Shocker


‘Mass murderer Horace pinker was put to death. Then he really got mad.’


Originaltitel: Shocker (1989) Regie & Drehbuch: Wes Craven
Darsteller: Michael Murphy, Peter Berg, Mitch Pileggi FSK: 18


Wes Craven, thy middlename is Hit’n’Miss.
’The Hills Have Eyes’ vs. ’Night Kill’, ’Nightmare’ vs. ’Im Todestal der Wölfe’, ’Das Haus der Vergessenen’ vs. ’Chiller’, ’New Nightmare’ vs. ’Vampire in Brooklyn’, ’Red Eye’ vs. ’Verflucht’. Koks vs. Kaka.

"Manchmal zweifle ich an ihrem Engagement für Sparkle Motion!"

’Shocker’ ist irgendwo mittendrin, jedenfalls wenn man den Qualitätsstandard meint. Thematisch klaut der Meister hier bei sich selbst, Kollege Raimi und einigen anderen Ideengebern der Achtziger Jahre. Aber Klau an sich ist meist halb so wild, so lange die Macher sich an die erste Genfer Unterhaltungsrichtlinie halten: Langweile das Publikum nicht! Craven weiß das, Craven liefert Rasanz. Wenn auch zu Lasten der Substanz.

Der Peter, der Berg!
Die Story handelt von dem wahnsinnigen Serienmörder Horace Pinker (Mitch Pileggi, ’Akte X’), der meuchelnd durch die Vorstadt pilgert und schließlich Frau und Tochter von Cop Parker erwischt. Zeitlich passend zum Plot bekommt dessen Adoptivsohn Jonathan (Peter Berg, ’Emergency Room’) auf einmal Alpträume, welche die Verbrechen Pinkers in grausamen Details schildern. Daddy glaubt dem Jungen zunächst kein Wort, doch nach blutiger Ermittlung unter Anleitung von Johnnys zweitem Gesicht ist der Killer gefasst, auf den Stuhl geschnallt und exekutiert. Denken zumindest die Hinterbliebenen. Aber Pinker hat sich im Knast mittels elektrischem Strom abgehärtet und einen Pakt mit dem Teufel aus der Glotze abgeschlossen. Als Geist switcht er nun unter den Lebenden umher, beseelt nach dem Gedanken auf Rache und all den zuckersüßen Kollateralschäden auf dem Weg dorthin…

Heather Langenkamp called. She wants her EVERYTHING back.

Mit der Bodyswitch-Thematik kitzelt Craven einiges aus seinem Film heraus. Wenn der Killer vom Jogger zur Kindergartengöre, dann weiter zum Bauarbeiter springt und sich durchgehend daneben benimmt, ist Spaß vorprogrammiert.
Die fantasievoll sadistischen Gimmicks des Irren und Pileggis Performance erinnern arg an Cravens eigenen Kulthutständer Freddy Krueger (allerdings die spätere Kichi-Version). Dementsprechend ist die Stimmung (trotz dramatischer Blutbäder) weniger bedrückend, als hysterisch brutal.

Knock, knock,
that's the sound of da police
Auch Peter Berg (der mittlerweile in Hollywood als Blockbuster-Regisseur unterwegs ist) muss (den ’Nightmare’-Helden nicht unähnlich) in Träumen agieren und wird von den Geistern der Verstorbenen heimgesucht. Den perplexen Jugendlichen mit undurchsichtiger Herkunft kann er dem Publikum mit Ach und Krach verkaufen.
Bedenkt man den 40-minütigen "Prolog" (möchte man den Weg zur Genesis des Elektrokillers denn so nennen) und das antiklimaktische letzte Drittel, besitzt ’Shocker’ einen beinahe episodischen Charakter. Wenn die beiden Antagonisten im Finale sich durch das Fernsehprogramm prügeln, ist der Film plötzlich bei der Horrorkomödie angelangt, was dem Zuschauer im besten Fall ein ’WTF?!’ herauskitzelt, ihn im schlechtesten Fall komplett aus dem Plan wirft. Und überhaupt: Warum eine dermaßen witzige Idee aus dem Ärmel schütteln, wenn man das Rambazamba dann doch nur wieder mit dem schnöden ’Faustkampf Gut gegen Böse’ beendet. Der Craven von ’Nightmare on Elm Street’ hätte sich etwas Besseres einfallen lassen. Etwas, das dieses zuweilen tatsächlich unterhaltsame Kuddelmuddel von einem Film in ein stimmiges Komplettpaket verwandelt hätte. Da hat ihm wohl der Craven aus dem ’Todestal der Wölfe’ dazwischengefunkt.


Hudson