Severance


‘Another Bloody Office Outing’


Originaltitel: Severance (2006) Regie: Christopher Smith
Drehbuch: Christopher Smith & James Moran
Darsteller: Danny Dyer, Laura Harris, Tim McInnerny FSK: 18


Wer denkt, man könne wirklich fiesen Horror und dreisten Humor nicht funktionierend fusionieren, der sollte sich demnächst Christopher Smith’s tiefschwarze Schocker-Komödie ’Severance’ nicht entgehen lassen.

"Taxi!"
In diesem herrlich gemeinen Beispiel britischer Filmkunst, wird einer kleinen Büro-Abteilung des riesigen Rüstung-Konzerns ’Palisade Defense’ (Motto: “We give Terror a Time-Out.“) ein sogenanntes ’Team-Building-Weekend’ ausgerechnet im osteuropäischen Outback spendiert. Die Truppe setzt sich zusammen aus dem motivierten Chef Richard (Tim McInnerny, Fans von ’Erik dem Wikinger’ sicher noch als ’Sven die Wildsau’ im Gedächtnis), dem zynischen Bürohengst Harris, Streber-Hoschi Gordon, Fun-Junkie Steve, dem Ruhepol George, der netten Maggie und der leicht kratzbürstigen Jill. Als der Reisebus dieses illustren Haufens kurz vor der Endstation ’Luxus-Lodge’ durch widrige Umstände zum Stehen kommt, müssen sich die Desk-Jockeys erst einmal zu Fuß durch die Pampa schlagen. Am Ziel angekommen, erwartet sie der nächste Schock: Die Unterkunft ist ein heruntergekommener Baracken-Verschlag, der jedem Luxus entbehrt und die Aussicht auf das sowieso schon langweilige Wochenende nur noch verschlimmert.
Während die Angestellten den Aufstand proben, Boss Richard verzweifelt versucht, die Motivation zu halten und Spaßvogel Steve durch Verzehr köstlicher ’Magic Mushrooms’ (gepaart mit LSD) sich selbst durch den Wald laufen sieht, nähern sich die eigentlichen Bewohner der brüchigen Unterkunft. Ehemalige Supersoldaten, von der Heimat verstoßen, von ’Palisade Defense’ Produkten verunstaltet, durstig nach Blut und bis auf die Zähne bewaffnet…

In der Bürowelt Heute, packen
ER und SIE gleichermaßen an.
Ohne hier, wie leider viel zu oft üblich, irgendwelche Vergleiche, zu irgendwelchen anderen Streifen des jüngsten, britischen Horrors (hustShaunoftheDead&DogSoldiershust) anzustellen, sei gleich gesagt, dass ’Severance’, trotz frappanter Ähnlichkeiten zu eben gehusteten Streifen, eine völlig unikale, fast brutal gemeine Atmosphäre besitzt, die allein schon jeden Möchtegern-Outback-Chiller der letzten Dekade in die oberen Ränge getischt hätte. Man kombiniere dies mit dem schrägen, ebenso bitterbösen britischen Humor, darüber hinaus auch mit deftigen, eher im US-Kino verbreiteten Haudrauf-Schäkereien, und man hat ein ungefähres Bild davon, was einen hier zu erwarten hat.
Hinzu kommt eine perfekt besetzte Cast, welche liebenswürdige Trottel, ’Everyday-Life’-Figuren verkörpern, die vom Waffen-Reißbrett ins waffenstrotzende Schuchen-Outback verfrachtet werden und von der bitteren, selbst entwickelten Medizin zu schlucken bekommen.
Die drastischen Resultate dieser Horror-Kur werden dem Zuschauer in blutdurchfluteten, bittersüßen Bildern präsentiert. Oft weiß man nicht, ob jetzt tatsächlich gelacht werden darf/soll/kann, oder es nicht angebrachter wäre, einfach nur entsetzt die Hände an den Kopf zu schlagen. Der absolut ernst gemeinte Score, mit dem ’Severance’ gesegnet ist, erinnert sicherlich nicht von ungefähr meist eher an ein Drama.
Für Abwechslung sorgt ’Creep’-Regisseur Christopher Smith u.a. auch mit urkomischen, episodenhaften Anekdoten, in denen die Opfer ihren eigenen Theorien ob der Herkunft der Bedrohung freien Lauf lassen können und spätesten beim Finale (einer Verneigung vor der kompromisslosen Gastfreundschaft und Einsatzbereitschaft osteuropäischer ähm… Damen) bleibt kein Auge mehr trocken.

Steves süßen Träumen folgt ein böses Erwachen.

So oder so ist der Film für Horror-Afficinados und Fans von ganz unten kommender Lachanfälle gleichermaßen zu empfehlen. ’Severance’ schockt derbe, hat enorme Brüller auf seiner Seite und unterhält einfach schamlos gut. Anschauen!

Hudson