Scarletto - Schloss des Blutes


‘He was a homicidal maniac who LIVED TO KILL!’


Originaltitel: Il boia scarlatto (1965) Regie: Massimo Pupillo
Drehbuch: Romano Migliorini & Roberto Natale
Darsteller: Mickey Hargitay, Walter Brandi, Luisa Baratto FSK: 18


17. Jhd. England. Gruft des Grauens. Schloss des Blutes.
John Stewart, den man den ’scharlachroten Henker’ nennt, hatte etwas zu viel Spaß an grausamen Hinrichtungsmethoden und wurde dementsprechend von der Administration auf die gleiche unmenschliche Art und Weise aus dem Leben geschickt (Iron Maiden all the way, baby!).
Schön versiegelt und in einem unterirdischen Gemäuer verscharrt, harrt seine rastlose Seele nun der Zeit, die ihm süße Rache bescheren soll. Als 300 Jahre später ein Grüpplein emsiger Filmschaffender eine Fotosession im Schlössle abhalten will, um das Cover des neuesten Werkes (mit Namen ’Die Rache des Irren von Schloss Westermoor’) von Schriftsteller Rick abzulichten, bekommt der Spukhenker nach etwas Posing und Mimosing endlich seinen Willen. Sein Geist wird per filmischem Zufall aus den Kellergewölben des Schlosses erweckt, schlüpft in den Körper des psychisch labilen Schlossbesitzers Anderson und eine kunterbunte Foltermär nimmt ihren Lauf…

Peephole People

“Überhaupt ’ne komische Atmosphäre hier. Das muss ein Spinner sein. Nicht uninteressant. Bau ich in mein nächstes Buch ein.“
“Rick, warum schreibst du immer weiter diese scheußlichen Gruselgeschichten? Warum gehst du nicht wieder in deinen Beruf zurück. Als Journalist warst du doch wer.“
“Na, du darfst nicht vergessen, dass ich mit diesen Gruselschwarten ein Schweinegeld verdiene. Natürlich will ich das nicht bis an mein Lebensende betreiben. Aber vorläufig nehme ich die Konjunktur noch wahr.“

Hört. Hört.
’Scarletto - Schloss des Blutes’ ist ein Sixties Trash-Hobel im quietschbunten Gothic-Horror-Dress, wie man ihn sonst nur bei den albernsten der Hammerfilme und vielleicht dem einen oder anderen Edgar Wallace Streifen in Farbe vorfindet.
Hier treffen biedere Charaktere auf uralberne Folterfallen, bei denen selbst die Puppe aus ’Saw’ vor Lachen vom Dreirad fallen würde.

Spidergirl, Spidergirl hat Angst vor 'nem Gummiquirl

Während die Neuankömmlinge im Schloss schauspielerisch kaum auffallen, wird bei Castellan Anderson das Overacting geradezu zelebriert.

Er hier...

Wer jetzt denkt, dass dies ja ein recht homoerotischer Bekleidungsstil sei, der sollte erst einmal den superschwulen Geisha-Morgenmantel von Landlord Anderson sehen. Von den oldschooligen ’Marine-Nickis’, die beim Schlosspersonal scheinbar zur Standardmontur gehören, fang ich gar nicht erst an.

...kann's nich lassen.

Fazit: Gruselschloss-Trash in Technicolor, mit fabulösen Folter-Fallen, liebevollem Lokalkolorit und magischer Musik, irgendwo zwischen Kasperle-Theater-Themen, Jazz-Saxophonen und Lounge-Mucke. Der Plot ist zwar genau so zu vernachlässigen, wie die Talentspanne der Darsteller, aber die Atmo macht’s. Für Farbenblinde ungeeignet.


Hudson