Shocking Heavy Metal


‘The mountains echoed with the screams of terror.’


Originaltitel: Blood Tracks (1985)
Regie: Mats Helge & Derek Ford Drehbuch: Mats Helge & Anna Wolf
Darsteller: Jeff Harding, Michael Fitzpatrick, Naomi Kaneda FSK: 18


Es gibt Filme, deren Einfallslosigkeit ist kaum zu fassen.
Dreisterweise brüsten sich solche Machwerke dann auch noch mit frivolen Titeln wie ’Shocking Heavy Metal’, zeigen Cover, bei deren Anblick Trash-Fans das Herzelein überspringt und Backcover-Pics, die Mord & Totschlag, Rock & Roll, Tits & Asses versprechen. Doch was wir letztlich bekommen ist null, nüschts, nada… Jack Shit.

Lebt denn die alte Rocktunte noch, Rocktunte noch...

Nur ein paar tuckige Spray-Rock-Veteranen, angeblich die heisseste Hardrock-Band ihrer Zeit, deren Videodreh von ein paar Moosfressen-Hillbillies auf’s Blutigste unterbrochen wird…
Ja gut, ich gebe zu, die Idee ist zwar bekloppt, aber ausbaufähig. Doch was tun, wenn es in punkto ’Fähigkeit’ bei allen Beteiligten hapert? Man tut nur so tun. Man tut ’Shocking Heavy Metal’. Aber kommen wir zuerst nochmal zu Plot und Figuren.
Achtung: Backcover-Zitat (ihr wisst, was das bedeutet): “SOLID GOLD das ist 100% Action! Das ist Amerikas erfolgreichste und ausgeflippteste Hardrock-Band. Sie machen die beste Show, die härteste Musik und die schärfsten
Videoclips.“

... jaaaa, sie lebt noch.
Aber nicht mehr lange!
Dass ich nicht lache. Allein diese Schmink-Schwuppen als Rock-Stars zu bezeichnen, ist eine Beleidigung für alle echten Rocker. Ihr Musikstil ist irgendwo zwischen kuschelweich und lavendel und wie sie in dicken Fellboots da lustig den schneeverhangenen Berg hinabhüpfen hat die Schärfe einer Milchspeise.
Ja, ich weiß. Mömömö. Man sollte nicht auf den Schwachsinn im Backcover-Text achten. Aber hey, man schreibt bei einer ’Manowar’-Scheibedoch auch nicht “Heavy Holz“ hinten drauf.
Dann die Hillbillies. Diese blutrünstigen Akne-Opfer. Warum wollen sie die doofen Rocker umbringen (von den offensichtlichen, eben genannten Gründen mal abgesehen)? Was sind das für Monster?
Nun, der Vorspan erklärt’s: Es sind arme Kinder eines cholerischen Säufers, der ihnen und ihrer Mutter das letzte Haushaltsgeld aus der Börse soff und schließlich von Mom erdolcht wurde. Sie leben nun in den verschneiten Bergen, bei den sieben Fruchtzwergen. Aber wie lange reichen schon sieben Fruchtzwerge, wenn man hungrig ist? Genau, gerade mal eine halbe Stunde.

Hüpfburg of Doom
Spätestens jetzt hätt ich mich ins Tal zurückgezogen, oder hätte einfach irgendeinem Richter erzählt, dass der Olle auf das Messer gefallen ist oder sonstwas. Aber nein, Mutter Courage bleibt oben auf dem unwirtlichen Gipfel am Arsch der Welt und lebt bis dato “... in Frieden…“. Warum die Sippe verunstaltete Fratzen hat, als wären sie Freddy Krügers leibhaftige Blagen, kann vielleicht ein Biologe erklären. Wie sie all die Jahre “…in Frieden…“ (will sagen: ohne Kannibalismus) überlebt haben, weiß womöglich ein Ernährungswissenschaftler.
Was ich weiß, ist: Der Film ist Tinnef. Und zwar die Art, die auch kein Trödelladen mehr los wird. Nicht mal für Umme. Klar gibt’s einige herzhafte Gorereien, doch die Unfähigkeit der Macher, das nervtötende Getue der Darsteller und die furchtbare Musik sind zuviel des Guten. Der Rest geht im allgegenwärtigen Grunzen und Kreischen unter.

“Sie haben es nicht anders verdient. Sieh dir ihre Frauen an! Sie sind böse.“

Shocking Heavy Metal? Weder noch!


Hudson