Der weiße Hai in Venedig


‘Das Meer ist nicht genug’


Originaltitel: Shark in Venice (2008) Regie: Danny Lerner
Drehbuch: Danny Lerner & Les Weldon
Darsteller: Stephen Baldwin, Vanessa Johansson, Hilda van der Meulen FSK: 16


“Ich habe gehört, dass sie über Haie reden. Wir haben keine Haie in Venedig, capiché?“

Really?

Nu Image ist einen langen Weg gegangen. Von teils unterhaltsamen ('Spiders') und teils furchtbaren ('Rats - Mörderische Brut') CG-lastigen Trash-Horrorstreifen und Creature Features, bis hin zu Mainstream Produktionen (wie Stallones 'John Rambo' und 'The Expendables') sollte man meinen, dass die Produzenten Avi und Danny Lerner etwas gelernt haben (no pun intended). Sieht man sich diesen 2008 gedrehten TV-Film, mit dem schönen Originaltitel 'Shark in Venice' an, fragt man sich allerdings, was genau das gewesen sein kann. Regie führt Produzent Danny Lerner - und hey, der hat immerhin schon Erfahrung mit Haien, hat er doch vorher bereits 'Shark Zone' und 'Raging Sharks' gedreht! Warum dann nicht den Hai-Horror nach Venedig verfrachten - das gab's ja immerhin noch nicht.

Hallo Leute, ich bin's, euer Sharky!
Uni-Professor David Franks (der billigste Baldwin, den sie kriegen konnten) reist nach Venedig, um den Tod seines Vaters aufzuklären. Dieser wurde angeblich von einer Schiffsschraube zerschmettert, als er in illegalen Gewässern getaucht hat. Bei seinen Nachforschungen stellt Franks jedoch fest, dass sein alter Herr einer großen Sache auf der Spur war: dem heiligen Gral! Oh nein, Verzeihung. Der falsche Spielberg-Film. But close enough: Er hat einen lange verloren geglaubten Schatz aus Zeiten der Kreuzzüge gefunden. Da Venedig leider in Italien liegt, und dort bekanntlich die Mafia das Sagen hat, macht man es Dr. Baldwin allerdings nicht leicht, das Rätsel zu lösen. Mit Hilfe seiner Freundin muss er sich gegen Gangster, korrupte Polizisten und natürlich die Titel-Gebenden Killerhaie durchschlagen, die allesamt Venedig unsicher machen.

Bet you didn't see THAT image
coming in this review!
Bei einem so präzis-blödsinnigen Titel wie 'Der Weiße Hai in Venedig' (hat hier jemand versucht auf der Sequelploitation-Welle von Bruno Matteis 'Jaws V - Cruel Jaws' mitzuschwimmen?) ist das letzte, was ich erwartet habe, ein Genremix. Der Film bietet seine Tierhorror Elemente, gleichzeitig durch seinen Mafia-Subplot aber relativ viel Action, und sogar ein mehrere Minuten langes Flashback ins Mittelalter (!), was bei einem Film über Killerhaie alles vollkommen deplatziert wirkt. Wäre all das allerdings einen Tick interessanter oder humorvoller gemacht worden, wäre es sicher trotzdem unterhaltsam gewesen. Danny Lerner war offenbar Fan von nicht nur einem Spielberg-Film, da er in seinem 'Weißer Hai'-Streifen tatsächlich Elemente von 'Indiana Jones und der letzte Kreuzzug' verwursten musste. Ähnlich verwirrend wirkt übrigens auch der Soundtrack, dessen Komponist offenbar im Glauben war, den Score für ein 'Herr der Ringe'-Rip-Off zu machen.

Falsche Tür!
Der 'Nighthawks' Fanclub sitzt nebenan.
Was schauspielerische Leistungen angeht, ist bei 'Shark in Venice' Schmalhans Küchenmeister. Sollte einen Stephen Baldwin in der Hauptrolle noch nicht vorgewarnt haben, kann ich Euch versichern, er ist in guter Gesellschaft. Seine Freundin, gespielt von Vanessa Johansson, bringt etwa so viele Emotionen in ihre Rolle wie ein Stück Küchenpapier, und auch Türken-Stallone Giacomo Gonnella als Mafia-Boss wirkt wenig beeindruckend. Wie zu erwarten, müssen sich diese ohnehin schwachen Darsteller dann auch noch durch so meisterhafte Dialoge wie:
„Woher wissen Sie das?“
„Sie ist Expertin. In der Periode des Mittelalters ist sie ein Fuchs!“ spielen.
Und im Ernst, wer könnte schon den Satz „Keramikpferde! Die liebst du doch! Schau sie dir ruhig an!“ wirklich glaubhaft sagen?

Was in einem Hai-Horrorfilm aber doch wirklich zählt, sind die Haie. Wie hat also dieser Nu-Image-Streifen die Effekte hinbekommen? Nun, für eine Firma, die lange Zeit für ihre (unter)durchschnittlichen CG-Effekte bekannt war, gibt es davon relativ wenig.

Der Hai als Phallussymbol
Die Hai-Attacken wurden in den meisten Szenen sehr schnell geschnitten, so dass man sowohl Material von echten Haien, als auch ein paar CG-Einstellungen und einen Prop-Hai für die Close Ups zwischen schneiden konnte. Man war bei den meisten Szenen clever genug, die Effekte nie lang genug im Bild zu lassen, so dass man ihnen oft auch nicht ansehen konnte, ob sie gut aussehen oder nicht. Dass gerade in der ersten Filmhälfte überwiegend richtige Haie gezeigt wurden, mag authentisch und nett sein, ist aber offen gesagt nicht, was ich von Nu Image erwarte. Die Hai-Puppen, die hin und wieder zum Einsatz kommen, variieren letztlich zwischen gut und wirklich schlecht. Allerdings kann es genau so gut sein, dass sich bei den guten Einstellungen einfach an Stock Footage aus anderen Filmen bedient hat (wie es bereits Matteis 'Cruel Jaws' oder der lachhafte 'Shark Attack 3' taten). Insgesamt wurden einige der immer gleichen Einstellungen von den Haien ständig wiederholt. In wenigstens zwei Szenen gibt es dann aber auch wirklich käsige CG-Hai-Attacken, die mich zugegeben zum Lachen gebracht haben. (Ein weiteres Indiz für Stock Footage wäre übrigens, dass Baldwin bei einem Hai-Angriff ganz offensichtlich das Bein abgebissen wird, er es in der nächsten Szene aber wieder hat. Wie zur Hölle geht sowas?!)

Is' okay. Du hast den Job.

Was die Action betrifft, hat der Film zwar relativ viel auf dem Sektor von Schießereien, etwas Blut und sogar einen Mafiosi mit Kettensäge (der anschließend a lá 'Class of 1984' mittels Kreissäge zum Reden gebracht wird) und ein einigermaßen gutes Tempo zu bieten, schafft es aber irgendwie TROTZDEM erstaunlich wenig zu unterhalten. Unterm Strich gibt es hin und wieder zwar lustige Szenen, aber der Grundton des Films ist viel zu langweilig, für etwas, das sich so spektakulär liest.

Normaaaaaal!

Fazit: Wie sie es geschafft haben, einen Film über Killerhaie und Mafiosi in Venedig langweilig zu machen, liegt jenseits meines Verständnisses, aber leider haben sie genau das getan. 'Sharks in Venice' hätte ein Kracher sein können, der voller verrückter Einfälle steckt, nimmt sich aber viel zu ernst und wirkt so einfach wie ein dümmlicher TV-Krimi ohne neue Ideen. Ich bin mir sicher, 'The Asylum' hätten einen wesentlich unterhaltsameren Film aus dem Stoff machen können. (Auch deren 'Mega Shark vs. Giant Octopus' hat mich übrigens um Einiges besser unterhalten.)


PS: Wie genau können Taucher unter Wasser eigentlich sprechen, wenn sie ihre Sauerstoffgeräte im Mund haben?


Spooner