucifers vor.

“I am not ready for hell, yet.”

Monate später hat Kane Obdach in einem Mönchskloster in der Heimat gefunden, seinen Körper mit christlichen Malen kasteit, dem Töten abgeschworen und sucht nun Trost und Hoffnung in Gebeten. Doch der Abt weiß, dass Kane auf diesem Wege nicht geholfen werden kann. Die Verdammnis seiner Seele wird durch Andachten nicht aufgehoben, also wird der einstige Schlächter, die Schuld als einziges Reisegepäck, des heiligen Bodens verwiesen. Auf dem Weg in seine Heimat, aus der Kane ebenfalls vor vielen Jahren von seinem Vater (Max von Sydow) verbannt wurde, trifft er die Crowthorns, eine Familie unterwegs in die neue Welt. Die gutherzigen Menschen um Vater William (Pete Postlethwaite) kümmern sich um Kane, nachdem dieser von Wegelagerern niedergeschlagen wurde. Ein Akt, den der ehemalige Killer ohne Gegenwehr über sich ergehen ließ. Als die Crowthorns in Bedrängnis durch die Reiterschar eines seltsamen Maskierten geraten und Tochter Meredith (Rachel Hurd Wood) entführt wird, muss Kane seinen Eid brechen und die alten Blutpfade erneut beschreiten. Auf der gefährlichen Suche nach Meredith erschließt sich ihm allmählich ein Weg, der zur Aufklärung seiner Vergangenheit und zur Rettung seiner Seele führen könnte…

“I was never more at home than I was at battle.”

Die Figur des Solomon Kane stammt aus der Feder des amerikanischen Autors Robert E. Howard, der mit Conan (dem Barbaren!) eine der bekanntesten und beliebtesten Gestalten der Fantasy-Literatur schuf. Die Geschichten um den vergleichsweise unbekannten Kane spielen zwar nicht im hyborischen Zeitalter, sondern im späten 16. Jahrhundert, doch sind sie nicht minder gespickt mit Hexerei, Dämonenzauber und dunkler Gewalt.
Wenn Solomon Kane ans Kreuz genagelt wird, fühlt man sich unweigerlich an den besten Barbaren der Welt erinnert. Im Kontext macht die Kreuzigung des Helden hier sogar ein wenig mehr Sinn, als beim cimmerischen Haudegen. Während Conan dazu bestimmt war, die Juwelen-besetzte Krone von Aquilonien zu tragen, muss Solomon Kane seine Seele vor dem Teufel retten.

Am I Evil?
Kane ist ein gepeinigter Ex-Schurke im Quäker-Kostüm (dessen ’likeness’ schon 2003 für Stephen Sommers ’Van Helsing' ausgeliehen wurde) und auf dem Pfad der Erlösung im Auftrag des Herrn unterwegs. Das jedenfalls redet sich der geläuterte Protagonist ein. Trotz der Thematik wird der religiöse Aspekt des Films zum Glück nicht zu Tode gepeitscht.
Besonders erfreulich ist die Abwesenheit jeglichen Humors, Comic Reliefs oder irgendwelcher nervtötender Sidekicks. Ein dickes, fettes Danke an Regisseur und Autor Michael J. Bassett, dass er den Blödsinn draußen ließ und seinen Helden durch eine konstant angespannte Stimmung treibt.
Bassett, der zuvor die beiden soliden, aber keineswegs außergewöhnlichen Horror-Streifen ’Death Watch’ und ’Wilderness’ inszenierte, katapultiert sich mit ’Solomon Kane’ in die nächst höhere Liga.
Der Film punktet mit großen, episch inszenierten Bildern, die hin und wieder durch CGI-Elemente ergänzt werden und zwar oft an Heavy Metal-Cover oder Poster-Motive erinnern, jedoch nie aufdringlich platt oder erschlagend wirken. Die Balance wird gehalten. Lediglich während des effektgeladenen Finales wird der Overkill gestreift. Schaden kann das ’Solomon Kane’ aber nicht.
Unterschiedliche Farbgebung, rauhes Klima, dreckiger Pöbel in verruchten Kaschemmen, wilde Reiter in nebligen Wäldern, Monsterscharen, die in unheimlichen Kirchenruinen lauern; die Atmosphäre des Filmes ist dicht und nahe dran an Howards Vorlagen. Auch mit Gewaltdarstellungen halten sich die Macher nicht zurück, doch sollte man kein superbrutales Gemetzel erwarten. Mit einer Handvoll Blutspritzer, ein paar ab- und angeschlagenen Köpfen und jeder Menge Schnetzeleien mit hervorragend maskierten Widerlingen bewegt sich der Film ungefähr auf dem Level von ’Conan’ und den eher deftigeren Szenen der ’Herr der Ringe’-Filme.

I don't know about you, but I AM EVIL!
Die Nebendarsteller sind ohne Ausnahme exzellent. Besonders Alice Kriege (’Silent Hill’) und Pete Postlewaithe (’Lost World’), die oft eher auf fiese Figuren abonniert sind, überraschen als Sympathieträger. Karibik-Pirat MacKenzie ’Holzauge’ Crook sorgt als durchgeknallter Pfaffe mit ungesunder Gemeinde-Fürsorge für schräge Momente und Bleichliebchen Rachel Hurd Wood (’Das Parfüm’) kämpft sich durch die ewig undankbare Rolle der Damsel in Distress mit einer Extraportion Unschuld. Auch Jason Flemyng (’Snatch’) überzeugt als finster hergemachter Blutmagier Malachi, hat allerdings einige der käsigeren Zeilen des Filmes auf dem Dialogplan. Als Bonus gibt sich hier ’Conan’-Veteran und Bergmann-Regular Max von Sydow höchstpersönlich die ganz besondere Ehre.
Star der Show ist, wie sollt es anders sein, James Purefoy. Der aus ’Rome’ bekannte Mime wurde in den letzten 10 Jahren aus unerfindlichen Gründen zumeist in Nebenrollen “verheizt“ (’Resident Evil’, ’Ritter aus Leidenschaft’) und darf hier endlich seine ’Leading Man’-Qualitäten unter Beweis stellen. Wie die besten Helden der Filmgeschichte hält er sich mit dem Geschwafel zurück und teilt lieber in flott inszenierten Gefechten Hiebe aus. Zwar schleudert Kane seinen Widersachern hin und wieder ein paar kernige Oneliner entgegen, doch vollzieht der charismatische Bad Ass hier eine greifbare Wandlung vom ignoranten und arroganten Schlächter, zur gequälten, der Verdammnis ausgesetzten Seele, die ihr mörderisches Talent, dem sie eigentlich für immer abgeschworen hatte, schließlich im Namen der Erlösung und vielleicht sogar des Guten zum Wirken bringt.

So let's fight Evil with Evil

Na schön, es hat keiner behauptet, der Film würde einen tieferen Sinn oder irgendwelche Messages transportieren, aber Genre-Kenner dürften mittlerweile wissen, dass es nicht darauf ankommt, welche Geschichte man erzählt, sondern wie man sie erzählt. Das wussten auch die Macher von ’Solomon Kane’, die Robert E. Howards Charakter einen bildgewaltigen Action-Fantasy-Streifen verpasst haben, der grantig, atmosphärisch und persönlich genug ist, um aus dem Gros der Sparte hervorzustechen.
Sollte der Film es in unsere Kinos schaffen, gehört jeder Fantasy-Freak in einen Sitz. Egal wieviele Reihen zur Verfügung stehen. Das seid ihr euch (nicht zuletzt in Anbetracht der grottigen Filme, die dieses Genre in den letzten Jahren ausgekotzt hat) einfach schuldig.


Hudson