Slipstream


‘From the depths of the earth. To the edge of existence... The hunt is on!’


Originaltitel: Slipstream (1989) Regie: Steven Lisberger
Drehbuch: Tony Kayden & Bill Bauer
Darsteller: Bob Peck, Mark Hamill, Bill Paxton FSK: 16


’Slipstream’ ist wieder einer dieser Filme, die ich einst inmitten der turbulenten 90er Jahre (naja… Pubertät, ansonsten eher unspektakulär) im Fernsehen entdeckte (damals konnte man hin und wieder noch Filme im TV schauen, ohne das grobe Kotzen zu bekommen) und restlos begeistert war. Zeit für einen Reality Check, 15 Jahre später.

Farmboy all grown up

Die Zukunft. Eine sogenannte Kontinentalkollision hat die Erde in eine unwirtliche Welt verwandelt. Die Atmosphäre ist hinüber, tödliche Winde fegen durch die kargen Gebirge, die Zivilisation hat sich in alle Himmelsrichtungen verstreut, haust in windgeschützten Tälern und hat sich der alten Götter wieder angenommen. Die Winde können allerdings auch für den Transport in leichten Flugzeugen genutzt werden. Auf einem Flugplatz treffen Endzeit-Marshall Tasker (Mark Hamill) und seine Partnerin Belitski, die den Androiden und angeblichen Mörder Byron (Bob Peck) im Schlepptau haben, auf den Tunichtgut Matt (Bill Paxton). Nach einer Konfrontation mit Tasker schnappt Matt diesem das wandelnde Kopfgeld unter der Nase weg und düst mit Byron in seinem Flieger von dannen. So einfach lassen sich die beiden Gesetzeshüter natürlich nicht vor die Füße spucken und nehmen die Verfolgung auf. Matt und Byron fliehen auf den Winden des Slipstream derweil von einem Refugium ins nächste und verlieren sich bald im Sinn der Reise, dem Sinn des Lebens und dem Sinn des Filmes…

Vom Kopfgeldjäger im Hitchcockpit verfolgt

“Wir geben nur vor, perfekt zu handeln und müssen uns damit begnügen, menschlich zu sein. Er hingegen versucht, als Mensch zu handeln und muss sich damit begnügen, perfekt zu sein. Leider fing unser Android irgendwann an, über das Leben von Menschen zu entscheiden.“ “Und das ist dein Job, stimmt’s?“
“Na wenigstens hat er das kapiert.“

’Slipstream’ wurde von Gary Kurtz produziert, der ein paar Jahre zuvor zwei Filmen namens ’Krieg der Sterne’ und ’Das Imperium schlägt zurück’ auf den Weg geholfen hatte. Mit ’Star Wars’ Hauptdarsteller Mark Hamill in der für ihn ungewöhnlichen Rolle eines hartärschigen Endzeit-Rangers versuchten er und ’TRON’-Regisseur Steven Lisberger einen neuen Schritt zu wagen. Der war aber aufgrund des unausgegorenen Scripts und Budget-Problemen, die aus Kurtz’ Scheidung (of all things!) resultierten, zum Stolpern verurteilt. Schon beim ersten Betrachten des Streifens (irgendwann 1993) war ich überrascht, wie kernig Mark Hamill in ’Slipstream’ wegkommt. Der zarte Bubi von einst ist hier ein echter Bad Ass und man nimmt es ihm ohne dumme Bemerkung ab.

Peck & Paxton
Bill Paxtons Charakter kommt mit einer (für seine Rollen in den Achtzigern fast typischen) ’Alter!’-Attitüde daher, was seinem größten Fan (mir) sehr sympathisch ist, leicht genervten Zeitgenossen möglicherweise jedoch gegen den Strich gehen könnte. Für jene holt Bob Peck (bekannt als Raptoren-Jockey aus ’Jurassic Park’) mit seiner fast hypnotischen Ruhe und Besonnenheit die Kastanien allerdings wieder aus dem Feuer.
In Nebenrollen sind Paxtons ’Aliens’-Co-Star Rico Ross als Kneipentourist, Ben Kingsley als dem Tode geweihter Zausel, Robbie Coltrane als badendes Doppelkinn und F. Murray Abraham als P.A.-Geschäftsmann zu sehen. Jeweils Cameos, die unachtsame Zuschauer beim Gang zum Kühlschrank verpassen könnten und auch kaum etwas zum Film beitragen. Fürs Auge gibt es dennoch einige Leckerbissen, wie die faszinierenden Landschaftsaufnahmen einiger zuweilen unwirklich erscheinenden Bergregionen Irlands und der Türkei (teilweise die gleichen Locations, die auch schon für den Trash-Kracher ’Turk Wars’ genutzt wurden). Einige der Matte Paintings und Flugaufnahmen, die durch die damals zur Verfügung stehende Tricktechnik entstanden, sehen heutzutage zwar veraltet aus, versprühen aber dieses typischen 80er Flair. Das täuscht jedoch über die auffallende Orientierungslosigkeit der Geschichte genau so wenig hinweg, wie Referenzen an ’Der unsichtbare Dritte’ und die tolle Musik von Elmer Bernstein (die übrigens schon toll war, als sie bei ’Ghostbusters’ und ’Spacehunter’* aus den Lautsprechern rauschte. Im Ernst, in Sachen ’bei sich selber klauen’ kommt Bernstein mit seinem Score hier in Hornersche Sphären.)

“Ich wette, du verlässt auch die Dusche, wenn du mal pissen musst. Richtig?“

RoboChoke - Deadly Claws of Cable Rubber

’Slipstream’ ist ein Film, den ich lieben will, aber nur mögen kann. Die zu Beginn überzeugende Atmosphäre fällt mitsamt der Handlung im letzten Drittel komplett auseinander. Der Weg dorthin ist steinig, aber mit ein paar Belohnungen für zähe Genre-Fans gestreut. Letzteren und Wiederholungstätern aus der Endzeit-Ecke empfehle ich den ’Slipstream’ als obskures Relikt einer längst vergessenen Zeit. Eine Zeit, in der… ach nee, ich war wohl fertig.


* Stichwort ’Spacehunter’: Der filmversessene Krauskopp in mir malt sich bei ’Slipstream’ aus, dass es sich in einer Paralleldimension um ein Prequel zu ’Spacehunter’ handeln könnte. Kenner von ’Jäger im All’ denken nur mal kurz drüber nach: Tasker und Belitski sind Wolf und Chalmers, Matt könnte Washington sein und mit etwas böswilliger Fantasie ginge ein fehlprogrammierter Byron vielleicht als Overdog durch. Hm, ja, okay, ist Blödsinn. Vergesst das wieder!


Hudson