Die sieben goldenen Vampire


‘From Hammer Horror! Dragon Thrills! The First Kung Fu Horror Spectacular!’


Originaltitel: The Legend of the 7 Golden Vampires (1974)
Regie: Roy Ward Baker Drehbuch: Don Houghton
Darsteller: Peter Cushing, David Chiang, Julie Ege FSK: 16


Was les ich da im Vorspann?
A Hammer/Shaw Production? Kann es denn sein?
Ja, so ist es! Die altehrwürdigen Hammer Studios von der Insel und (’Dracula jagt Mini-Mädchen’, ’Bestien lauern vor Carracas’) die Martial-Arts verrückten Shaw Bros. (’Das Blut der roten Python’) von der anderen Insel (weiter östlich) vereinten ihre Kräfte und schufen einen abgedrehten Genre-Mix aus bewährtem Stoff ihrer jeweiligen Franchises.
Ergo: Kung Fu Vampires!

Aaaaaaaaaaaaaahhhhhhhh...

Ein chinesischer Dunkel-Priester schleicht durch Transylvanien. Seine Mission: Den Kreis der ’Sieben Goldenen Vampire’ zu erneuern, deren Leithammel er einst war (einer der saugfähigen Herren wurde nämlich kürzlich von einem gemeinen Bauerntrampel getötet). Hilfesuchend wendet er sich an die Eminenz der Nacht, den Fürsten des Hämoglobins, den größten Abnehmer lokaler Sarg-Schreiner, Dracula persönlich.
Um sich an der Menschheit zu rächen, willigt der Graf ein, übernimmt den Körper des Besuchers und macht sich auf den Weg nach China, die ’Sieben Goldenen Vampire’ wiederzuerwecken.
Derweil in Chung King, China, 1904:

"Meine imperiale Vergangenheit soll hier nicht
das Thema sein, meine Damen und Herren!"

Prof. Dr. Med. Abraham Van Helsing (Peter Cushing, wer sonst) erzählt hiesigen Studenten (als Vorlesungen getarnte) Gruselgeschichten zu seinem Lieblingsthema ’Vampyre’. Es dauert nicht lange bis er selbst in eine weitere Geister-Mär hineingezogen wird. Die Bewohner eben jenes Dorfes, dass jedes Jahr zum siebten Mond von den ’Sieben Güldenen Vampyren’ überfallen wird, heuert Van Helsing an, sie gegen die Monstren zu beschützen und dem Fluch ein Ende zu bereiten…

“Wir gehen in der richtigen Richtung. Ich bin mir dessen ganz sicher.“
“Woher weißt du das, Vater!“
“Instinkt vielleicht. Dies ’Hier bin ich schon einmal gewesen.’-Gefühl. Etwas, das man nie im Leben gesehn hat und trotzdem in jeder Einzelheit kennt.“


Shocking Asia!

Ohne jetzt gemein zu klingen, denn ich weiß die Vorzüge beider Produktions-Parteien durchaus zu schätzen, aber genau dieses Gefühl beschlich auch mich während des Films. Denn für ein Treffen der beiden fehlt einfach das gewisse Etwas, das wir noch nicht woanders gesehen haben. Gerade die ersten Kämpfe gestalten sich nach ein und demselben Schema, sind allerdings nett anzusehen. Die finale Attacke auf das Dorf macht da einiges wieder gut.
Wie sehr oft bei dieser Art von Film kommt auch der unfreiwillige Humor nicht zu kurz. So ist Cushings Van Helsing (zuweilen im ’Eddie-Arent-Safari-Dress’ unterwegs) dieses mal in Begleitung seines Sohnes und einer schwedischen, schwerreichen… pardon ’swedissen, swerreissen’ Blondine (die deutsche Synchro-Mannschaft glaubte wohl, Schweden hätten eine Zischlaute-Sperre, Besipiel: “Is sehne miss nach einem Bad.“). Oder als Van Helsing eine ’güldene Fledermaus’ als Beweis für die Existenz der Vampire dargeboten wird und die Musik diese Szene dramatisch untermalt, als hätte es 13 geschlagen.

Shocking Asia 2 - The Shock is on

Ansonsten bekommt man optisch und musikalisch das geboten, was man gewohnt ist. Heißt: Atmosphärisch illuminierte, schädelköppige Vampire krauchen aus modrigen Gräbern, dazu fidelt ein morbider Stehgeiger seine Todesmelodie. Die grottigen Masken, die sich beim Ableben der Vampire in staubige Badekappen verwandeln, sind ein weiterer Spatenstich ins unentrinnbare Reich der B-Gemäuer.
Zu Schade, dass Chris Lee (nachdem er das Drehbuch gelesen hatte) dankend ablehnte.

“Iss weiß. Iss muss raus aus Chung King.“


Lord Winterbottom und sein treues Weib Eusebia.

Entgegen meinen Erwartungen hat mich der Film leider nicht wirklich von den Socken gehauen. Das sollte Fans von ’Blood & Tits, Bambusspeeren & Mistgabeln, Kung Fu & Cushing’ aber nicht weiter stören. Zieht’s euch rein, meinen Segen habt ihr.

Hudson