Sindbads 7. Reise


‘8th Wonder of the Screen!’


Originaltitel: The 7th Voyage of Sinbad (1958)
Regie: Nathan Juran Drehbuch: Ray Harryhausen & Ken Kolb
Darsteller: Kerwin Mathews, Kathryn Grant, Torin Thatcher FSK: 12


Weihnachten 1991. Noch 5 Minuten, dann müssen wir zur Kirche. Aber da läuft dieser Film im Feiertagsprogramm und er nötigt mir jegliche Aufmerksamkeit ab. Geschichten von 1001 Nacht. Sindbad, der Seefahrer, Zyklopen, eine Schlangenfrau, Riesenvögel, ein knuffiger Geist aus der Lampe, schwertschwingende Skelette und der gemeine Magier Sokurah.
Das war meine Kirche!
Aber als 13-jähriger hat man nicht viel zu sagen und so blieb mir der komplette Genuss versagt. Eine Unannehmlichkeit, die ich in den darauffolgenden Jahren mehr als einmal wieder gut machte.

Kampf der Titanen

Story:
Sindbad (Kerwin Matthews) ist mit der jungen Prinzessin Parisa auf dem Weg nach Bagdad, wo ihre Hochzeit stattfinden soll. Der Sultan Bagdads und der Vater Parisas hatten in vergangenen Zeiten nicht unbedingt das freundlichste Verhältnis und so soll die Ehe auch den Frieden zwischen beiden Ländern sichern. Auf der Seereise zum Hochzeitshafen werden den Herrschaften jedoch die Nahrungsmittel und das Trinkwasser knapp und sie müssen auf der geheimnisvollen Insel Kolossa anlegen. Dort begegnen sie dem Magier Sokurah (Torin Thatcher), der auf der Flucht vor einem gigantischen Zyklopen ist, welchem er eine magische Lampe entwendet hat. Die Mannschaft kann mit dem Magier zwar von der Insel fliehen, doch bleibt die Lampe im Besitz des Zyklopen, was Sokurah fuchsteufelswild macht.

Tanz der Arme
Mit allen Mitteln versucht er den legendären Seefahrer zu überzeugen, nach Kolossa zurückzukehren, doch Sindbad lässt sich nicht auf die Verlockungen des zwielichtigen Mannes ein. In Bagdad angekommen versucht sich Sokurah in die Gunst des Kalifen einzutricksen, doch stößt er auch dort auf taube Ohren. Mittels faulen Zaubers weiß sich der hinterlistige Glatzkopf aber zu helfen: Er verzaubert Parisa in ein Minimädchen, erzürnt somit ihren Vater, zettelt also ein Krise an, deren Ausgang großes Leid über alle bringen würde. Sein Plan, Sindbad auf diese Weise erneut nach Kolossa zu locken (da sich nur dort das Heilmittel gegen die Minimitis befindet) geht auf. Im Angesicht der Gefahr lässt der Held alles stehen und liegen, schnappt sich Mini-Parisa, Sokurah, seine besten Männer und eine handvoll freiwilliger Halunken aus dem örtlichen Herrenknast und macht sich auf zur Insel der 1001 Gefahren…

1958, zu Zeiten als sich der ’Westen’ mit der ’Roten Gefahr’ plagte und und man noch sorglos den Schriftzug ’Bagdad’ über die bewegten Bilder packen konnte, zauberte Effekt-Spezialist Ray Harryhausens seine Magie erstmals in Farbe!

Gefecht der Knochen
Hatte er sich bis dahin noch auf riesige Ungetüme oder fliegende Untertassen und deren Angriffe auf die Zivilisation ’beschränkt’, kannte sein Schaffen hier keine Grenzen mehr. Die Mythologie von ’1001 Nacht’ war ein perfekter Spielplatz für seine Kreaturen und der Meister tobte sich dementsprechen auch aus. Die Biester sind fantastisch modelliert, animiert und inszeniert. Mehr noch, sie haben Charakter. So ist der Zyklop eine wahrlich bestialische Figur, die sich selbst (beinahe) erwürgende Schlangenfrau ein unglaublicher Kinderschreck; und all jene, die glauben, dass die Sache mit den schwertschwingenden Skeletten aus ’Jason und die Argonauten’ stammt, seien eines Besseren belehrt. Sindbad war zuerst da!
Regisseur Nathan Yuram, der vorher ’Die Bestie aus dem Weltenraum’, später ’Die erste Fahrt zum Mond’ (beide mit Unterstützung von Harryhausen) und auch den spaßigen ’Herrscher von Cornwall’ (ebenfalls mit ’Sindbad’ Matthews und ’Sokurah’ Thatcher) inszenierte, verdient mindestens genau so viel Anerkennung, wie sein ungleich populärer Effekt-Mann.

Duell der Gesinnungen
Auch die Schauspieler geben erstklassige Leistungen zum Besten. Kerwin Matthews, der 2 Jahre später auch als ’Herr der 3 Welten’ unterwegs war, versprüht kannenweise Charme in der Rolle des sagenhaften Titelhelden und Kathryn Grant ist bezaubernd als ’orientalische’ Prinzessin. Besonderes Augenmerk muss allerdings auf Torin Thatcher als verschlagenem Zauberer Sokurah liegen. Der Mann ist vom Fach und leistet Großes. Auf ihn trifft dieser alte, oft dämlich klingende, aber hier absolut treffende Spruch “Von dieser Art gibt es sie heute nicht mehr.“ genauso zu, wie auf den Film an sich.
’Sindbads 7. Reise’ ist ein Meilenstein unter den Trick-Abenteuern. Fantasievoll, farbenprächtig und mit dieser magischer Anziehungskraft gesegnet, die man sonst nur bei seinen Lieblingsfilmen findet.


Hudson