Scared


‘Endstation Blutbad’


Originaltitel: Rap nawng sayawng khwan (2005)
Regie & Drehbuch: Pakphum Wonjinda
Darsteller: S. Wattanaselarat, W. Khunarattanrat, A. Kongtrakarn FSK: keine


Ihr habt Lust auf einen langen, blutigen Videoabend? Ihr wollt euch mit Freunden ’Final Destination’, ’High Tension’ und einen der etlichen Slasher Marke ’Ich weiß, was du letzten Freitag an Halloween geschrien hast’ ansehen?
Leute, mein Vorschlag ist folgender: Nutzt die Zeit der ersten beiden Filme für etwas Sinnvolleres (sagen wir: trinkt soviele 'Bloody Maries' wie ihr nur könnt, veranstaltet eine 'Titus Andronicus'-Lesung oder erfindet auswaschbares Kunstblut) und schaut euch dann einfach ’Scared’ an, den neuen Horror-Thriller aus Thailand, der sämtliche Filme, die auch nur annähernd an die oben genannten erinnern auf ein Brett wirft und sie mittels Thai-Massage kräftig zusammenknetet.

Frischfleisch für die Axt
Das fängt schon in Szene Eins an, als auf seltsame Weise versucht wird, das ’japanische, langhaarige Geister-Mädchen’-Thema zu verulken. Beim Versuch soll’s bleiben…
Weiter geht’s, mit einer Busladung Jungs und Mädels, genauer: studentische Freshmen kurz vor der Immatrikulation, die einen Trip ins Summer-Camp machen. Dank der obligatorischen Umleitung gelangen sie an eine Brücke, die noch maroder ist, als jene berühmte aus ’Tempel des Todes’ und stürzen in den River Kwai. So weit, so vorhersehbar. Am Ufer gesammelt, die Toten betrauert (aua, diese Dramatik tat meinen Zähnen weh!), latscht man direkt in den Urwald hinein und wundert sich bald, dass immer mehr Frischlinge abhanden kommen, bis die rettende Tanke mitten im Nichts der Nacht erscheint und natürlich verlassen ist. Nun ja, bis auf den seltsamen Mann mit der bluttriefenden Brechstange…

Hatte ich schon bei den Slashern aufgehört? Von wegen! Auch das olle ’Blair Witch Project’, ’House of Wax’ und Kinji Fukasakus umstrittenes Meisterwerk ’Battle Royale’ wurden hier in die Thai-Suppe geworfen und ordentlich durchgenudelt.

Bach der brechenden Beine
Das dankbare Publikum des diesjährigen FantasyFilmFest (’06, that is) nahm den Film immerhin jubelnd und klatschend auf. Wer allerdings schon einmal in einem Kino, vollgepackt mit blutgeilen Film-Freaks, gesessen hat, weiß sicherlich, dass die DVD im stillen Kämmerlein (und genau so werden die meisten Genre-Fans ’Scared’ konsumieren) nicht unbedingt den gleichen Effekt haben muss.
Ohne auf eine erwähnenswerte Story oder facettenreiche Charaktere zurückgreifen zu können, nutzt Regisseur Pakphum Wonjinda die ihm zur Verfüngung gestellten Eimer voll Blut und Gekröse und eine verhälnismäßig begabte FX-Crew (sowohl digital als auch praktisch), lässt die Puppen durch den Dschungel tanzen und scheucht sie später durch ein herrlich unsinniges Industrie-Bauten-Geflecht.
Ob man nun Spaß an den durchaus einfallsreichen Tötungsmethoden des Killers hat oder sich an den seichten Figuren stört; der ausreichend spannenden Inszenierung zugetan ist oder sich beim reichlich hirnrissigen finalen Twist an den Kopf fasst… nun, das liegt bei den Geschmäckern jedes einzelnen. Eins ist ’Scared’ ganz bestimmt: Unterhaltsam.

Nein, es ist keine Stabwindmühle!

Fazit: Horror-Fastfood mit Mut zum Blut, aber ohne eigene Ideen. Quasi querbeet durch’s Genre und nochmal geerntet, was schon woanders gesät wurde. Seid sicher, dass ihr nicht allein auf der Couch sitzt und vergesst den Kasten Bier nicht!

Hudson