Sirene I

aka

U1 - Tauchfahrt des Schreckens


‘You Can't Hold your Breath & Scream at the Same Time’


Originaltitel: The Rift (1990) Regie: Juan Piquer Simón
Drehbuch: Mark Klein, David Coleman & Juan Piquer Simón
Darsteller: Jack Scalia, R. Lee Ermey, Ray Wise FSK: 16


Wer meint, dass nach dem U-Hype des Jahres 1989 (’Abyss’, ’Leviathan’, ’Deep Star Six’) erst einmal Schluss mit phantastischen Unterwasser-Epen sei, der irrt gewaltig. Ein paar Herren aus Spanien (und Francesca DeLaurentiis) meinten, die Welle unbedingt noch einmal nutzen zu müssen und tauchten erneut ab. In vielerlei Hinsicht.

Kuckt aus der Röhre...
Story: Nachdem die ’Sirene 1’, ein Prototyp des modernen U-Boots, in den Tiefen eines Meergrabens verschwand, schickt die Navy deren Erfinder Hayes (Jack Scalia) auf eine Rettungsmission. Da Hayes sich damals weigerte, an Bord des Schiffes zu bleiben, hält man ihn nun für mitschuldig am Verschwinden der ’Sirene 1’, was ihn auch die ansonsten eher lotterige Rettungs-Crew spüren lässt. Dem Sauhaufen wird Captain Philips (R. Lee Ermey) zugeteilt und die Tauchfahrt kann beginnen. Nach zähem Befehlsketten-Mumbo-Jumbo, das wohl als ’character development’ missverstanden werden soll, erfolgt ein Angriff durch eine gigantische Riesenqualle und gewaltige Algen. Als die ’Sirene 2’ die Überreste ihres Vorgängers in einer Unterwasser-Höhle findet, entpuppt sich das Szenario als genetische Versuchs-Station, in die die gesamte Crew des verlorengegangenen Subs absorbiert wurde. Nach der ersten Expedition in dieses Reich von Mutationen und gefährlichen Kreaturen werden auch Mitglieder des Rettungsteams contaminiert und das böse Sterben beginnt erneut. Mit Hilfe von Philips und der Navy-Offizierin Cowly versucht Hayes zu retten, was zu retten ist, doch in der ’Sirene 2’ hockt ein Verräter…

“Was immer es ist, es ist gewaltig!“
“Captain, es kommt näher!“
“Direkt auf uns zu!“

Schon mal gehört, den Dialog?
Ja, ca. 456 mal. Genau so oft, wie ich den (Alternativ)Titel ’U1 - Tauchfahrt des Schreckens’ Ende der 90er in TV-Zeitschriften las. Da lief der nämlich auf zweitklassigen Privatsendern rauf und runter.

... kuckt in die Röhre ...
Auch der Plot dürfte Genre-Fans vertraut vorkommen. Zum x-ten Mal wurden hier ’Alien’ und ’Aliens’ als filmische W****-Vorlage verwendet.
Die originellste Idee der Produzenten war es noch, R. Lee Ermey (der einmalige Schleifer ’Hartman’ aus ’Full Metal Jacket’) zu engagieren, denn wo Ermey herrscht ist Charisma in der Szene. Von Jack Scalia (’Tequila & Bonetti’) kann man das nur eingeschränkt behaupten, seine Frisur ist noch das beeindruckendste an ihm. Ray Wise (’Das Ding aus dem Sumpf’) glotzt den halben Film über wie ein männlicher ’Uhura’ vor dem blinkenden Schirm. Technisch ist ’U1’ ein zweischneidiges Schwert. Es ist deutlich erkennbar, dass es sich bei dem Sub um ein Modell handelt, das durch ein verziertes Spülbecken schippert. Splatter-Fans erfreuen sich hingegen an derben FX (Bein abgeknabbert, Kopf explodiert, Algen-Ätz, Blusenzittern) und Trash-Jockeys (für die der Film wahrscheinlich am ehesten akzeptabel ist) ergötzen sich an Gummi-Monstern, die von schleimigen Fliegen-Larven, über holprige Caprona-Leguane und Mutations-Föten bis hin zu einer Version der ’schreienden Aale’ aus ’Die Braut des Prinzen’ reichen.

... röhrt auch gerne.

’Was immer es war, es war gewaltig unbeeindruckend und es ging direkt durch mich durch.’ ’High Water Mark’ dieser Genre-Nische ist und bleibt ’The Abyss’. Der Preis für den grottigsten ’Verseuch-Mission’-Trasher geht nach wie vor an Bruno Matteis ’Contaminator’. Irgendwo dazwischen verschwindet die ’Sirene I’ im pissgelben Wasser der Unterdurchschnittlichkeit.

Hudson