Shaft


‘The mob wanted Harlem back. They got Shaft...up to here.’


Originaltitel: Shaft (1971) Regie: Gordon Parks
Drehbuch: Ernest Tidyman & John D.F. Black
Darsteller: Richard Roundtree, Moses Gunn, Charles Cioffi FSK: 16


“You got problems, baby?”
“I got a couple of ‘em. I was born black...and I was born poor.”

Shaft ist aus verschiedenen Gründen ein bedeutender Film. Zum einen, weil seine Titelfigur auf der Leinwand zum (Anti-)Helden wurde und noch dazu, weil dies der Film schlechthin war, der es für Schwarze möglich gemacht hat, Arbeit im Filmgeschäft zu bekommen und ein breites Publikum anzusprechen.

SHAFT! (Can you dig it?)
Gedreht von Gordon Parks, dessen Debutfilm ‘The Learning Tree’ - ein Drama über Rassismus - der erste Film eines schwarzen Regisseurs war, der je von einem Hollywood-Studio herausgebracht wurde, sollte ‘Shaft’ eine Pforte für das schwarze Kino öffnen, wie kaum ein anderer. Zwar ist Shaft nicht der erste Vertreter des allseits bekannten ‘Blaxploiation’-Genres, das zwischen 1971 und 1975 boomte - dieser Titel würde vermutlich an Melvin Van Peebles ‘Sweet Sweetback’s Badasssss Song’, aus dem gleichen Jahr, gehen - doch vermutlich der bekannteste. Was ihn aber von den meisten späteren Blaxploitern unterschiedet und für das Genre somit auch nicht repräsentativ macht ist, dass wir in diesem Film einen schwarzen Helden haben und es eigentlich keine Rolle spielt. Shaft ist keine Geschichte über Rassismus, einen Schwarzen der sich nach oben kämpft, oder aus den Fängen des weißen Mannes befreien muss - nein, es ist fast das Gegenteil der Fall. Shaft ist die Geschichte eines toughen Privatdetektivs, wie wir sie schon in etlichen anderen Filmen gesehen haben. Obwohl er die ‘Bad Ass Attitude’ des schwarzen Mannes praktisch erfunden hat, hat John Shaft eigentlich keine Meinung oder Aussage zur Rassen-Frage. Er interessiert sich weder für militante Schwarze, noch für ‘Whitey’, sondern eigentlich nur für sich selbst. Er ist dabei den weißen Männern niemals unterlegen, denn die sind auf den Privat Detektiv angewiesen, um raus zu finden, was in den Slums vor sich geht. Das bringt uns auch zum Plot, der zwar schön ausgebaut ist, aber simpler nicht sein könnte.

Fuck the Man!

John Shaft, seines Zeichens black private dick, sex machine to all the chicks & a bad mother*shut yo mouth!* streift genüsslich in seinem Ledermantel und Rollkragenpullover durch die 42nd Street. Vom Zeitungsverkäufer seines Vertrauens hört er, dass jemand ihn sucht. Als ihn sein Kumpel Vic, der (weiße) Polizist, für den Shaft gelegentlich Informationen ranholt, ebenfalls darauf hinweist (“How come a couple of cats from Harlem come downtown this morning, looking for John Shaft?” - “Well, they’re soul brothers. They came down so I could teach them the handshake.”), dauert es nicht mehr lange, bis der erste Ärger vorprogrammiert ist. Gangster Boss ‘Bumpy Jonas’ hat Shaft zwei seiner Ganoven auf den Hals geschickt. Den ersten kurzerhand aus dem Fenster befördert, erfährt Shaft, dass Bumpy ihn beauftragen möchte, seine entführte Tochter von der Mafia zurück zu holen. Dabei sucht er Hilfe bei seinem alten Freund Ben Buford, einem schwarzen Freiheitskämpfer.

No sideburns? Dude's gotta be a snitch.

Zur eigentlichen Handlung gibt es nicht viel mehr zu sagen. Doch der Punkt, dass die Story einfach gestrickt und nicht zwangsläufig auf einen Schwarzen, sondern einfach auf einen wütenden Mann, der weiß, was er will, ist natürlich kein Zufall, wenn man bedenkt welche Relevanz der Film letztlich unter Zuschauern jeglicher Hautfarbe hatte. Allein in der ersten Szene, in der wir ein paar Porno-Kinos mit echten Statisten im Hintergrund sehen, als Shaft aus einem U-Bahn Schacht steigt und über die Straße läuft, ohne dem Verkehr Aufmerksamkeit zu schenken (im Übrigen ohne jede Straßenabsperrung - Richard Roundtree hatte die Anweisung, tatsächlich von den Autos unbeeindruckt die Straße zu überqueren - mit der Konsequenz, beinahe von einem Taxi angefahren zu werden), ist absolut klar: ihm gehört diese Stadt. Wenn dazu noch Isaac Hayes ‘Shaft Theme’ im Hintergrund ertönt, stellt sich genau das richtige Gefühl für den Film ein. Interessant ist, dass Richard Roundtree kein Mann von der Straße ist.

Hairdo Hustler
Aufgewachsen in einer New Yorker Vorstadt, hat er das College verlassen, um Modell und Schauspieler zu werden - als beliebtester, best-aussehenster und best-angezogenster Junge seiner High School wurde er allerdings schnell auf den Schönling reduziert. Die Rolle des hartärschigen Private Dicks, der sich weder von Cops noch Mafia was sagen lässt, war also durchaus eine Herausforderung für ihn, die er mehr als glaubhaft bewältigt. Wenn Shaft als Großmaul mit heißen Sprüchen um sich wirft (“Where the hell are you going, Shaft?” - “To get laid. Where the hell are you going?” ; “How did you get this number? - “Off a bathroom wall in a goddamn subway!”), sich den Ladys im Bett fast schon arrogant hingibt oder als charmanter Barkeeper zwei Mafiosi einschüchtert - der Mann hat ‘Bad Ass’ ins Gesicht geschrieben. We can dig it!

Leider ist ‘Shaft’ einer der Streifen, die als Film selbst weniger hergeben, als ihre kulturelle oder historische Rolle. Der Film ist voll mit den üblichen Klischees einer Privat Detektiv Story und genau das, was Hollywood gewöhnlich mit einem weißen Helden gemacht hätte. Und das obwohl die literarische Vorlage von Ernest Tidyman auf Wunsch von Gordon Parks von einem zweiten Autor sogar etwas ‘schwärzer’ gemacht werden sollte (was Tidyman übrigens nicht gefiel, da er nicht wollte, dass all der ‘phony black dialect’ von einem Weißen geschrieben und deshalb nicht ernst genommen würde). Aus eben diesem Grund unterscheidet sich Shaft auch so erheblich von vielen anderen Blaxploitation-Filmen und wird von den Machern nicht als solcher betrachtet. Parks selbst hasst den Begriff ‘Blaxploitation’: “‘Shaft’ has nothing to do with exploitation. I don’t know where they got that. What ‘Shaft’ was about, was providing work for black people that they never had before, letting them get into films. That’s not exploitation. ‘Shaft’ was the type of film that Hollywood made with white actors. Cagney could have been in ‘Shaft’. But I didn’t notice they called those movies white exploitation.”

Time for some sweet talkin'

Fazit: Shaft (*Shaft!*) ist ohne Frage ein Klassiker des Actionfilms, egal in welchem Kontext man ihn sehen will. Der Film hat mit Roundtree einen tollen Hauptdarsteller, dank Isaac Hayes einen der legendärsten Soundtracks seiner Zeit (nicht nur durch den Titelsong, sondern auch andere großartige Stücke wie ‘Soulsville’) und aufgrund von Gordon Parks erfahrener Fotographie eine wirklich besondere Atmosphäre, die den deprimierenden Times Square so gut einfängt wie wenige andere Filme. Unbedingte Empfehlung. Dig it.


Spooner