Der Schrei des Todes


‘The Black Prince of Shadows Stalks the Earth Again!’


Originaltitel: Scream Blacula Scream (1973) Regie: Bob Kelljan
Drehbuch: Maurice Jules, Raymond Koenig & Joan Torres
Darsteller: William Marshall, Richard Lawson, Pam Grier FSK: unbekannt


Eigentlich endete Blacula am Ende des Originals ja als schmorendes Häufchen auf dem Sonnendach einer Chemiefabrik, aber ihr kennt die Regeln des Filmgeschäfts, Freunde: Was Erfolg hat, kraucht sogar nach dem Tod aus der Klammer. Und so werden Blaculas Überreste von dem eifersüchtigen Voodoo-Onkel Willis wieder zu alter Form gezaubert. Willis sollte eigentlich Nachfolger der kürzlich verstorbenen Voodoo-Mama des Ortes werden, doch entschied sich diese, sehr zu Willis Ärger, für die junge Lisa (Pam Grier). Zum Dank für die Wiedererweckung verwandelt der frischgepresste Graf den ollen Willis in einen Co-Vampir, was dem guten Mann optisch (neben Afro, Disco-Hemd und Pullunder) zwar ausgezeichnet steht, ihn jedoch auch ein wenig entsetzt (”Man, I don’t mind being a vampire. But a man has to see his face. Shiiiieeeet.”) Nachdem die beiden im Tag Team-Modus ein paar unbedachte Besucher vernascht haben, verschlägt es Blacula in bester Tradition ins örtliche Nachtleben. Dort lernt er schließlich auch Lisa kennen, die neue Voodoo-Mama, deren Kenntnisse den schwarzen Grafen mehr als beeindrucken und ihm später noch von Nutzen sein sollen. Aber erst mal ist es Zeit für einen Ausflug in die Hood, um Hälse zu leeren und Sprüche zu klopfen…

Ladies love cool Black but Dudes hate the Sucker.

“Hey faggot! We’re talkin’ to you.”
“What is it you want?”
“What is it you want. Shiiiieeeet. Your bread, man. All of it! Or we gonna have to become antisocial and kick yo ass? You dig?”
“I’m sorry, I don’t have any bread with me and as for kicking my ass, I strongly recommend that you give it careful consideration, before trying.”

Blac is back! Und ihr merkt schon; er hat einiges zu sagen über die jungen Herrschaften, die in den Siebzigern durch die Straßen der Nacht liefen und sich für gefährlich hielten. Mehr noch als im Original ist Blacula hier eine Figur, die über dem modischen Gehampel diverser Blaxploitation-Klischees steht, seine Mitmenschen/Opfer mittels dramatischer Dominanz umgarnt und hin und wieder sogar einen Kommentar fallen lässt.
Dabei beeindruckt vor allem wieder das Spiel von William Marshall, dem man die Schauspielerfahrung als Shakespeare-Bühnendarsteller anmerkt. Angesichts der Thematik wäre es nur allzu leicht, den Grafen zu einer Witzfigur verkommen zu lassen, doch genau das verhindert Williams Intensität und Hingabe.
Das bedeutet nicht, dass es hier nicht auch Jux und Dollerei zu bewundern gibt. Im Gegensatz zum Grafen gibt sich seine Umwelt nämlich weniger ernsthaft. Erneut haben wir es mit blau angelaufenen Vampiren zu tun, die mal wie Zombies durch das Herrenhaus shuffeln, mal wie von der Tarantel gestochen hinter Ecken hervorspringen und zuweilen sogar ihren Meister aufs Korn nehmen...

... und das kann der gar nicht leiden!

Hinzu kommen unfähige Cops, die im Finale mit geklauten Zaunlatten als Pfahlersatz in des Grafen Unterkunft eindringen und einen Vampir-Raid erster Güte abziehen und selbstverständlich die bezaubernde Pam ’Coffy’ Grier, die hier allerdings einmal keine Kick Ass-Momma, sondern eine waschechte Scream Queen gibt.
Das eingestreute Vooddoo-Element verpasst dem Film zudem ein interessantes Flair. Leider gibt es hier dementsprechend auch mehr Bingo-Bongo-Getrommel statt eines funkigen Soulscores zu hören.

’Der Schrei des Todes’ kommt nicht ohne Längen aus, ist aber ein amüsant/schräges Stück Pop-Bahnhofskino, das in schwülen Nächten an der heimischen Cocktail-Bar zu einer Bloody Mary in ausgelassener Gesellschaft die Stimmung keinesfalls senken wird.


Hudson