Das Söldnerkommando



Originaltitel: Kill Squad (1982)
Regie & Drehbuch: Patrick G. Donahue
Darsteller: Jean Glaudé, Jeff Risk, Jerry Johnson FSK: 18


Leute, schnallt die Socken fest, hier kommt ’Das Söldnerkommando’! Sechs affengeile Bratenbengel, die bärenstark um die Wette dreschen und Verse drücken, dass selbst Rainer Brandt das Handtuch wirft!

“Ihr wollt das für nass und nich löhnen?“
“Pfusch bezahlen wir nicht. Du kannst ’nen anderen bescheissen“
“Ihr Burschen. Ihr Supermacker nagelt alle, häh? Da seid ihr bei mir an der richtigen Adresse. Für nass is nich. Deine Waschstraße hat’n Leck.“
“Ach, ich glaub die kesse Lippe hör ich mir nicht länger an. Schrott kannst du den Chinesen anbieten, vielleicht fallen die drauf rein.“
“Ist wirklich ein ganz starker Vortrag auf den ich 'nen absoluten Minusbock habe!“
“Fein, das Dumme ist, dass Minusböcke keine Piepen bringen.“

Die Tür stört...
Der erfolgreiche Unternehmer Joseph Lawrence und seine Frau werden eines Nachts in ihrem Haus von einer Bande übler Ganoven (u.a. Cameron Mitchell) überfallen. Zuerst sieht es danach aus, als könne der kampferbrobte Joseph die Halunken mit der Faust zur Räson bringen, doch er wird hinterhältig niedergeschossen und muss halbtot die Vergewaltigung und Ermordung seiner Frau miterleben. An den Rollstuhl gefesselt setzt er alles daran, die Drahtzieher hinter dem feigen Anschlag ausfindig zu machen. Doch ein Mann im Rollstuhl kann wenig unternehmen, darum ruft Joseph seine alten Kriegskumpane von der Elitetruppe zusammen, die ihm ihr Leben verdanken und ihre Schuld nun einlösen sollen…

“Es soll jetzt Holzfüße geben, die auf Kammerton A gestimmt sind.“

So, liebe Leser. Lasst uns an dieser Stelle über den tragischen Anlass der nun folgenden Action-Granate hinwegkommen, denn ’Das Söldnerkommando’ ist nur ein Film und die gemeine Tat zu Beginn ist wie so oft nur ein plakativer Trigger, um kräftig Ärsche zu treten und in diesem Fall eine Hammer-Synchro aufzufahren, die alles bisher Dagewesene ins Jenseits bugsiert.
Machen wir mal gleich weiter, wo die inhaltliche Schweigeminute einsetzte, denn ich muss euch unbedingt erzählen, wen der gute Joe hier aufscheucht.

... die Motorhaube auch!
Da ist zuerst der farbige Gentleman, der gerne Frauen in die Bluse schaut, und sich von niemandem verarschen lässt. Dann ist da ein stämmiger Muskelprotz, der ganze Autos mit bloßer Hand demontieren kann, desweiteren ein Bauarbeiter, der auch schon mal einen Sturz aus dem fünften Stock überlebt, ein Zuhälter mit schickem Hut, ein Asiat, der bei Millionären als Gärtner arbeitet und ein Lebemann, dem die Kredithaie im Nacken sitzen.
Jeder dieser alten Kumpis wird von den vorherig zusammengetrommelten aufgesucht und zwar immer genau dann, wenn er gerade in eine urige Schlägerei mit irgendwelchen Geigen (Arbeitskollegen, Partygäste, Schuldiger etc.) gerät.
Jetzt fragt ihr euch möglichweise: Hat denn keiner dieser ’Village People für Arme’ einen Namen? Nun ja, im Synchron-Universum des ’Söldnerkommandos’ ist das so eine Sache mit Eigennamen. Vielmehr wird hier jeder zweite mit ’Bengel’ tituliert. Und wenn man kein ’Bengel’ ist, dann ist man ein ’Schwengel’. Und wenn man kein ’Schwengel’ ist, dann ist man ein ’Knaller’. Und wenn man Glück hat, ist man ein ein exklusiver ’Bratenbengel’!
Nachdem sich die Jungs auf Josephs Garten-Grundstück versammelt, und beim alten Sarge ihre Skills unter Beweis gestellt haben, wird sich gleich auf die Piste gemacht.

“Ey Georgie, der Knaller will was von dir!“
“Tagchen Rübezahl. Ich wette du bist Vertreter für Höhensonne. Echt schade, bin braun genug.“
“Die Scherze mache ich hier.“

Das Spring Break-Kommando

Was folgt, ist ein sich wiederholender Tathergang in abwechselnden Action-Settings, deren Unterhaltungswert das geschriebene Wort nur notdürftig verdeutlichen kann.
1.) Die Jungs suchen sich einen Verdächtigen und fragen nach einem Namen.
2.) Der Verdächtige kuckt entsetzt, stottert herum und rennt weg.
3.) Die Jungs rennen ihm hinterher, verprügeln ihn und versuchen, ihn auszuquetschen.
4.) Genau an diesem Punkt kommen Kumpels/Kollegen des ’Opfers’ und mischen mit.
5.) Eine riesige Klopperei entsteht, bei der alle Kumpels/Kollegen des ’Opfers’ zusammengefaltet werden und das ’Opfer’ selbst wieder am Schlawittchen gepackt und ausgefragt wird.
6.) Hier variiert die Szenerie ab und zu! Entweder: Die Jungs vom ’Söldnerkommando’ legen den Befragten um, bevor er ihnen etwas verraten konnte. Oder: Das Opfer verrät ihnen alle Informationen, woraufhin…
7.) Ein Ninja-Sniper (!!!) auf einem nahegelegenen Turm/Häuserdach erscheint und den Verräter abknallt, nachdem er alles verraten hat!
Ihr merkt es selbst: Hier wird jede noch so stabil scheinende Movie-Logik total auf den Kopf gestellt.

Die Jungs kriegen jeden klein
Und wenn man denkt, jetzt kann’s unmöglich verrückter werden, kommt das Ende…
Dieses Ende müsst ihr euch einfach selbst anschauen (was sich als echte Herausforderung erweisen düfte! Ich selbst habe ca. 5 Jahre nach dem Film gesucht und einen hohen Preis dafür bezahlt!), denn das schafft es nicht nur, den ganzen vorhergehenden Schwachsinn auf eine eigene Art und Weise zu rechtfertigen, sondern ist auch sowas von abgedreht, dass es einfach nicht zu fassen ist.
Die Schauspieler zu beurteilen, ist mir beinahe unmöglich. Zu sehr werden die Darstellungen von ihren Fight-Moves, dem lässigen Gang und den knalligen Sprechogrammen beherrscht. Sympathisch sind diese Klischee-Figuren aus Action-Valley allemal.
Als Beilage gibt’s Cameron Mitchell mit ’Benjamin Blümchen’-Synchro, NAM-Rückblenden mit kickboxenden Vietcongs, wirklich gelungene Action, mit tollen Stunts und drallen Explosionen, sowie dermaßen viele Sprüche, dass ich den Film tatsächlich zweimal sehen musste, um alles aufsaugen zu können.

Mit Sold im Tank fliegen auch die Karren

“Ach du Rübezahl du Dicker.“
“Ich muss dir wohl ’n paar Märchenfigruen in die Wolle schneiden, so kess wie du bist.“
“Ich merk schon, du willst mir ’nen gebrauchten Lutscher ans Hemd kleben, du Bratenbengel.“
“Ich werd dir die Lappen glatt bügeln!“

Ganz ehrlich: Die letzte Gelegenheit, bei der ich so sehr gelacht habe, war ’Batman hält die Welt in Atem’ (und als mein Wellensittich ’Alte Scheiße!’ sagte). Egal wer ihr seid, solange ihr nur einen Funken Humor im Leib habt; Schaut euch diesen Film an! Wenn’s euch schlecht geht. Wenn die Party lahm wird. Oder wenn konventionelle Lachattacken nicht mehr wirken. Schaut ihn an und ihr bekommt granatenstarke Brathähne, die zu pornöser Sax-Mucke ulfige Handkanten-Mische verteilen und Sprüche ablassen, bis der Arzt kommt und mitlacht!



PS: Hier das bessere und dem Film viel eher entsprechnede Original-Poster:




Hudson