Silk


‘When the heat's on no one's smoother than ....’


Originaltitel: Silk (1986) Regie: Cirio H. Santiago
Drehbuch: Frederick Bailey & Cirio H. Santiago
Darsteller: Cec Verrell, Bill McLaughlin, Joe Mari Avellana FSK: 18


SILK!
Lalalalalalarooouuuund
SILK!
Lalalalalalagrooouuund
You never get away from SIIIIIIIIIIILK!

Was ich da zusammenzustammeln versuche, ist der Titelsong, der gleich zu Beginn von ’Silk’ auf genretypisches Filipino-B-Action-Kino hindeutet. Ihr habt doch nicht erwartet, dass ein Film über eine hartärschige Power-Ische mit Seagal-Frisur, dicker Wumme im Anschlag und einsilbigem Spitznamen keinen Themesong hat, in dem zwischen undeutlich gesungenen Zeilen immer wieder der Titel heiser herausgeschmettert wird? Can you dig it?

"Wir sind nicht mehr in Vietnam, merk dir das!"

SILK!
Silk ist eine taffe Polizistin, heißt eigentlich anders und wird von Cec Verrell gespielt, die schon in ’The Hunter’ und ’Alien Transformations’ ähnliches Bad Ass-Weibertum zum Besten gab. Wenn die Haare nicht streng zurückgegelt sind, trägt sie eine dieser unglaublich obszönen Bubikopf-Minipli-Mischen, die bis in die frühen Neunziger modern waren. Das allerdings nur, wenn man Silk als ’attraktiv weiblich’ darstellen will, quasi als Extra-Schicht Charaktertiefe, denn im Drehbuch konnte Co-Autor, Regisseur und Filipino-Legende Cirio H. Santiago derlei Finessen nicht unterbringen. Herb männlich dreinschauen tut Silk trotzdem ununterbrochen.
Bisher hab ich’s vermieden, die Story zu erwähnen und das aus gutem Grund. Es gibt nämlich fast keine. Nur eine dieser Plot-Ausreden, die man formschön in Haikus zusammenfassen kann.

Böse Drogenhändler -
ihren Machenschaften wird durch Silk
ein Ende gesetzt

HOODLUM!
Sorry, das war improvisiert, fasst die Situation im Großen und Ganzen jedoch zusammen. Zwei bärtige Vietnam-Vets im Mordrausch und interne Angelegenheiten spielen auch noch eine Rolle. Wichtig ist nur: Gewalt trifft auf Gegengewalt, die Wirkung ist gelegentlich präsent, Ursachen interessieren keinen. Dass der Film vor allem im Mittelteil einen gewaltigen Hänger hat und es zwischendurch immer wieder zu Recherche-Längen und Füller-Szenen kommt, ist ärgerlich. Filme wie ’Silk’ sollten meines Erachtens das halten, was Cover und Titelsong versprechen.

"Sagen sie Kindchen, warum nennt man sie Silk?"
"Weil ich mit seidenen Fingern Ratten töte."

Laut imdb.com schleicht hier auch irgendwo Mike Monty herum, jedoch konnte ich ihn nirgends ausmachen. Noch so ein großer Fehler. Hätte man dem alten Haudegen eine größere Rolle vermittelt, beispielsweise als Bandenchef oder Polizeiinspektor, könnte ’Silk’ zumindest an die "Was? Mike Monty, der Sarge aus jedem zweiten Vietnam-Schinken spielt mit? Wo soll ich unterschreiben!?"-Zielgruppe verkauft werden.

'SPLOSION!

Aber schleichen wir nicht um den heißen Brei herum: ’Silk’ wird durch Spekulationen auch nicht besser, bleibt Actiongülle und transusiges Plot-Vakuum zum Einheitsbrei vermengt und gehört zurück in die staubige Kiste, aus der er kam.


Hudson