Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens


‘A Perfect Place to meet young girls, might just be the perfect place to die!’


Originaltitel: Sleepaway Camp (1983) Regie: Robert Hiltzik
Darsteller: Felissa Rose, Jonathan Tiersten, Karen Fields FSK: 16


Nachdem die kleine Angela bei einem trashigen… äh sorry, tragischen Boots-Unfall ihren Vater verlor, lebt das völlig verschüchterte Mädchen bei ihrer schrillen Tante und ihrem gleichaltrigen Cousin, mit dem sie heuer ins Sommer-Ferien-Camp fährt, wo viele doofe junge Leute sind. Was nach ’Meatballs’ klingt* und mit lustigen Juxen an Nerds und anderen Randgruppen beginnt, wird bald zum Hackfleisch-Massaker, als ein rüder Camp-Teilnehmer nach dem anderen von einer hust*unbekannten Person*hust auf absurde Art und Weise gemeuchelt wird…

(* und nach ’Meatballs’ aussieht)

“Ricky, altes Haus.“
“Paul, Mensch Klasse.“
“Na, alles klar?“
“Immer die gleiche Scheiße. Das ist meine Cousine Angela.“
“Ehey, nicht schlecht!“

Okay, die ’Story im Detail’ wird euch wahrscheinlich egal sein, ihr wollt wissen, was es mit den ’absurden Kills’ auf sich hat, obwohl, wenn ich das mal einschieben darf, ’Sleepaway Camp’ tatsächlich einen reichlich hahnebüchenen, aber effektiven Twist hat, der dem Film mittlerweile so etwas wie einen minimalen Kultstatus verpasst haben dürfte. Aber okay, absurde Kills: Wie wärs mit der Szene, in der Täter X den Stuhl unter dem pädophilen Lager-Koch (“Man, soviel ungerupfte Hühnchen.“) wegzieht, woraufhin dieser bereitwillig den Riesenbottich kochenden Wassers mit sich zieht und die Küche selber als halbfertiges Suppenhuhn verlässt. Oder als Täter X ein kleines Wespennest in die Herrentoilette wirft, woraufhin einer der Camp-Jocks… aber seht selbst:

Death by Wespennest (bitte laut aussprechen!)


Wer aber denkt, jene superdoofen Kills seien die Höhepunkte des Amüsements, der irrt vermehrt. Vielmehr sind es die unendlich schlecht synchronisierten Dialoge der Marke “Ich harke noch ne Runde Heu. Willste mitkommen?“ “Wenn ich den Mais reingetan habe.“, die mich hier wortwörtlich vom Sessel haben rollen lassen. Während manche Filme einfach nur schlecht vertont oder von vornherein gleich mies geschrieben sind, gibt’s hier den doppelten Schmuh. Föhnwellen-Teenies am Rande des Nervenzusammenbruchs, muskulöse Lager-Assistenten mit Moral-Messages, ein Camp-Leiter im vorlauten Selbstzweifel und anschließender Orang Utan-Knüppel-Rage… Und wenn gerade mal keiner redet, kommt aus dem Off der stimmliche Gruppenzwang mit den Worten “Ruhe bitte! Guten Appetit.“ daher (war wohl so’ne Art Ritual… das täglich 30 Mal zelebriert wurde).

Gleiche Symptome, andere Todesursache

Die Darsteller hätten auch beim Sommercamp-Theater nur verhaltenen Applaus bekommen, sorgen aber immerhin dafür, dass alle Klischees von der Kratzbürste, über den netten Jungen, bis zum Nerd und der anderen Kratzbürste vorhanden sind. Ein paar nette Effekte gibt es auch (vor allem zum Suprise Finale) und natürlich die typischen Sommerlager-Ingredienzen, wie ein Baseball-Spiel in dem obszön bekleidete Youngsters rumlaufen und sich in jedem zweiten Satz als Arschlöcher beschuldigen, nächtliche Fummeleien, einen nächtlichen Bootsausflug (Kill inklusive) und eine Nachtwanderung. Zur perfekt recherchierten Ferienlager-Atmo fehlte hier eigentlich nur noch das Neptunfest und eine Disco-Einlage in der alle einen Fuß nach dem anderen erst links, dann rechts setzten (come on, Camp People, that was OUR DANCE!).

Könnte auf's Auge gehen, wenn er zu dolle drückt!

Leute, es darf gelacht werden. ’Sleepaway Camp’ ist so doof, wie es billich ist. Für flausköpfige Strand-Slasher-Spezis mit einem Tag am See zu vergleichen. Kasten Bier nicht vergessen!


Hudson