Shadowchaser


‘The man he's up against isn't even human’


Originaltitel: Shadowchaser (1992)
Regie: John Eyres Drehbuch: Stephen Lister
Darsteller: Martin Kove, Meg Foster, Frank Zagarino FSK: 16


Shadowchaser, ein Titel so sinnreich wie zwei Tage Volksmusik.
Aber mäkeln wir nicht an Oberflächlichkeiten, sondern wenden uns der nervenaufreibenden Story zu:
Androide Romulus und sein Brutaltrupp halbwegs fähiger Henchmen überfallen ein Krankenhaus/Versuchslabor/Location mit vielen Gängen, Zimmern, Luftschächten und nehmen eine handvoll Geiseln, u. a. die Tochter des Präsidenten (Meg Foster), um von … wer auch immer gerade zuständig ist einen Haufen Kohle zu erpressen.

"Bitte etwas mehr Licht
auf meinen Body!"
Da spielen die Autoritäten natürlich nicht mit, wissen sich in einem solch unübersichtlichen Gebäude allerdings auch nicht zu helfen und müssen erst einmal den Architekten Dickson aus dem Cryo-Schlaf holen. Letzterer wird gespielt von Mega-Matte Martin Kove (’Stahljustiz’), der neben seiner üblichen voluminösen Haarpracht auch mit dem schlecht angepapptesten Vollbart diesseits von ’Alien Apocalypse’ mit den Worten “Hey, habt ihr mal’n Bier!“ aus dem Kälteschlaf erwacht. Wenig später ist der Sauerkohl ab, der Mann in Schale geschmissen und über die Situation in Kenntnis gesetzt.
Das Dumme ist nur: Dickson ist gar nicht Dickson. Dickson ist Desilva und Desilva ist nicht Dickson, der Architekt, sondern Desilva, der ehemalige Footballspieler, der wegen einer Kneipenschlägerei mit Todesfolge in die Gefrierbrandhölle gesteckt wurde.
Glücklich über den Irrtum lässt sich Desilva ins Gebäude einschleusen, merkt aber schnell, dass hier wahre Heldentaten und grobe Kellen gefragt sind. Mit Feuer im Rohr und dummen Sprüchen nimmt es das Großmaul mit Romulus und seiner Bande auf…

“Sie sind verrückt!“
“Das ist mein Hobby.“

Reden wir nicht um den heißen Brei herum: Beim Setup von ’Shadowchaser’ handelt es sich glasklar um die Billigvariante von ’Stirb Langsam’, der Plot beinhaltet Versatzstücke aus ’Terminator’ & ’Blade Runner’ und auch wenn die Cryo-Kiste noch vor ’Demolition Man’ aufgetaut wird, ist hier kein Quäntchen Originalität vorzufinden.

KOVE POWER!
Dabei hat der Streifen eine echt knorke Besetzung zu bieten, in der sich ’Aliens’ Veteran Rico ’Frosty’ Ross, Krassauge Meg Foster (’Blinde Wut’), Hoschi Joss Ackland (’Ritter der Zeit’) und Grimmfresse Paul Koslo (’Robotjox’) tummeln.
Martin Kove als ’falscher Kerl am falschen Platz’ witzelt und protzt sich mit Föhnwelle und platt-amüsanten Sprüchen (“Was ist jetzt schon wieder, Albino? Brauchst du Starthilfe?“) durch Fahrstuhlschächte, Korridore, Luftschächte und Heizungsrohre (nee Moment, Heizungsrohre haben sie sich vielleicht für ’Shadowchaser 2’ aufgehoben), ballert aus vollen Rohren und schmeißt Granaten nach seinen Gegnern, nur um von denen mit einem “Hey Arschloch! Du hast den Stift nicht rausgezogen!“ abgestraft zu werden.
Frank Zagarino, der die ’Shadowchaser’-Reihe (lol) noch ein paar Jahre als Leading Man (lol ²) voranschleppte, macht sich (trotz deutscher Räusper-Synchro) als eiskalter Killer-Cyborg mit emotionaler Abwesenheit erst nicht schlecht, später jedoch zum Affen, als er anfängt, einem klassischen Roboter gleich durch die Flure zu schlurfen und vom Kugelhagel unbeeindruckt zuckt, als wäre er Protagonist eines ’Kraftwerk’-Videos.
Alles recht amüsant, wenn auch preiswert veranstaltet, doch wirft der Film einige Fragen auf, die dem einen oder anderen Pedanten möglicherweise das Sehvergnügen verbrezeln könnten:

"Was Kove kann, kann ich auch:
FOSTER POWER!"
1. Welchen Zweck für die Story hat die Tatsache, dass Romulus ein Android ist?
2. Was will er mit dem ganzen Geld?
3. Wieso lässt man Meg Foster die Tochter des Präsidenten spielen?
Und 4., wie ist es möglich, dass Martin Kove direkt nach dem jahrelangen Cryoschlaf putzmunter aus der Kältekammer hüpft und keine zwei Stunden später mächtig Ärsche tritt?
Sicherlich alles berechtigte Fragen. Aber Leute, benutzt doch mal eure Fantasie.
Also, 1.: ALLES ist besser mit (wasserstoffblonden und halbnackten) Androiden.
2.: Er will höchstwahrscheinlich Updates, einen Unterwasser-Perk und Frisur-Modifikationen.
3.: Weil der Präsident ein längst ergrauter Staatsmann ist.
4.: Schonmal ’Aliens’ gesehen? Na also!
Seht ihr? Es gibt für alles eine Antwort. Außer vielleicht, warum man statt eines Architekten ’aus Versehen’ einen Footballstar aus dem Kälteschlaf zaubert und den in ein mit Terroristen besetztes Gebäude schleust. Aber hey, dann hätte es keinen ’Shadowchaser’ gegeben und auch nicht dieses Review, mit dem ich einmal mehr eure und meine Zeit verschwenden kann.

“Ich liege seit Jahren in der Tiefkühltruhe, okay? Sie wecken mich auf und bieten mir ne Begnadigung. Was soll ich da sagen? Sorry, sie haben sich in der Truhe geirrt?“

Thumbs up?

Hand auf’s Hirn, komplette Zeitverschwendung ist ’Shadowchaser’ nicht, sondern eine lupenreine Abklatsch-Mahlzeit ohne viel Nährwert oder Charme, dafür aber mit anständiger B-Cast und genügend Krach für Augen und Ohren, um den Filmabend ohne große Anstrengung und allzu schwerwiegende Hirnfolgen zu überstehen.

PS: Ja, ich weiß. Einige der Fragen werden im letzten Drittel des Filmen plausibel erklärt. Verklagt mich!
PPS: Ja, mit ’plausibel’ meine ich ’lächerlich’!



Hudson