Söldner des Todes


‘Erbarmungslos kämpfen sie gegen den Dschungel’


Originaltitel: Invaders of the Lost Gold (1982) Regie: Alan Birkinshaw
Drehbuch: Alan Birkinshaw, Bill James & Dick Randall
Darsteller: Stuart Whitman, Edmund Purdom, Woody Strode FSK: 16


Film ist Film, weil man Dinge zu sehen bekommt, die einem beispielsweise ein Buch oder ein weiser alter Märchenonkel am Wegesrand in Schrift und Wort vermitteln würden.
Die laufenden Bilder lassen ihre Zuschauer die Welt visuell wahrnehmen, die Emotionen erleben, am Geschehen teilhaben. So lautet jedenfalls das uralte Konzept des Mediums. Warum ausgerechnet ein Film namens ’Söldner des Todes’ mit diesen Konventionen brechen muss und einen nimmermüden Erzähler über die Handlung und auf die Tonspur packen muss, ist ein Rätsel, das wahrscheinlich noch zukünftige Generationen von Filmwissenschaftlern um den Schlaf bringen wird.

Once upon a time in prologue country...

Es ist doch so… Wenn wir schon einen Prolog im Dschungel zu Zeiten des zweiten Weltkrieges mit Angehörigen der japanischen Armee (unter General Hoshijacki) zu sehen bekommen, welche sich von Scharmützel zu Scharmützel hangeln, vorbei an Kannibalen und Schlimmerem und unterdessen einen Goldschatz verstecken, dann wollen wir ihnen doch bitte selbst dabei zusehen und es NICHT von einem sülzigen Off-Sprecher erzählt bekommen.

“Die Fahrt den Fluss hinab verlief langsamer und langsamer. Immer tiefer drangen sie in den Dschungel ein.“

Doch genau das passiert immer wieder bei ’Söldner des Todes’ und kaum hat man sich über diesen Unsinn adäquat aufgeregt, ertönt es auch schon: “36 Jahre später“.

Stuart & Stewardess
Okay. Ruhig bleiben. Plot verfolgen. Da ist schon wieder die Rede vom Schatz, diesmal sogar aus den Hälsen der Protagonisten. Nach all den Jahren will man das Gut endlich bergen und zu diesem Zwecke versucht ein zwielichtiger amerikanischer Gentleman, ein paar der damaligen Beteiligten zusammen zu trommeln. Das geht mächtig in die Hose, denn keiner will mit der Sprache rausrücken. General Hoshijacki aus Szene eins wird erschossen und sein untergebener Offizier begeht lieber Harakiri, als sich an der Unternehmung zu beteiligen. Und zwar mit seinem Katana, um dessen Klinge er vorher sorgsam das Putztuch gewickelt hat. Ich mag mich irren, aber gibt es für so etwas nicht rituelle Dolche? Hier wurde eindeutig schlecht recherchiert.

“Es wurde schnell finster. Die unermessliche Wildnis des Dschungels entschwand und jetzt war nur noch pechschwarze Nacht. Ringsherum raschelte und knirschte es und allerlei andere Geräusche setzten ein.“

Schlechte Recherche ist auch dem Auftraggeber der nun anstehenden Expedition, einem gewissen Jefferson, vorzuwerfen. Dieser engagiert ausgerechnet Saufnase und Tunichtgut Forrest (Stuart Whitman) für den Trip und zwar lediglich auf die Empfehlung seines Hausn... äh Dieners Cal (Woody Strode), welchem Forrest in der Nacht zuvor bei einer Kneipenschlägerei zu Hilfe kam. An der Seite seiner Ex-Frau Maria (Laura Gemser) und seines Ex-Partners Fernando, begibt sich Forrest mit Jefferson, dessen junger Tochter Janice, dem zwielichtigen amerikanischen Gentleman von weiter oben, dem Asia-Grobian Tobachi (Harold Sakata) und Cal auf die (original)titelgebende ’Horror Safari’...

Dumme Sprüche überlasse ich heute dem Voice Over dieses Films...

Captain: “Leinen los zum Ablegen! Es geht los!“
Erzähler: “Und es ging los. Die Reise ins Ungewisse begann. Eine Reise, die für die meisten von ihnen im dem Tod enden sollte.“

Maaaaaaaan… JETZT HALT DOCH MAL DIE FIESE FRESSE! Wenn hier einer schwafelige Beschreibungen von der Lippe fallen lässt, dann bin ICH das!

’Söldner des Todes’ macht so vieles falsch, dass der “fertige“ Film eher wie eine von schwülstigen Formulierungen übertönte Aneinanderreihung diverser Blooper-Reels wirkt (die eigentlich vom Boden des Schneideraums hätten gefegt werden müssen), trotzdem oder vielleicht gerade deshalb fast schon wieder Spaß macht.

Erklärung folgt...
(Im Gegensatz zum Spooner haben meine
nude pics nämlich inhaltlichen Background)

Die bunte Schar der Darsteller schwitzt und schwatzt sich (“Sowas wie dich hat mir der Bordarzt gegen mein Rheumatismus verschrieben.“) durch den dünnen Zehn-kleine-Negerlein-Plot und sorgt dank abwechselndem Over- und Under-Acting für mehr Lacher, als der gewollte Thrill des Streifens verkraften kann.
Kantfresse Stuart Whitman, der hier von seinem Auftraggeber zunächst unaufhörlich mit “ein Mann mit ihren Fähigkeiten“ angesprochen wird, obwohl er ihn bis dahin lediglich als volltrunkenen Brabbelkopp mit Aggressions-Problemen kennt, gibt wie schon in ’Treasure of the Amazon’ einen recht brauchbaren Quasi-Hauptdarsteller ab. Harold ’Odd Job’ Sakata latscht “Tausende Quadratkilometer brauchbares Land. Was könnte man daraus alles machen.“-kommentierend durch ein Feld voller Hanfpflanzen und stiert dabei wie ein Sumo beim Salzstreuen aus dem Tropenhelm und Laura Gemser... Leute, ihr ahnt es bereits: Laura Gemser macht das, was sie immer macht. Sie zieht blank und diesmal ist sogar ein Wasserfall zugegen.

“Wie ein aufragender Wall aus kochendem Weiß türmte sich ein Wasserfall, um dann donnernd alles mit sich reißend in die Tiefe zu stürzen. Es klang wie das Krachen von Kanonenschüssen, wenn das Wasser auf die Steine prallte, wieder hoch wirbelte und die Gischt himmelhoch stob.“

Nein, dieses Cover hat nichts
mit dem Film zu tun.
Und dieser Herr bedarf wohl keiner Vorstellung mehr. Er ist es, der den ganzen Kappes mit ausschweifenden, formvollendeten Wortkrämereien veredelt und selbst vor groben Spoilern nicht halt macht:

“…aber sie war sich der Gefahr nicht bewusst und sie ahnte nicht, dass nur wenige Minuten später auch ihr Leben zuende sein würde.“

Kerle... Auf diese Art und Weise kann doch so etwas wie Spannung gar nicht erst aufkommen. Doch selbst ohne die Quasselstrippe auf der Tonspur (übrigens dieselbe, die auch schon den Endzeit-Kracher ’She - Eine verrückte Reise in die Zukunft’ ungleich lustiger kommentierte) wäre der Film verloren, denn Dramaturgie, Schnitt und Tempo lassen die Darsteller im Busch komplett alleine.
Den Vogel schießt eine Szene ab, in der Harold Sakata aus dem Blauen heraus mit einer Machete auf Woody Strode losgeht, was einen minutenlangen brutalen Zweikampf zur Folge hat, den die beiden schließlich mit einem Lachen, einer Umarmung und “Alles nur Spaß!“-Gegrunze beenden. And I ain’t even lying.
Dass einer der beiden Kontrahenten nur kurze Zeit später geradezu beiläufig in den Tod stürzt und sein Ableben von seinen Gefährten mit dem darstellerischen Äquivalent eines Schulterzuckens quittiert wird, wunderte mich schon gar nicht mehr. Bei einem Film, der mit kindischen Dialogen a la “Ach, was mach ich bloß mit diesem Idioten?“ “Selber einer!“ aufwartet, gehören Nachvollziehbarkeit, Stringenz und Spannung eben einfach nicht zur Grundausstattung.

“Boss, Boss, sehen sie! Huhn frisst sich unsere Bananen!“
“Dann schnapp dir das Huhn und dreh ihm den Hals um! Kommt dann heute Abend in die Suppe.“
“Geht nicht, dann ist Hahn traurig.“

No Comment

Dann mach ihn halt zum Brathahn, Tarzan. Selten gibt es einen Film, der die Kluft zwischen objektivem Müll und subjektivem Spaß derartig in Frage stellt, wie ’Söldner des Todes’. Filmliebhaber mit Händchen für guten Geschmack, außerordentliches Storytelling (nein, damit ist nicht “Goethe aus dem Off“ gemeint) und beachtliche Produktionswerte sind hier so falsch, wie Kasperköppe mit Abenteuerlaune, Exploitation-Existentialisten und unbedarfte Dschungel-Clowns richtig sind. Und Leute, die sehen wollen, wie Laura Gemser ihrem dicken philippinischen Co-Star Schlangengift aus den Männertitten saugt. Na schön, vielleicht sind solche Streifen auf FilmFlausen gar nicht sooo selten. Also gut, tatsächlich sind die hier eher die Regel, aber im stetigen Bestreben, das größtmögliche Publikum anzusprechen... ach, macht doch was ihr wollt!


PS: Nein, auch dieses Cover hat nichts mit dem Film zu tun...





























Hudson