Silent Hill


‘We've been expecting you.’


Originaltitel: Silent Hill (2006) Regie: Christophe Gans
Drehbuch: Roger Avary
Darsteller: Radha Mitchell, Laurie Holden, Sean Bean FSK: 16


Die Geschichte von Horrorfilmen und mir ist eine Geschichte voller Unannehmlichkeiten. Beginnend in den frühen 90ern war ich unwilliger Teilnehmer der Horrorfilmeskapaden meiner Familie, musste mir von Stephen King eine Clownophobie andrehen lassen, mehr zusammengekreischten Dezibel lauschen, als man selbst als Anrainer der A100 akkumulieren kann und zu guter Letzt und ungefähr eine Dekade später, meine Zimmerpflanzen eines Mordkomplotts verdächtigen. Nein, erfreulich ist unsere gemeinsame Geschichte nicht. Wie schön, wenn man angenehm überrascht wird!

Welcome

Silent Hill ist 2006 nach den erfolgreichen Survivalhorror-Spielen von Konami in die Kinos gekommen, die anno dazumal durch ihre einfachen aber effektiven Methoden und grotesken Monster in der Szene Aufsehen erregten. Dreh- und Angelpunkt der Spiele ist das kleine Städtchen Silent Hill, das wohl auf einem besonderen "Höllenmedian" liegt und in dem sich natürlich auch die Ereignisse des Films abspielen.

Das Ehepaar Christopher und Rose Da Silva (Sean Bean und Radha Mitchell) sorgen sich um ihre Adoptivtochter Sharon (Jodelle Ferland). Die Kleine leidet am „Standardpaket für Besessene": Schlafwandeln, gruslige Dinge zeichnen und sich später an Nichts erinnern – und weder Medikamente noch Besuche beim Psychiater verbessern die Situation. Nachdem das Töchterchen wieder einmal mitten in der Nacht abhanden gekommen ist und, beim Auffinden, Mutter Rose bar aller Sinne sehr laut und sehr deutlich „Silent Hill" ins Ohr brüllt, beschließt das Mütterchen, Kind und Koffer zu packen und Ursachenforschung zu betreiben.

Sind so kleine Hände...

Silent Hill, so erfährt man, ist ein Städtchen, das durch einen verheerenden Brand unbewohnbar geworden ist, weil noch immer Kohlefeuer unter der Stadt wüten und die austretenden Gase lebensgefährlich sind. Aber Rose wäre nicht Rose, wenn sie nicht auch eine gehörige Portion Dickschädel besäße und sich durch die Warnungen aus einschlägigen Webseiten, von Eingeborenen und sogar einer diensteifrigen Polizistin (Laurie Holden) abhalten ließe. So kommt es zu einer eher szenischen als atemberaubenden Verfolgungsfahrt, die am Ortseingang Silent Hills ein abruptes Ende findet, als Rose einer Passantin ausweicht, einen Unfall verursacht und das Bewusstsein verliert. Als sie Stunden später wieder zu sich kommt findet sie sich in der nebelverhangenen Stadt wieder und Sharons Sitz neben sich im Auto leer. Von dem Mädchen fehlt jede Spur.

Was nun folgt ist eine Suche, die Rose immer weiter in die Stadt und ihre Abgründe führt. Bald bevölkern sich die ausgestorbenen Straßen mit grotesken Gestalten und wirren Leuten, wird Rose von Monstern verfolgt und wird sie immer und immer wieder zu Lebensstationen eines Mädchens gelockt, das vor Jahren Schreckliches in Silent Hill durchmachte und ihrer eigenen Tochter zum Verwechseln ähnlich sieht. Dabei baut sich der Horror des Filmes nicht aus aneinander gereihten Schockmomenten auf, sondern folgt dem Vorbild der Spiele mit einer durchgängigen Spannungserhöhung.


Nachtschicht

Schließlich findet Rose zu ihrer Tochter und die ganze Geschichte endet in einem Blutbad biblischen Ausmaßes, wobei „biblisch“ den Nagel auf den Kopf trifft, denn zum illustren Kreise der Akteure gehören nicht nur die Anhänger einer Sekte, deren Methoden zu Magenverstimmung führen, sondern auch ein Dämon und eine verlorene Seele, deren einziges Sehnen Rache ist und wenn sich, wieder einmal, die Realität in Ascheflocken auflöst und der Boden unter Rose verschwindet, sieht man die Kohlefeuer unter der Stadt, die nur die schwelenden Feuer der Hölle sein können.

Filmisch und musikalisch greift der Film Themen aus den Spielen auf, was aber keinesfalls als Nachteil verstanden werden soll, denn immerhin trugen diese zur unvergleichlichen Atmosphäre der Spiele bei und entfalten auch hier ihren ganzen, äh, Charme. Kennern läuft ein angenehmer Schauer über den Rücken, wenn die Sirene erklingt oder das abgewandelte main-theme der Serie zu hören ist. Wo der Film seine Grundlage eindeutig überbieten kann sind natürlich die gelungenen visuellen Effekte - zum Glück sind sie aber nicht das einzige Vorzeigeattribut. Der kleine Cast ist angenehm und spielt exzellent, die Musik ist einfach toll, und dass der Plot im Wesentlichen von Frauenfiguren getragen wird stellt, meiner Meinung nach, einen großen Vorteil des Filmes dar. Dabei werden Klischees größtenteils vermieden oder ins Positive umgekehrt.

The abominable Pyramid Head

Alles in Allem ist Silent Hill ein sehenswerter Film gerade für Freunde des gemäßigten Horrors und des Schreckens, der aus menschlichen Beziehungen entsteht. Der Film bietet gleichermaßen was fürs Auge, fürs Hirn und für die Gänsehaut.


Die Goblinmatrone