Scorpius Gigantus


‘Your tax dollars at work.’


Originaltitel: Scorpius Gigantus (2006) Regie: Tommy Withrow
Drehbuch: Raly Radouloff & Terence H. Winkless
Darsteller: Jeff Fahey, Jo Bourne-Taylor, Hristo Mitzkov FSK: 16


Es war einmal in Osteuropa…

Ein grüner Digiscreen beweist:
Wissenschaftlich wasserdicht!
Amerikanische Wissenschaftler erfinden ein Superserum, das Insekten zu gigantischen Ausmaßen anwachsen lässt. Anstatt das erst einmal an gemeinen Fruchtfliegen auszuprobieren, benutzt man gefährliche Biester, die auch schon in Normalgröße ekelhaft und gefährlich genug sind, kreuzt sie miteinander und schickt sie (bewacht von legeren Uniform-Heinis, die kaum wissen, wie man eine Waffe zu halten hat) im Mini-Van durch den russischem Märchenwald. Es kommt wie es kommen muss: Ortsansässige Extremisten kapern diesen lustigen Umzugswagen, in der Hoffnung ein wenig Plutonium abzustauben und entlassen die mutierten Killerviecher versehentlich in die Freiheit. Jetzt können nur noch Mutations-Spezialistin Dr. Whatserface und die Elite-Einheit von Major Reynolds (Jeff Fahey, ’Der Rasenmähermann’) den Tag vor dem Abend retten…

"Major, ich habe nachgedacht."
"Bitte nicht."

Ich wage mich nur selten in die Trash-Gefilde der letzten Dekade vor. Unvorteilhafte Video-Optik, grottige Computereffekte und die Unanwendbarkeit der möglichen Entschuldigung "Wir wussten und konnten es damals einfach nicht besser." schrecken mich einfach ab. Sicherlich wurde auch in den Siebzigern und Achtzigern viel seelenloser Müll des schnöden Mammons wegen produziert. Aber damals sahen die Filme immerhin noch aus wie Filme und nicht wie Test-Footage aus dem ’Do it yourself’-Videobausatz.
Bei ’Scorpius Gigantus’ kann kaum von einer Ausstattung die Rede sein. Ein paar Armee-Uniformen, eine Ladung Plastegewehre, eine Familienpackung Heinz Ketchup, ein paar lokale Laiendarsteller und ein abgehalfterter C-Star wurden über der bulgarischen Pampa, irgendwo neben stillgelegten Industrieanlagen abgeworfen und ins Gefecht gegen ein unsichtbares Spinnen/Schaben/Skorpion-Hybrid-Monster geschickt, das später mittels Computer mehr schlecht als recht ins Geschehen kopiert wurde.
Wenn letzteres nicht gerade im Bild ist, gibt es einen überforderten Befehlshaber mit Schnurrbart (so’n Dale Dye für Arme), der verwirrt sinnloses Militärgebrabbel ins Mikro stottert, hin und wieder pseudo-wissenschaftliches Mutations-Gelaber und armdrückende GIs (natürlich Männlein gegen Weiblein, weil naja… dat is originell, gelle).

Mündungsfeuer oder Schlagsahne?

"Ich frage mich, wie passt das alles ins kosmische Gebilde. In was für einer Welt leben wir, wo so ein Ding existieren kann?"

Ich weiß es nicht. Sag du’s mir. Sympathische Figuren oder einfach nur ein paar heiße Asskicker sucht man hier jedenfalls genau so vergebens, wie dramaturgische Stringenz und gute Beleuchtung. Aber wie sagte schon Bruce Campbell: "I made a movie in Bulgaria. I’m ready for anything!" Nach diesem Müll bin ich bereit für ein Herrengedeck und zur Abwechslung vielleicht mal einen guten Film.


Hudson