Shaolin - Eine Faust die tötet



Originaltitel: Gong yi leng xie jin mian ren (1999)
Regie: Chung Ting Drehbuch: Der ehrwürdige Sinn Los
Darsteller: Stephen Tung Wai, Chi Kuan Chun, Doris Lung Chun-erh FSK: 18


“Die markierten Punkte an dieser Tafel symbolisieren die Anzahl meiner Gegner.“
“Eine ganze Menge.“
“Ja. Heute abend sollst du für mich in der Pinlong Straße einen Mann töten. Er wird gegen zehn Uhr dort entlang gehen. Du erkennst ihn leicht. Er trägt einen braunen Hut, einen grauen Kittel und hat ein Musikinstrument in einer blauen Hülle bei sich.“

Kung Fu Spassel
Zu blöd, dass Lung Shun San auf das Angebot seines Auftraggebers ’Goldene Maske’ eingeht, denn kaum hat er den Mann mit Hut und Kittel (der war aber weiß!) umgenietet, erkennt er: ’Uups, das war ja mein Bruder.’ Dumm gelaufen! Aber irgendwie auch Schuld des Opfers. Hätte der seinem Bruder nämlich erzählt, dass er kürzlich bei ’C&A’ ’nen neuen Hut gekauft und seiner Klampfe endlich eine Schutzfolie verpasst hat, wäre sicher alles ganz anders verlaufen.
Jetzt aber ist die Kacke am Dampfen und Lun Shung Tsan rennt durch die Gegend, auf der Suche nach Antworten. Da erscheint auch schon der Geist des Bruders und fordert Rache für seinen Tod… bei seinem Mörder. Leung Cheung Sang sagt zu und macht sich auf durch’s wilde China, trifft allerlei Halunken, die er von der Landkarte putzt und gelangt schließlich an den Hof des alten Fürsten Li Kan, der sich wie ein Apache frisiert. Dieser war rein zufällig der Adoptiv-Vater von Lun Schun Sangs Bruder (und hat ihm wahrscheinlich auch die dämlichen Klamotten spendiert). Auch das Fürstchen hat jetzt Probleme mit ’Goldene Maske’ und schickt seinen Gast, gegen das Drängen der Anwohner, die den Apachen-Fürst für einen bösen Unterdrückeronkel halten, auf die Suche nach der wahren Identität der güldenen Vollmond-Pausbacke…

“Wenn du erlaubst, sage ich dir, wer die Leute hier sind. Da drüben sitzt der Bürgermeister mit seiner Tochter. Ein sehr ehrbarer Mann. … Das ist Kong Ping, ein skrupelloser Geschäftemacher und mit Vorsicht zu genießen. Ho Ming, ein harmloser Bürger. Das ist Tsu Long, eine stadtbekannte Prostituierte. Lass dich nicht mit ihr ein, sie ist gefährlich.“


Jaja und das da hinten ist der geizige Wirt Hap Shon Tsu mit seinem ehrbaren aber harmlosen Hund Wao Wao und der Katze Mu Shi, die immer in die Suppe pinkelt.

"Meiner is länger!"
Mein lieber Sho Li, in diesem Wuxia-Knüppelwerk gibt es einiges zu Entdecken. Herrliche Teehäuser, zehn Meter hohe/weite Sprünge (nur aus Jux), eine irre Selbstmordszene (Totsaufen!), eine clever eingebaute ’Mord ist ihr Hobby’-Folge und Kung Fu in seinen schillernsten Varianten (Chop-Stick Fu, Tee Fu, Feuerball Fu, Mask Fu, Bart Fu, Stöhn Fu, Glotz Fu und und und).
Die Schauspieler fehlen diesmal komplett, man ließ stattdessen schwitzende, aber adrett gekleidete Sushi-Kellner aufmarschieren, die mit Frisuren herumlaufen, wie sie sonst nur anno ’89 von Bautzener Senfbauern getragen wurden. Außerdem schien im Synchron-Studio eine Art Wettbewerb stattgefunden zu haben. Der Gewinner: Wer am weitesten von den Lippenbewegungen des zu synchronisierenden Kung Fu Mannes weg spricht.
Optisch verfeinert mit den inzwischen lieb gewonnenen Shudder-Zooms und Quick-Cuts, wird das Ganze nur stilecht im stellenweise zerkratzten Print präsentiert, wo der Popel vom Projektionisten fünf Minuten lang den Hauptdarsteller verfolgt.
Narrativ und inszenatorisch macht ’Shaolin - Eine Faust die tötet’ (Argh! Dieser Titel!) nur bedingt Sinn. Es gibt viele verwirrende Einlagen, die die Grenze des Nachvollziehbaren arg strapazieren und von vollkommen verzottelter Musik unterlegt werden. Da verwurstet man Samples aus dem ’007’-Thema, vermengt quere Schalmeien-Klänge mit Straßenzug-Getöse und auch die allseits beliebte Echolotmucke ist wieder da (Ich mein’s ernst, die gibt’s wirklich!)

“Die goldene Maske war der Kellner!“

'INDIANER!'

Fazit: Fernöstlicher Voll-Träsch mit halber Handlung und einer ordentlichen Prise Gaga in der Ausführung. Oben drauf gibt es Martial Arts-Gaudi satt, ein hahnebüchenes Pferdefuß-Finale und einen Zombie-Pai Mai, der unter einem Baum in einer Höhle sitzt und absolut nichts zum Film beiträgt. Auf so etwas müssen französische Kunstfilmer erst einmal kommen!


Hudson