Slugs


‘They ooze. They slime. They kill.’


Originaltitel: Slugs, muerte viscosa (1988) Regie: Juan Piquer Simón Drehbuch: José Antonio Escrivá, Ron Gantman, Shaun Hutson & Juan Piquer Simón Darsteller: Michael Garfield, Kim Terry, Philip MacHale FSK: 18


Der halbtot geprügelte Hund ’Tierhorror’, der während der Siebziger und Achtziger Jahre einen Tritt nach dem anderen einstecken musste, sollte 1988 erneut einen deftigen Wemser verpasst bekommen. Diesmal waren es der spanische Regisseur Juan Piquer Simón und Produzentin Francesca DeLaurentiis (beide auch für das suboptimale ’Sirene 1’ verantwortlich), die zum Schlag ausholten. Ihr Prügel: ’Slugs - The Movie’… Schnecken - der Film. Aha.

Das sind unsere Protagonisten!

In einer amerikanischen Kleinstadt ihrer Wahl kommt es zu seltsamen Vorfällen (in Tierhorrorfilmen kommt es immer zu seltsamen Vorfällen). Menschen werden von Booten gezogen und ein Penner in seinem Haus wortwörtlich aufgefressen. Nach dem Durchzählen der möglichen Ursachen (sogar Waschbären werden in die Überlegungen mit einbezogen) beißt unserem Helden Brady eine Schnecke in den Finger. Da Schnecken ja eigentlich weder beißen, noch schnell genug sind, einen Finger zu erwischen, entsteht hier so etwas wie Klärungsbedarf. Also stöbert unser engagierter Protagonist (ein eher langweiliger Beamter vom Gesundheitsamt) ein bissel in den Akten herum und bald ist raus:

Das ist der Feind!
Das Gelände, auf dem die Schneck-Attacks stattfinden, war mal eine Giftmülldeponie (Wie jetzt? Bevor die Stadt gebaut wurde? Eine Giftmüll-Deponie der Apachen oder was?). Diese typischste aller Tierhorror-Erkenntnisse bringt den guten Brady natürlich auch nicht weiter als in diverse Büros der hohen Tiere Suburbistans. Diese halten ihn, ob seiner Behauptungen, eine Schnecken-Invasion würde bevorstehen, genauso für verrückt, wie ich die Idee, Schnecken in einen Horror-Film zu packen. Die Todesfälle häufen sich (ja, die Todesfälle häufen sich immer in derlei Streifen) und der Film steuert sowohl auf den Brutplatz der Viecher, als auch auf sein schleimiges Finale und damit auf die Erlösung des Publikums zu…

Schnecken haben es nicht leicht. Niemand kann sie leiden. Sie werden als ’eklig’ und ’unnütz’ empfunden und dienen lediglich Franzosen und Asiaten zum Verzehr. Was auch immer sie der Menschheit angetan haben, wieviele Kohlköpfe oder Spreewaldgurken sie auch schon angefressen haben mögen, das hier haben sie nicht verdient!

Die Pfanne ist eine Methode,
ihn loszuwerden...
Ob mutiert oder nicht, Schnecken als schreckliche Bedrohung auf Celluloid zu bannen ist schon peinlich genug. Dass die Macher trotzdem versuchen, die üblichen Tierhorror-Mechanismen greifen zu lassen, ist schlichtweg absurd und kann ganz grob mit dem Wort ’Humbug’ zusammengefasst werden.
Ein paar witzige Einfälle, wie die Szene, in der ein Vorstadt-Yuppie während eines Geschäftsessen von den Slugs selbst verspeist wird, zeigen zwar, dass der Film einige drastische Effekte zu bieten hat, können aber nicht über Abstinenz einer funktionierenden Dramaturgie und guter Schauspieler hinwegtäuschen. Die wirkliche Unfähigkeit der Schaupsieler ihrer Berufsbezeichnung gerecht zu werden, wird nur noch von der debilen deutschen Synchro getoppt.

“Hab ich dir nie erzählt, dass ich unter Klaustrophobie leide?“
“Siehst du, deshalb verdiene ich mehr und kann mir einen Psychater leisten.“

...Sambuca die andere.

Ich sag’s nochmal: Ein Horrorfilm, in dem Schnecken die Bedrohung darstellen sollen, lässt vielleicht einen Salatkopf mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum erschaudern. Hätte man ein wenig Ironie ins Dressing gemischt, wäre vielleicht ein Glibber-Ulk der bekloppten Art dabei herausgekommen. So ist’s nur ein Schmaddermovie ohne alles.

Hudson