Snake Inferno



Originaltitel: The Serpent Warriors (1985)
Regie: John Howard & Niels Rasmussen Drehbuch: Martin Wise
Darsteller: Clint Walker, Eartha Kitt, Christopher Mitchum FSK: 18


"WHAT THE FUCK WERE THEY THINKING?!"

Schlangen greifen Menschen an. Und das ist kein Scherz, sondern die süß-saure Wahrheit und Basis des vorliegenden Filmes.

Wie es dazu kommen konnte, erklärt mitunter der exotische Prolog, in dem eine Expedition ins Reich der halbnackten Bastrocker für krude ’Indiana Jones’-Unterhaltung sorgen soll, die dem Zuschauer aber bald im Halse stecken bleibt, als der mitgeschleppte ’Short Round’-Ersatz (’Snake Inferno’ wurde im Fahrwasser von ’Tempel des Todes’ veröffentlicht) mit ansehen muss, wie seine Schwester von einem Schlangenkult geopfert wird.

Bewirb dich als Schlangenbeschwörer,
haben sie gesagt.
Die Naturverbundenheit ist heilsam,
haben sie gesagt.
Nach einer wilden Hetzjagd durchs Unterholz, springen die Überlebenden der Expedition einen Wasserfall hinunter, was sie spätestens jetzt ebenfalls zu den Nicht-Überlebenden der Expedition hätte machen sollen, jedoch erzählen der “40 Jahre später“-Schriftzug und die Tatsache, dass der kleine Jason von eben im Folgenden unser fernöstlicher, schnurrbärtiger Protagonist ist, eine andere Geschichte.

Zur gleichen Zeit (also 40 Jahre später – was bedeutet: Irgendwann Anfang der speckigen Achtziger, denen noch der Rest der schmierigen Siebziger anhängt) bemerkt Jason - mittlerweile ein Bauunternehmer - beim Ausheben des Fundaments für sein neues Megaprojekt eine riesige Grube voller Schlangen. Da man es zu der Zeit im Fernöstlichen noch nicht so mit dem Tierschutz hatte und Jason ja ohnehin praktisch eine offene Rechnung mit allen Schlangen dieser Welt hat, werden kanisterweise Brennstoff auf die armen Viecher geschüttet, angezündet und um sicher zu gehen, auch noch mit einer Baggerschaufel rhythmisch drauf losgeprügelt.

2Unlimited 2day (feat Eartha Kitt & Thulsa Doom)
Geprügelt wird auch in dem abgelegenen Warenhaus um die Ecke, wo sich ein graumelierter Kung-Fu-Opa, der auch in einem Jackie Chan Film gut aufgehoben wäre, mit einer hüpfenden Riesenschlange anlegt, die – ihr ahnt es sicher – ebenfalls über erstaunliche Martial-Arts-Kenntnisse verfügt.

Meanwhile, on another plane of existence: Eartha Kitt sitzt in güldener Halle auf einem Alufolie-Thron im Rotlichtviertel und lässt die Serpentinen wackeln. Aus wabernden Bodenlöchern krauchen Schlangen zu den Klängen tüdeliger Orientflöten, die als rhythmische Unterstützung anwesender Bauchtänzerinnen im Goldlack dienen…

Wer an dieser Stelle überlegt, das kleine X oben rechts zu klicken, weil er meint, ich müsse mich hier mittels absurder Behauptungen und Exploitation-Märchen profilieren, um sträflich vernachlässigten Lesern die unbedingte Aufmerksamkeit aus der Drüse zu zwirbeln, den bitte ich um Verständnis und Nachsicht: All diese Dinge ereignen sich tatsächlich genau so innerhalb der ersten 20 Minuten von ’Snake Inferno’ aka ’Serpent Warriors’ und sind ein Vorgeschmack auf ein unglaubliches Finale, dem ein leider viel zu durchwachsener Mittelteil voraneilt.

Wenn nichts mehr hilft, einfach eine Prise 'Mortal Kombat'-Lokalkolorit einstreuen.

“You listen to me, young lady! I’m not going to let you walk into this, based on the premise, that snake attacks on human being in the Orient and cult activities in the north american desert, 9000 miles apart, are somehow mysteriously related!“

Und da simma auch schon, beim Nörgelfaktor, der mir den Streifen vom angehypten Must-See zum kuriosen WTF-im-Spaßbremsgang herunterhobelte.
Nicht, dass man ’Snake Inferno’ (nie war ein deutscher Titel passender) Eintönigkeit vorwerfen könnte, werden hier doch immer wieder unterschiedliche Genres und Stilmittel vermischt. Leider aber nur allzu selten mit Erfolg, was mehrere Ursachen hat.

Na, solange Eartha drüber lachen kann...
Zum einen handelt es sich um einen jener Filme, die auf FilmFlausen des Öfteren unter dem “Cut & Paste“-Label vertreten sind, also Streifen, die aus altem Archivmaterial und ein paar neu gedrehten Szenen zusammengewurstelt wurden, was der Kohärenz des Gesamtwerkes natürlich nie gut tut.
Allerdings hatten diesmal nicht etwa Godfrey Ho und Co. ihre Finger am Schneidehebel, sondern wohl tatsächlich US-amerikanische „Filmschaffende“. So konnte man tatsächlich halbwegs namhafte Nasen wie Christopher Mitchum (’Invasion aus dem Weltall’), Clint Walker (’Das dreckige Dutzend’) und Eartha Kitt (’Batman - The Funk Knight Returns’) für den Neudreh „gewinnen“.
Entschuldigt bitte diese schwammigen, mit Anführungsstrichen und Konjunktiven geschwängerten Aussagen, aber meine Recherche hat einen kurzen Arm und alle Beteiligten an diesem Machwerk sind mittlerweile wahrscheinlich längst tot. Ganz bestimmt aber die Schlangen, die hier durch die Hände eben jener Filmschaffenden offensichtlich skrupellos ins Geschehen geworfen wurden.

Schlangen im Flur, Schlangen im Fahrstuhl, Schlangen im Treppenhaus...

Eieiei (zum Anderen): Die Schlangen. Diese (bzw. alle Szenen mit ihnen) stammen aus der Taiwanesisch-Hongkonger Ko-Produktion ’Calamity of Snakes’ aus dem Jahre 1983 und wurden in jener scheinbar zu Hunderten verbraten. Wobei „verbraten“ hier leider kein Euphemismus ist, denn die armen Viecher wurden wortwörtlich verheizt und – neben einigen Special-FX-Schlangen – zum Finale in Massen durch Flure und Räume und vorbei an den sich darin befindenden Menschenansammlungen gescheucht.
Allzu explizite Szenen (die es in ’Calamity of Snakes’ wohl geben soll) sind aus dieser Version zwar entfernt worden, aber es ist mehr als offensichtlich, dass hier grobes Schindluder mit Tieren zugunsten der Unterhaltung getrieben wurde. Das hinterlässt bei jedem Filmfan mit einigermaßen intaktem Moral-Kompass natürlich einen unangenehmen Geschmack in der Runkelrübe, wenngleich man an dieser Stelle zugeben muss, dass die hier gezeigten Bilder nie zuvor gesehenes Spektakel präsentieren. Stellt euch einfach die Szene in der schlangenverseuchten Grabkammer aus ’Jäger des verlorenen Schatzes’ vor, multipliziert die Schlangen mal hundert, lasst sie bewegen, springen, in Massen auf Menschen fallen, diese beißen, würgen etc. und ihr habt eine ungefähre Idee, was im Finale des vorliegenden Filmes vor sich geht. Achso: Addiert bitte noch eine exorbitante und ungemein agile Riesenschlange dazu, die von einem Feuerwehrkommando mittels Flammenwerfern bekämpft wird.

“I’ve done that sorta thing before. Back when I was in Nam!”

...Schlangen auf Männern, Schlangen in Flammen, Schlangen auf Frauen

Das liest sich – abgesehen vom Elefanten im Raum – wie ein tolldreistes Kuriositätenkabinett, das seines Gleichen sucht und innerhalb eines gewissen Rahmens ist es das auch. Doch die deutlich erkennbare “Cut & Paste“-Struktur mit ihren wirren Einschüben, integriert einige Figuren und Ereignisse niemals richtig ins Geschehen und lässt vor allem den Mittelteil mit seinem ausgedehnten aber für die Handlung unerheblichen Pampa-Shout-Out arg durchhängen. Aufgrund der heiklen Darstellung (Seriously, I’ve had it with this motherfuckin snake cruelty on this motherfuckin movie!) will ich an dieser Stelle von jeglichen “Empfehlungen” absehen, aber hartgesottene Trashfans, die schon immer der Meinung waren, dass ’Snakes on a plane’ nur ein Kindergeburtstag in Sachen Exploitation war, kommen höchstwahrscheinlich nicht drumherum. Just remember: Don’t bother the snakes. Leave aaall the snakes alone!


Hudson