Scary - Horrortrip in den Wahnsinn


‘He's NOT home alone.’


Originaltitel: The Vagrant (1992)
Regie: Chris Walas Drehbuch: Richard Jefferies
Darsteller: Bill Paxton, Michael Ironside, Marshall Bell FSK: 18


Graham Krakowski ist das, was man gemeinhin einen braven, unbescholtenen Bürger nennt. Er zahlt immer seine Steuern, hat einen ehrbaren Job als Finanzanalytiker und erfüllt sich nun endlich den Traum vom Eigenheim.

"Was? Nein! Falsch verbunden!
Hier ist Scary, nicht Scream!"
Eigentlich ist die Bude schrottreif, doch schon beim Verkauf durch eine sexgeile Maklerin merken wir, dass Graham ein ziemliches Weichei ist, der jeder Konfrontation lieber aus dem Weg geht. Dieses Glück soll ihm als Besitzer seines neuen Hauses allerdings nicht beschert bleiben. Denn in der Nachbarschaft schleicht ein verwarzter, ekelhafter Penner herum, der Grahams neues Heim zu eigenen Zwecken nutzt. Nachdem er den Störenfried von einer Streife hat beseitigen lassen, fühlt sich der verlotterte Landstreicher anscheinend berufen, dem armen Tropf das Leben zur Hölle zu machen. Immer öfter erscheint er in der Gegend, macht das Haus unsicher, zerstört Grahams Eigentum und verschafft diesem einen Albtraum nach dem anderen. Schließlich macht der Irre auch nicht vor Morden halt. Er dezimiert die Nachbarschaft und versteckt die Körperteile der Opfer in Grahams Keller, so dass letzterer schließlich vor Gericht muss, Freundin, Job und Haus verliert und letztlich aus der Stadt flieht. Doch der Wahnsinn hat noch kein Ende. Sein Peiniger verfolgt ihn bis in die Wüste… oder ist Graham letzten Endes einfach nur verrückt?

’Scary’ ist weniger Horrorfilm im uns bekannten Sinne des Wortes (’Scream, Run, Slash’ und Konsorten), sondern eine Terror-Groteske, die ihren Thrill aus einem aberwitzigen Nervenkrieg und krankem Humor zieht. Von Minute zu Minute wird der Film absurder und bedient sich dabei einiger Elemente bekannterer Filme (zB. ’Meine verrückten Nachbarn’ und sogar einer Prise ’Kevin allein zu Haus’).

Scary Indeed!
Doch ’Scary’ ist richtig schön böse, was man den Machern erst vielleicht ein wenig übel nimmt, im späteren Verlauf der Handlung jedoch erst richtig zu schätzen weiß.
Ohne adäquaten Hauptdarsteller kann eine solche Geschichte natürlich nur halb so gut funktionierten. So packte man den mittlerweile in Genre-Filmen erfahrenen Bill Paxton (’Dämonisch’) in die Hauptrolle. Die Stationen ’bebrilltes Weichei, das in den Wahnsinn abdriftet und dann den inneren Schweinehund besiegt, um aufzubegehren’ werden von Paxton beinahe nahtlos aneinandergefügt und exzellent ausgeführt. Und wenn er mit ’MacGuyver’-mäßiger Trailer-Park-Frisi den makaberen Showdown ausficht, hat er einmal mehr bewiesen, dass er einfach alles spielen kann. Marshall Bell (’Total Recall’) ist unter dem ekligen Ausschlag-MakeUp kaum zu erkennen, präsentiert den dämonischen Penner aber auch dementsprechend sägig. Sein ’Starship Troopers’-Costar Michael Ironside spielt das ’knallharter Bulle’-Blatt aus und sorgt für eine extra Portion schwarzen Humor. Regie führte hier übrigens Chris Walas, der auch ’Die Fliege 2’ inszenierte, ansonsten aber eher im Special Effects und MakeUp Fach (u.a. bei ’Jäger des verlorenen Schatzes’, ’Gremlins’ und ’Scanners’) unterwegs war.

Uh-oh! Wollen wir wirklich wissen,
ob der Typ hinter ihm noch Hosen trägt?

’Scary’ ist ein verdammt fieses Filmchen, das seine Zuschauer dank nervenaufreibender Sperenzchen fesselt und auch mit der Wahrnehmung gemeines Hokus Pokus spielt. Bill Paxtons vortreffliche Darstellung der Hauptfigur ist allein schon Grund genug, bei ’Scary’ mal reinzuschauen.


Hudson