The Scorpion King


‘Warrior. Legend. King.’


Originaltitel: The Scorpion King (2002) Regie: Chuck Russell
Drehbuch: Jonathan Hales, Stephen Sommers, William Osborne & David Hayter
Darsteller: Dwayne Johnson, Steven Brand, Michael Clarke Duncan FSK: 16


Es sollte doch tatsächlich bis 2002 dauern, dass Hollywood den Barbarenfilm neu für sich entdeckte. Und dann noch ausgerechnet als Spin-Off-Prequel des Sequels (’Die Mumie kehrt zurück) eines Remakes (’Die Mumie’). Dass ’The Scorpion King’ bis auf die Darstellung durch Ex-Wrestler Dwayne ’The Rock’ Johnson gar nichts mit ’Mummy Returns’ zu tun hat, war mal wieder typisch für Hollywood, stört mich persönlich aber nicht die Bohne, denn –Leute, ich hab’s ja schon verraten - das hier ist ein waschechter Barbarenfilm.

"Das da hinten wird eines Tages alles dir gehören!"
"Und das hier vorne?"
"Das gehört dir schon!"

Der Film beginnt im kalten Norden, jedenfalls in einer Gegend, in der es schneit, was unseren Hauptdarsteller, den Akkadier Mathayus (The Rock) nicht davon abhält, wie ein echter Barbar herumzulaufen: Oben ohne und den dreckigen Rest mit Leder bedeckt. Mathayus, mit Bogen, Schwert und Mini-Sense bewaffnet stürmt im Alleingang das Lager eines Barbarenstammes, deren Anführer den Bruder des Helden gefangen hält und sich damit brüstet, Babylonier, Mesopotamier, Assyrer, Mykener und Sumerer abgeschlachtet zu haben, jedoch noch keinen (und jeder, der ’Asterix - Die Odyssee’ gelesen hat, weiß was hier noch fehlt, nämlich:) Akkadier. Da kommt der grobe Ritter Mathayus gerade richtig und wer jetzt fragt, was er da macht, der hat wahrscheinlich noch keinen Barbarenfilm gesehn.
(Kleine Fußnote: Klar könnte jetzt jemand unken “Aber, diese Nordmänner sind doch die Barbaren, Mathayus ist Akkadier. Er kann also kein Barbar sein!“ Aber diese Schlussfolgerung, so logisch sie auch erscheinen mag, gilt hier nicht. Denn: Wer hier Barbar ist und wer nicht, bestimme immer noch ich. Und ich sage: Mathayus ist ein Barbar.) Nachdem sein Bruder (Bransombe Richmond) gerettet ist, begeben sich die beiden (mit einem namenlosen Freund, der auch später keine Rolle spielt. Sieht halt einfach geiler aus, wenn eine Troika von muskulösen Hoschis herbeigeschritten kommt!) zu einer Ratssitzung der örtlichen Stammesgemeinschaft. Hier hockt ein Opi, der sich König nennt Barbarenfilm-typisch auf einem Thron, den er irgendwo in der Pampa unter freiem Himmel hat errichten lassen (siehe auch ’Der Todesjäger’).

Platzhirsche kurz vorm Platzen
Dieser schwafelt vom bösen Memnon (Steven Brand), einem Ursupator, der die halbe Welt in Besitz genommen hat und der endlich gestürzt werden muss. Der Schlüssel zu Memnons Erfolg ist dessen Seherin Cassandra (Kelly Hu) und die soll von den Akkadiern (laut dem Opi-King die letzten auf Erden, uups) nun eins, fix gemeuchelt werden. Klingt nicht sehr ehrbar, aber bei einem Beutel voller Rubin-Pralinés als Bezahlung wird auch der achtbarste Barbar schwach. In Memnons Lager angekommen (schleichender Art versteht sich, denn auch wenn The Rock und Richmond Klötzer sind, wie sie im Bodybuilder-Buche stehen, können sie schleichen wie ’Solid Snake’ persönlich) werden zwar ein paar lästige Wachmänner abgemurkst, doch die Übermacht der Krieger des finsteren Herren ist zu groß. Mathayus bringt es nicht über’s Herz, die Seherin zu ermorden und schließlich wird sein Bruder vor seinen Augen von Memnon getötet (Scheiße, nur noch ein Akkadier auf Erden!). Jetzt wird die Sache persönlich! Am nächsten Morgen findet er sich eingebuddelt in der Erde, umringt von Killerameisen und in Gesellschaft eines dummschwätzenden Feiglings, der sich sehr gut als neuer Sidekick eignen würde. Wie er sich aus dieser Lage befreien kann und welche Abenteuer ihn nun erwarten verrate ich nicht. Ihr schaut euch den Film besser selbst an. Ja, das ist eine Empfehlung. Diesmal steht das Fazit in der Mitte (tricky, was?).

Bride of Sssqueeze

’The Scorpion King’ bringt das altehrwürdige Sub-Genre des Barbarenfilms aus dem Sumpf und verpasst ihm ein orientalisches Flair, das dem Schinken eine wunderbar eigene Note gibt. Flammenschwerter, Schwitzende Muskelmänner in Pose, Magie, schmächtige Sidekicks, Unmengen Leder, Pfeil und Bogen, Haare, ein bombastischer Score (wer heult hier über ’Godsmack’ im Abspann?) … bis auf ein zünftiges Gummimonster gibt es hier alles, was Fans sich wünschen dürften.
Durchaus passend ist auch der augenzwinkernde Humor, der dem Spektakel beigemischt wurde. Nicht nur die verschmitzte Art des Helden (inklusive dessen Trademark-Augenbrauen-Zucker), ’fascinating facts’ (die Helden sind in Gomorrah unterwegs!) oder Wortgefechte mit diversen Charakteren (“Und wohin soll’s gehen?“ “Ins Tal der Toten.“ “Ins Tal der Toten?! Kein normaler Mensch geht ins Tal der Toten! Deshalb hat man es ja auch TAL DER TOTEN genannt!“), sondern auch massenweise Referenzen an alte Abenteuer- und Fantasy-Filme sind sehr amüsant. Wenn The Rock sich etwa mit einer urigen Schleuder-Vorrichtung direkt durch das Fenster eines Harems katapultiert, weiß der Genre-Fan, dass er sich den Move vom ollen ’Talon’ aus Albert Pyuns Barbaren-Schinken ’The Sword & the Sorcerer’ klaut (in der selben Sequenz wird übrigens die ’Rollender Gong als Schutzschild’-Szene aus ’Indiana Jones und der Tempel des Todes’ gemopst). Später wird locker flockig bei ’Rambo’ (die Stealthkills in den Höhlen) und ’Quatermain’ abgezogen.

Ritter Ralf ist auch dabei,
was kann jetzt noch schief gehen?
Trotz des Humors fehlt es ’The Scorpion King’ nicht an epischen Bildern, tollen Kulissen, überzeugendem Produktions-Design und adäquater Ausstattung. Auch ’Eraser’-Regisseur Chuck Russell muss für die flotte und actionreiche Inszenierung ein Lob ausgesprochen werden. Sein Film bleibt immer auf Trab und lässt zu keiner Sekunde Langeweile zu. Die Charaktere sind bis in die kleinste Nebenrolle (Al Leong als Bogenmeister. Das lob ich mir!) dem Stoff gemäß perfekt besetzt. Steven Brand (nein meine Damen, das ist nicht der ’Mike aus ’Desperate Housewives’) macht sich nicht schlecht als Bösewicht, ist aber noch das schwächste Glied in der Kette. Ralph Moeller spielt dessen Mann für’s Grobe und er wäre nicht Ralph Moeller, wenn er das verkacken würde )immer schön fies gucken ist schon die halbe Miete). Grant Heslov (’True Lies’) und Bernhard ’Theoden’ Hill sorgen für’s Komödiantische, während Michael Clarke Duncan (’The Green Mile’) den unzähmbaren, sympathischen Prügel-Gorilla par Excellence gibt (der Kampf zwischen ihm und The Rock ist ganz großes Rauferei-Kino!). In weiteren Nebenrollen sind Nils Allen Stewart (’The Jesse Ventura Story’ … Moment mal, es gibt ’ne Jesse Ventura Biographie?) und Branscombe Richmond zu sehen. Dass die Macher tatsächlich noch einmal den ollen ’Johnny Sixkiller’ ausgegraben haben, um ihn einen halbnackten (und zugegebenermaßen etwas schwachbrüstigen) Krieger spielen zu lassen, muss ihnen einfach hoch angerechnet werden. Kommen wir anschließend zum Hauptdarsteller. Unter all den Wrestlern, die es je versucht haben, auch in Hollywood Fuß zu fassen, ist Dwayne Johnson sicherlich der talentierteste und ganz locker der sympathischste. Er vereint physische Präsenz, Charisma und Charme zu Superstarqualität. Der Mann sollte sich viel mehr auf solcherlei Genre-Ware stürzen, das würde ihm ganz sicher mehr Bienchen bei den Fans verschaffen.
Johnson als ’Conan Jr.’? Ja mei, ich bin dabei!



Hudson