Snakes on a Plane


‘At 30,000 feet, snakes aren't the deadliest thing on this plane.’


Originaltitel: Snakes on a Plane (2006) Regie: David R. Ellis FSK: 16
Drehbuch: John Heffernan, Sebastian Gutierrez, David Dalessandro & John Heffernan Darsteller: Samuel L. Jackson, Julianna Margulies, Nathan Phillips


’Schlangen in einem Flugzeug’
Ja, um schätzen zu wissen, um was es hier geht, sollte man den Originaltitel dieses Films unbedingt ins Deutsche übertragen: ’Schlangen in einem Flugzeug’.
Was gibt es da eigentlich noch groß zu ergänzen? Na, zum Beispiel das hier:

Uh oh!
Bei einem Motorrad-Ausflug auf Hawaii wird Sean zufällig Zeuge des Mordes an einem Staatsanwalt. Das passiert in den USA ja tagtäglich und bedürfte keines weiteren Aufsehens, doch hier war es Unterweltboss Eddie Kim höchstpersönlich, der Hand (bzw. ’Baseballschläger’) anlegte. Sean wartet nicht etwa in der sicheren Deckung der Büsche, bis alles vorbei ist, sondern startet seine Motocross-Maschine und düst lauthals davon, so daß Kims Handlanger nicht lange brauchen, ihn aufzuspüren. Doch bevor die Bastarde ihm ein paar Geschosse zwischen die Rippen setzen können, kommt ihnen Agent Flynn (Sam ’The Man’ Jackson) in die Quere. Flynn schnappt sich den Jungen und bearbeitet ihn solange, bis er einwilligt, gegen Kim auszusagen. Dass dieser nun mit allen Mitteln versucht, dies zu verhindern, versteht sich von selbst. Da Flynn und Sean einen Flug nach L.A. gebucht haben, wo der Prozess gegen Kim anlaufen soll, ersinnt der Schurke folgenden Plan: Eine ganze Armee von Giftschlangen soll in das Flugzeug geschmuggelt werden. Gesagt getan (jaja auch wenn Post-9/11 und so).
Damit die Biester auch richtig schön wild werden, lässt er die Hula-Blumen-Ketten, welche die Passagiere nach alter Tradition um die Gurgel gehängt bekommen, mit speziellen Reiz-Pheromonen besprühen.
Im Flugzeug selbst werden wir allmählich mit den restlichen Passagieren vertraut gemacht. Da lässt man sich nicht lumpen und präsentiert einen ganzen Schwung Reißbrett-Gestalten: Ein turtelndes, kiffendes Hard-Body Pärchen, eine dicke Frau, eine Mutter mit Baby, zwei Kids, einen paranoiden Typ im rosa Shirt, dessen Frau ihn fortwährend beruhigen muss, einen widerlichen Geschäftsmann ™, einen nervigen Rapstar mit Posse (*augenroll*) und natürlich jede Menge Stewardessen (eine ist zwar männlich aber so tuntig, wie ’ne pinke Federboa).
Jetzt fehlen eigentlich nur noch die aufgeputschten Schlangen, die übrigens so sehr gedopt sind, dass sie gleich wichtige Leitungen im Flugzeug durchbeißen und somit schon einmal für verfrühten Stromausfall-Schrecken sorgen. Doch mit der Kabelage geben sich die Viehcher nicht lange zufrieden. Cause there’s still FOLKS ON THE PLANE…

’Schlangen im Flugzeug’?
’Schlangen im Flugzeug’!

“Weißt du noch, diese ganzen Katastrophen-Szenarien, die wir durchgespielt haben? Jetzt steck ich mitten in einem drin, an das wir nicht gedacht haben.“
“Wovon redest du bitte?“
“Eddie Kim hat es irgendwie geschafft giftige Schlangen in das Flugzeug zu schleusen.“
“Wow, hallo! Was für’n kranker Plan is’n das!?“



No Shit!
Schlangen in den Sauerstoffgeräten, Schlangen in der Kotztüte, Schlangen unterm Sitz, Schlangen in der Mikrowelle, Schlangen in der Bluse, im Auge, am Schwanz, am Hintern (“Kacke, du hast ’ne Schlange am Arsch!“) und eine Schlange, die sich glücklich mit einer Hula-Blumen-Kette paart. Und weil die Schlangen nicht ins Ohr passen, wird immerhin der Absatz eines Pumps in die Horchmuschel getreten!
Für wen dies wie ein filmisches El Dorado klingt, der ist hier genau richtig aufgehoben. Es werden nicht nur Flugangst und die Phobie vor Schlangen gnadenlos ausgebeutet, sondern auch mit den wertvollsten Genre-Klischees diesseits von ’Con Air’ vermischt. Da ist zum Beispiel ein Pärchen, das in der Flugzeugtoilette Gras raucht und poppt. Haben die denn nicht aufgepasst? Dachten die denn, nur weil dies kein Slasher sei, können die sich alles erlauben? Nix da! Das gibt erstmal eine Schlange an die Nippel! Übrigens, wenn ihr mal in der Bedroullie steckt, eine Boing landen zu müssen, dann haltet Ausschau nach einem dicken, farbigen Bodyguard, der mal einen Flugsimulator auf einer Spielkonsole gespielt hat (“Playstation oder Xbox?“ “Playstation 2!“). Blödsinn? Von wegen. Ihr müsst vorher nur die Cockpit-Tür mit einem Taschenmesser öffnen.

Hahn im Korb mit Harpune
Die Schlangen selbst scheinen beinahe ausnahmslos aus dem Computer zu kommen. Dem verdankt man zwar einerseits mehr Mobilität und herrlich abscheuliche Grotesk-Attacken, andererseits war die Bits&Bytes-Herkunft (höhö) in mancher Hinsicht allzu offensichtlich. Echte Biester wurden (aus offensichtlichen Gründen) ’lediglich’ als um die Darsteller herum plaziert. Immerhin sind sie schön bunt und haben sogar eine eigene Snake-Vision (die Viecher sehen alles verschwommen grün).
Menschliches Highlight ist ohne Frage Samuel L. Jackson, der seiner Vorliebe für Monster-Movies schon in ’Deep Blue Sea’ fröhnte. Auch hier rockt er die Show, wie wir es von ihm gewohnt sind. Keine Situation zu heikel, dass er sie nicht in den Griff bekäme, kein Biest zu widerlich, dass er ihm nicht die Stirn böte und bloß keinen One-Liner auf der Lippe lassen, den Arnold S. noch nicht verbraten hat. Wenn es einen gibt, der die ganze Bagage im Zaun halten und gleichzeitig über’s Telefon mit einem Herpetologen diverse Schlangenarten auseinanderklamüsern kann, dann er. Da interessieren uns die restlichen Pappkameraden (aka ’Lots of Snake-Fodder’) doch herzlich wenig. (Als der ’Wannabe Playa Pimp’ zu einer Weißbrot-Bratze “Bleib schwarz!“ meinte und die Antwort “Auf jeden!“ kam, waren ue Augen schon ausgerollt und der Schenkel schon durchgeklopft.)
Mal den ganzen Pre-Release Internet-Hype und die Flaute danach außer Acht gelassen, muss man allen, die bei dem Film hinterher rumheulten, mal sanft ins Gemüt reden: Leute, im Ernst! Wer von euch hat denn bitteschön bei einem Film nanems ’Snakes on a Plane’ etwas anderes (oder gar mehr) erwartet als SCHLANGEN IN EINEM VERDAMMTEN FLUGZEUG!?!? Doch wohl nur anglophobe Nixblicker, die sich das Programmheft nicht richtig durchgelesen haben.

Aua... die Hosenschlange mag lang sein, aber äußerst schmerzhaft!

’Snakes on a Plane’ ist genau das, was es vorgibt zu sein. Tierhorror im großen Stil von Fans, für Fans, ziemlich spannend, reichlich doof und vor allem schrecklich unterhaltsam. Für Leute mit Flug- und Schlangenangst gänzlich ungeeignet, es sei denn sie sind gleichzeitig Masochisten.
Ob der Film in ausgewählten Kinohäusern mit ’Airplane’ und ’United 93’ als Triple-Feature präsentiert wird oder demnächst in Flugzeugen Antidot in Eimern bereit gehalten wird, bleibt abzuwarten. In Amerika ist alles möglich.

Hudson