Sheena – Königin des Dschungels


" Part Animal. Part Legend. All Woman."


Originaltitel: Sheena (1984)
Regie: John Guillerman Drehhbuch: David Newman
Darsteller: Tanya Roberts, Ted Wass, Elizabeth of Toro FSK: 12


Nach ’Tarzan’ und ’Mowgli’ kommt jetzt ’Sheena’, die blonde Liane-Sahne-Schnitte, aus dem afrikanischen Dschungel.

Der Film beginnt, als die noch kleine Blondine mit ihren Eltern ins tiefe Afrika reist. Die beiden Wissenschaftler sind dort auf der Suche nach dem ’Heiligen Sand’, der angeblich heilende Kräfte besitzen soll. Leider nützt ihnen dieser auch nix mehr, als sie in einer Felsgrotte zu Tode kommen, nachdem diese in sich zusammenbricht.
Die Shamanin der eingeborenen Sambuli (gespielt von Elizabeth von Toro, einer echten Königin) findet das kleine weisse Mädchen, brabbelt etwas von einer Propehzeiung und verlautbart: „Du bist Sheena, Königin des Dschungels.“

Sheena is a Punk-Rocker!
So wird die Kleine von ihr aufgezogen und mit den Riten des Dschungels und Ritten auf Zebras vertraut gemacht. Während der darauffolgenden Credit-Szene sehen wir die zur Frau gereifte Sheena (Tanya Roberts) dann auch auf ihrem Zebra reiten, das heisst, wir sehen Sheenas Oberkörper, wie er auf und ab wippt…ca. 1 ½ Minuten lang.
Dann geht die Shamanin in die Stadt, um irgendwelche Subventionen für den Stamm zu beantragen, weswegen sie sich an den Köniog wenden will.. Den wollen aber auch ein paar fiese Attentäter treffen, und zwar mitten ins Herz, was ihnen auch gelingt. Der Königsmord wird der Shamanin in die Schuhe geschoben (Naja, sie trägt eigentlich gar keine.) Zwei Reporter (ein Dicker und einer mit der Synchronstimme von Mel Gibson, nur damit ihr wisst, welcher von beiden Sheenas zukünftiger Love-Interest ist) kriegen jedoch die fingierte Aktion spitz und wollen gerade investigativ loslegen, als plötzlich Sheena aus dem Busch geritten kommt. Die Dschungelkönigin, deren Nippel beim Zebra-Galopp auch mal aus der Bluse hüpfen, hat auch gleich die halbe Urwald-Fauna im Anhang. Und so wird die Schamanin von Dumbo, Cheetah und Sheena erst mal aus dem Gefängnis befreit. Leider stirbt die weise Frau aber kurz darauf und während sie Sheena noch ein paar letzte kluge Worte ins Ohr nuschelt, gräbt Dumbo mit seinem Rüssel, zwei Meter daneben, schon das Grab für sie (!)…nett von ihm.
Der böse Oberverschwörer heuert einen Haufen wilder Sölner-Rambos an und los geht sie, die Hatz auf die depperten Reporter und die grünäugige Sheena. Und wenn sie schon mal Mann und Material dabei haben, können sie ja auch gleich den ganzen Stamm der Sambuli ausrotten…

Das also meinte Elton John mit ’Circle of Life’: Nacktbaden, Spuren lesen und noch mehr Nacktbaden. Der Zuschauer lernt viel über Afrika: In der Savanne hängen überall Lianen rum, mit deren Hilfe man sich fortbewegen kann und spätestens jetzt weiss auch der letzte, dass Zebras wiehern und aussehen wie angemalte Pferde.

"Auch du, Brutus?"
Der Film hat Goofs und Fehler, wo er nur welche haben kann. Prominentestes Beispiel ist die Flamingo Attacke (!) auf einen Hubschrauber, in dem die gekidnappte Sheena gegen die fiese Gemahlin des Verschwörers kämpftt. Letztere ist eine Schwarze, die Khakli-Shorts und ein olivgrünes Shirt trägt. Nachdem sie aber aus dem Heli in die Tiefe plumpst, sieht man eine bleiche, blonde Schaufensterpuppe, in einem weissen Kleid fallen. Ein Brüller!
Neben solchen Filmfehlern gibt es Peinlichkeiten und Schrott en masse. So kann sich Sheena später natürlich durch einen Sprung in die Baumwipfel retten (klar, bei einem Nuklearschlag brauch man sich auch nur richtig abrollen!), wo schon wieder eine Liane auf sie wartet, mit der sie sich direkt zu ihrem Dorf schwingt. Dort steht sie breitbeinig vor ihremVolk, streckt die gefesselten Arme in die Luft und schreit „Seht ihr, selbst in Ketten können sie uns nicht besiegen.“ Hui…
Dabei hat der Film machmal tatsächlich gewollt witzige Dialoge zu bieten („Zieh diese komischen Felle aus, die du da anhast. Von welchem Tier stammen die?“ „Von der wilden Seidenraupe, die arbeitet bei Bloomingdales!“) und die Naturaufnahmen Afrikas sind wunderschön (die hätte man wahrscheinlich auch nicht verhunzen können).
Als man zum Ende hin denkt; ’Nu isses wohl vorbei!’ geht dann doch nochmal die Action-Orgel los und es wird für die 12er FSK ganz schön brutal: Speer durch Hals, viel Maschinengewehr-Geknatter, sogar Flammenwerfer-Action und ’Dumbo vs. Armyjeep’. Na geht doch. Trotzdem kann dieses ’Zulu Dawn meets Kampf um Endor’ Finale den Film nicht mehr aus der Unterdurchschnittlichkeit retten.
Regisseur John Guillerman, der neben ’Tod auf dem Nil’ und ’Flammendes Inferno’ auch schon für zwei ’Tarzan’ und zwei ’King Kong’- Filme verantwortlich war, hat sich und dem Publikum mit ’Sheena’ keinen Gefallen getan. Die schauspielerischen Leistungen lassen ebenso zu wünschen übrig, wie der Plot, der größtenteils aus Versatzstücken von ’Tarzan’ und dem ’Dschungelbuch’ besteht.

"Ey, habt ihr mal 'ne Nuss?"

Nur für Fans von Tanya Roberts (Brüsten) und alle, die nichts dagegen haben, wenn die Story eines Films aus der Luft gegriffen ist … wie die etlichen Lianan in ’Sheena’.

Hudson